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© SPORT1-Grafik: Getty Images
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SPORT1-Experte Thomas Strunz analysiert die Situation beim HSV nach den Entlassungen von Heribert Bruchhagen und Jens Todt - und erklärt, wen der Klub jetzt braucht.

Hallo Fußball-Freunde,

die Freistellung von Heribert Bruchhagen und Jens Todt ist eine konsequente Entscheidung. Für die Zukunftsplanung des Hamburger SV ist es notwendig, sehr schnell, für den ein oder anderen vielleicht auch schmerzhafte, Entscheidungen zu treffen. So wie es bisher kann es nicht weitergehen. Der Klub braucht neue Strukturen, neue Verantwortlichkeiten und neue Entscheidungsträger.

Heribert Bruchhagen aber jetzt als Hauptschuldigen auszumachen, wäre viel zu einfach und falsch. Der sportliche und wirtschaftliche Niedergang des HSV ist kein Ergebnis der vergangenen Monate, sondern ein Ergebnis von vielen Fehlentscheidungen, falschen Personalentscheidungen und persönlichen Interessen innerhalb des Klubs.

Es wurden gut funktionierende Strukturen, zum Beispiel im Scouting-Bereich, zerschlagen und es haben viele Einflüsse auf den gesamten Verein und die Mannschaft eingewirkt, so dass ich diese Bündelung der Entscheidungswege in dieser schweren Situation auf jeden Fall richtig finde. Bruchhagen und Todt müssen jetzt den Kopf für den ganzen Wahnsinn der vergangenen Jahre hinhalten.

Dass durch die Entlassungen neue Unruhe aufkommt und es dadurch noch schwerer für das Team wird, sehe ich überhaupt nicht. Es geht auch nicht darum, dass die Truppe am Samstag ein gutes Gefühl hat, sondern darum, den HSV für die Zukunft neu aufzustellen. Und zwar komplett neu aufzustellen. Es geht auch darum, jetzt bereits den Neustart in der 2. Liga zu planen, wenn auch die Rettung noch möglich ist.

Bezeichnend: Bei Bruchhagens Abschied geht das Licht aus

Was passiert nach der Saison mit Bernd Hollerbach? Bleibt er oder muss er ebenfalls gehen? Auch da muss es Planungen und Verantwortliche geben. Und genau deshalb hat der HSV richtig gehandelt. Der Klub hat keinen Tag zu verlieren.

Die Entscheidung, dass Bernd Hoffmann als Präsident jetzt auch Aufsichtsratsvorsitzender ist, ist ebenfalls konsequent. Die internen Machtkämpfe haben den Verein in den vergangenen Jahren gelähmt.

Die Mitglieder haben sich durch die Rückkehr von Hoffmann für einen neuen Weg entschieden und dann ist es auch nur richtig, in dieser Krisenzeit die komplette Verantwortung zu übernehmen und nicht aus dem Hintergrund heraus Politik zu betreiben.

Wer könnte jetzt der Nachfolger von Bruchhagen werden? Jörg Schmadtke ist sicherlich ein Kandidat, der passen könnte. Er verfügt über viel Erfahrung in der 1. und 2. Liga., hat in verschiedenen Vereinen gearbeitet und weiß, was in einem unruhigen Umfeld zu tun ist. Beim 1. FC Köln hat Schmadtke gezeigt, dass er einen Verein, der in der Öffentlichkeit eine große mediale Beachtung findet, in ruhiges Fahrwasser bringen kann. Er hat in Köln lange Zeit sehr gut gearbeitet, warum soll ihm das nicht auch beim HSV gelingen?

Es gibt natürlich auch andere Kandidaten. Derjenige muss sich mit dem Szenario 2. Liga intensiv beschäftigen, ein gutes Netzwerk haben und da braucht man auch neben Erfahrung auch ein gewisses Renommee und Durchsetzungsstärke. Und da hat Jörg Schmadtke einiges vorzuweisen.

Horst Heldt wäre auch ein geeigneter Kandidat, aber warum sollte er, wo er demnächst bei Hannover 96 neuer Geschäftsführer wird, zum HSV wechseln? Das macht gar keinen Sinn. Ich gehe auch nicht davon aus, das Martin Kind Heldt gehen lässt.

HSV-Beben: Hoffmann erklärt Bruchhagen-Aus

Der HSV braucht aus meiner Sicht einen erfahrenen Mann, der jetzt, in Zusammenarbeit mit Bernd Hoffmann und den Gremien des Klubs, den Weg vorgibt. Diesem müssen alle folgen und da darf es überhaupt keine Zweifel geben, ob dieser neue Mann der Richtige ist. Und da ist Jörg Schmadtke auf jeden Fall ein sehr geeigneter Kandidat für den Neuanfang.

Euer Thomas Strunz

Ex-Nationalspieler Thomas Strunz ist als Experte im CHECK24 Doppelpass tätig. Der Europameister von 1996 wechselt sich in dieser Saison bei der sonntäglichen Doppelpass-Kolumne mit Marcel Reif und Armin Veh ab.

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