Flaschenwurf: Herrlich mit Spitze gegen Nagelsmann
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Stuttgart - Bayer Leverkusen feiert einen Auswärtssieg beim VfB Stuttgart. Doch eine Aktion erhitzt die Gemüter während und nach der Partie.

Frust trotz Auswärtsdreier: Bayer Leverkusen bleibt in der Erfolgsspur, wütet aber über die Schiedsrichterleistung.

Die Mannschaft von Trainer Heiko Herrlich fügte dem VfB Stuttgart  zum Auftakt des 15. Bundesliga-Spieltags beim 2:0 (1:0) die erste Heimniederlage 2017 zu und baute zugleich ihre Serie auf elf Pflichtspiele ohne Pleite aus.

Doch eine Szene sorgte für Ärger bei den Werkself-Verantwortlichen. Auslöser war ein hartes Einsteigen von Santiago Ascacibar gegen Julian Brandt (71.). Schiedsrichter Deniz Aytekin hatte zuvor einen Zweikampf im Mittelfeld abgepfiffen, doch die Spieler hatten den Pfiff nicht mitbekommen.

Im folgenden Laufduell ging der Stuttgarter mit der offenen Sohle auf den Knöchel von Brandt - ein durchaus rotwürdiges Vergehen, doch Ascacibar sah nur die gelbe Karte.

Für dieses Einsteigen sah Santiago Ascacibar nur die gelbe Karte © SPORT1/ iM Football

Zur Erinnerung: Für ein ähnliches Vergehen hatte der Leverkusener Wendell in der Vorwoche noch einen Platzverweis bezogen und war anschließend für vier Spiele gesperrt worden. 

"Wo war der Videoschiedsrichter?"

Rudi Völler war nach der Partie wegen des Fouls denn auch mächtig sauer: "Ich frage mich: Wo war der Videoschiedsrichter?", sagte Bayers Sportdirektor bei Eurosport. Wenn man den Vergleich zu letzter Woche von Wendell zieht, hätte man auch Rot geben können", meinte Bayers Coach Herrlich.

TV-Experte Matthias Sammer warf dem Videoschiedsrichter dabei sogar "klares Versagen" vor. "Da muss es doch einen Richter geben, der das bewertet. Wenn man zusätzlich die Mittel hat, das nachträglich am Bild zu bewerten, ist das nicht nachzuvollziehen", so Sammer weiter. (TICKER zum Nachlesen) 

In der hektischen Schlussphase verwies Aytekin dann auch noch Bayer-Coach Herrlich auf die Tribüne (76.), nachdem dieser beim Reklamieren eine Wasserflasche auf den Boden geworfen hatte.

Herrlich entschuldigte sich auf der Pressekonferenz für seinen Ausraster: "Vorneweg möchte ich mich für meinen Platzverweis entschuldigen. Ich habe eine Vorbildfunktion. Ich möchte in Zukunft aufpassen, dass mir das nicht mehr passiert."

Leno wird beschimpft

Die Treffer für die nur phasenweise überzeugenden Gäste erzielten Junioren-Nationalspieler Kai Havertz (20.), der erstmals in dieser Saison erfolgreich war, und Kapitän Lars Bender (80.). Der starke Ex-Stuttgarter Bernd Leno hielt die Punkte mit guten Paraden fest, der eingewechselte Benjamin Henrichs traf den Pfosten (73.).

Leno blieb damit gegen Ex-Team Stuttgart weiter ungeschlagen. Einige VfB-Fans beschimpften den ehemaligen VfB-Torhüter während der Partie.

"Wir klettern jetzt nach oben und mit dem Hintergrund, dass vorher nur Augsburg hier punkten konnte war das sehr gut. Wir hatten sicherlich 15 Minuten nach der Pause eine Phase, in der wir keinen Zugriff hatten und uns Bernd Leno rettet", bilanzierte Bayer-Coach Herrlich. 

Für Stuttgart, das keines der letzten 13 Duelle mit Leverkusen gewann, war es die 600. Niederlage in der Bundesliga und die erste zu Hause seit dem 18. Dezember vergangenen Jahres (1:3/Würzburg).(DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Bernd Leno hielt Leverkusen den Sieg fest © SPORT1 / iM Football

54.650 Zuschauer in der Mercedes-Benz Arena sahen eine zähe Anfangsphase. Beide Mannschaften machten die Räume im Mittelfeld geschickt eng und attackierten früh, weshalb sich dort viel konzentrierte und es kaum Torraumszenen gab. Leverkusen gelang es nach einer Viertelstunde, aus diesem Korsett auszubrechen, die Abschlüsse von Julian Brandt (17.) und Kevin Volland (18.) waren jedoch nicht entschlossen genug.

Bailey mit starker Vorlage

Anders Havertz, der sich am Fünfmeterrraum im Rücken der VfB-Abwehr geschickt freilief und nach kluger Hereingabe von Leon Bailey mühelos vollstreckte. Der VfB geriet damit erstmals in dieser Saison in einem Heimspiel in Rückstand.(DATEN: Alle Ergebnisse im Überblick)

"Der Sieg tut uns allen ganz gut. Wir haben uns in vielen Spielen nicht richtig belohnt", erklärte Torschütze Havertz.

Wer jetzt wütende VfB-Angriffe erwartete, sah sich aber getäuscht. Stuttgart erspielte sich zwar ein Übergewicht, hatte allerdings große Mühe, die aufmerksame Leverkusener Defensive in Verlegenheit zu bringen.

Wenn Gefahr aufkam, dann über den auffälligen Anastasios Donis auf der rechten Seite, dem letzten Pass fehlte jedoch die Präzision. Sturmspitze Simon Terodde, erstmals seit fast zwei Monaten in der Startelf, wurde viel zu selten in Szene gesetzt.

Leverkusen musste mit Wiederbeginn umstellen, Julian Baumgartlinger kam für den angeschlagenen Panagiotis Retsos, Lars Bender rückte in die Abwehrkette. Und jetzt endlich spielte der VfB entschlossener auf das Tor von Leno. Der Ex-Stuttgarter parierte stark gegen Emiliano Insua (52./61.) und Berkay Özcan (56.).

Bayer tat in dieser Phase viel zu wenig, um seinen Ansprüchen als Spitzenmannschaft gerecht zu werden. Erst nach über einer Stunde befreite sich Leverkusen wieder etwas. Henrichs hatte bei seinem Schuss Pech, dass Ron-Robert Zieler noch mit den Fingerspitzen an den Ball kam. Per Kopf sorgte dann Lars Bender mit seinem zweiten Saisontreffer für die Entscheidung.

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