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Gelsenkirchen - Christian Heidel spricht bei SPORT1 über Schalkes Spiel in Leipzig, RB und Europa-League-Gegner Salzburg. Er äußert sich auch zur Sportdirektorensuche in Hamburg und München.

Zwölf Spiele, neun Siege und drei Unentschieden - RB Leipzig ist in der Bundesliga noch ungeschlagen und steht an der Tabellenspitze. Am Samstag (ab 15 Uhr in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) versucht der FC Schalke 04, dem starken Aufsteiger die erste Niederlage beizubringen (Die Highlights des 13. Spieltags, So., ab 9.15 Uhr bei Bundesliga Pur).

Die Schalker sind ihrerseits seit sieben Spielen ungeschlagen und haben in der UEFA Europa League souverän die K.o.-Phase erreicht. Das Vertrauen, das Sportvorstand Christian Heidel Trainer Markus Weinzierl geschenkt hat, zahlt sich langsam aus.

Im SPORT1-Interview spricht Heidel über das Spiel in Leipzig, die Arbeit von RB, Europa-League-Gegner Salzburg, die Sportdirektorensuche in Hamburg und München und über seinen Vorgänger Horst Heldt.

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SPORT1: Herr Heidel, Sie haben gesagt: Wir können die erste Mannschaft sein, die RB Leipzig in der Bundesliga schlägt. Warum ist dieses Vorhaben bisher niemandem gelungen?

Christian Heidel: Die Leipziger stehen ja nicht umsonst da oben auf Platz eins. Sie bringen das Spiel, das sie überragend gut können, immer auf den Platz. Wenn sie das durchdrücken, ist es einfach für jeden Gegner schwierig: Pressing, Gegenpressing. Dazu sind sie offensiv auch noch sehr gut aufgestellt. Wir sagen nicht, dass wird dort gewinnen werden. Aber wir trauen es uns zu. Wir haben auch eine ganz nette Serie hingelegt, unsere Mannschaft hat Selbstbewusstsein. Aber es wird eine ganz große Aufgabe am Samstag.

SPORT1: Über Leipzig wird häufig sehr kritisch gesprochen. Sie haben sich lobend über die Arbeit bei RB geäußert. Sehen Sie RB als Anwärter für einen Europacup-Platz?

Heidel: Ganz sicher. Ich habe schon vor zwei, drei Jahren gesagt, dass demnächst ein Klub kommen wird, der auch um die Meisterschaft spielen wird. Erstens, weil er wirtschaftliche Möglichkeiten hat wie kaum ein anderer Klub und zweitens, weil er diese Mittel überragend gut einsetzt.

SPORT1: Könnte es demnächst noch einen anderen Verein geben, der ähnlich entsteht und hochkommt?

Heidel: Ich habe im Jahr 2007 erstmals ein bisschen kritisch angemerkt, was auf einmal möglich ist und wie sich der Fußball verändern kann. Das war aber keine Kritik in Richtung Hoffenheim. Selbstverständlich kann so etwas noch einmal passieren. Es gibt noch mehr Menschen mit viel Geld und vielleicht auch mit Fußball-Affinität. Deswegen kann sich die Fußball-Landschaft verändern. Ob das jemand gut findet oder nicht, spielt gar keine Rolle.

SPORT1: Sie spielen in dieser Woche praktisch zweimal gegen RB, erst gegen Leipzig, dann gegen Salzburg. Ist es ein fragwürdiges Konstrukt, wie die Spieler zwischen beiden Vereinen hin und her transferiert wurden?

Heidel: RB ist nicht nur sportlich überragend gut aufgestellt, sondern auch juristisch. Wenn das nicht legitim wäre, was da momentan abläuft, dann könnte es nicht stattfinden. Aber soweit ich weiß, spielen wir in der UEFA Europa League gegen den FC Salzburg, nicht gegen RB. Soweit ich gehört habe, ist dort RB nur noch ein Sponsor, weil die Statuten irgendwie verändert wurden. RB stellt sich auf alles ein, sportlich und juristisch, dass am Ende nichts angreifbar ist.

SPORT1 überträgt das Auswärtsspiel der Königsblauen in Salzburg am Donnerstag, 8. Dezember, LIVE ab 21 Uhr im TV auf SPORT1. Bereits ab 19 Uhr startet der "Countdown" LIVE im Studio.

SPORT1: Am Ende sieht man dann beim FC Salzburg, dass der sportliche Erfolg nicht mehr drin ist, wenn der große Sponsor fehlt. Salzburgs Auftritte in der Europa League waren bisher nicht besonders furchterregend...

Heidel: Das  kann man so nicht sehen. Denn auch als RB noch der ganz große Sponsor in Salzburg war, sind sie in aller Regel im internationalen Geschäft nicht sehr weit gekommen und hier und da in der Qualifikation gescheitert. Das muss nicht unbedingt etwas damit zu tun haben. Wir möchten gern die Gruppe mit sechs Siegen abschließen, deswegen werden wir das Spiel ernst nehmen.

SPORT1: Der Hamburger SV sucht immer noch einen Sportdirektor, auch der FC Bayern sucht. Was macht diesen Job so schwer?

Heidel: Ich glaube, dass der FC Bayern schon konkrete Vorstellungen hat. In Hamburg ist es etwas anders, weil dort alles immer öffentlich diskutiert wird. In allererster Linie sollte der Verein vorgeben, welchen Typ Sportdirektor er sucht und was sein Aufgabengebiet sein soll. Da gibt es Unterschiede. Mein Aufgabengebiet auf Schalke ist zum Beispiel komplett anders als in Mainz, wo es wesentlich umfassender war. Ich glaube, dass es fähige und gute Leute auf dem Markt gibt und ganz sicher beide Klubs demnächst irgendwen präsentieren werden.

SPORT1: Sie haben Ihre Aufgabe auf Schalke von Horst Heldt übernommen. Was haben Sie angefasst und anders gemacht?

Heidel: Mir ist ganz wichtig, dass ich nie ein kritisches Wort über Horst verloren habe. Jeder hat seine eigenen Ideen, Horst hat das hier fünf Jahre mit viel Erfolg auf Schalke abgewickelt. Dann hat sich Schalke entschieden, aus welchen Gründen auch immer, einen neuen Weg gehen zu wollen. Die Prioritäten sind vielleicht unterschiedlich. Ich bin jemand, der sehr viel Wert auf mittel- und langfristige Entwicklung legt, weniger jemand, der sagt: 'Wir müssen unbedingt am Ende der Saison auf Platz x,y oder z landen.' Ich weiß nicht, ob mich das von Horst unterscheidet. Ich bin in einen Verein gekommen, der wunderbar geordnet ist - alles andere als Chaos, was immer so erzählt wird. Es macht Riesenspaß, natürlich hat Horst auch einen großen Anteil daran. Ich würde nie für mich in Anspruch nehmen zu sagen, ich mache es besser. Ich mache es vielleicht anders."

Moderator Thomas Helmer begrüßt am kommenden Sonntag (ab 11 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) den ehemaligen Schalker Sportvorstand Horst Heldt und Ingolstadts Sportdirektor Thomas Linke im Volkswagen Doppelpass.

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