Heynckes adelt Vorgänger Ancelotti
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München - Für den FC Bayern ist die Meisterschaft nicht genug. Spieler und Bosse sind auf weitere Erfolge aus. Die nächsten Tage geben Aufschluss über die Triple-Chancen.

Im Moment des Titelgewinns wurde Karl-Heinz Rummenigge vorübergehend zum Kirmesmeister. 

Der FC Bayern hatte auf offizielle Feierlichkeiten verzichtet, am Abend war den Spielern lediglich ein gemeinsamer Abend im In-Restaurant Burger & Lobster Bank vergönnt. Da musste der Boss zusätzlich schon ein Unterhaltungsprogramm aufbieten, das nicht Gefahr lief, zensiert zu werden.

Rummenigge kam gerade aus der Kabine und ahnte wohl, dass seine Stars mit den wenigen Schlücken Champagner und alkoholfreiem Bier nur leidlich zufriedenzustellen waren. 

Gewöhnlich beglücken sich die Bayern-Profis bei Meisterschaften ja mit einigen Weißbieren im Maxi-Format. Doch Alkohol in rauen Mengen ist nicht dieser Tage, in denen es um so viel geht. Das hatte Jupp Heynckes vorher so angeordnet.

Bayern will noch mehr als die Meisterschaft

Vorsorglich hatte Rummenigge einen Party-Kniff parat. In den Katakomben der Augsburger Arena präsentierte er ein Genussmittel, das die Mannschaft mindestens ebenso berauscht wie Alkohol: Erfolg. Den puren Erfolg.

15 Titel, Rummenigge hatte extra noch mal nachgerechnet, hat der FC Bayern in den vergangenen sechs Jahren erspielt. Klub-WM und Ligapokal inbegriffen. "Und das Karussell dreht sich ja noch weiter", sagte er.

Da stand er nun, der Vorstandschef und lud zur großen Vergnügungsfahrt für die restliche Saison ein. 

Im besten Fall, davon träumen sie in München, dauert die bis Ende Mai an. Am 26. des Monats findet das Endspiel in der Champions League statt. Es wäre Jupp Heynckes' letztes Pflichtspiel.

Wieder Triple-Abschied für Heynckes?

Jetzt, da sie zu akzeptieren beginnen, dass ihr Coach im Sommer aufhört, wollen die Bayern ihm einen ähnlich triumphalen Abgang bescheren wie 2013. Damals ging Heynckes als Triple-Trainer.

Triple. Das ist die Sprache des Erfolgs, die Rummenigge so gefällt. 

Thomas Müller hatte die Worte seines Chefs nicht gehört. Er wusste auch so, worauf er aus war. "Wir wollen in den ausstehenden Wettbewerben ganz weit kommen", sagte er, "wir haben schon das Gefühl, dass da was drin ist".

Welchen Ausgang die Münchner Saison nimmt, entscheidet sich ein Stück weit schon in den kommenden eineinhalb Wochen. Bereits am Mittwoch (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER) steht das zweite Viertelfinale in der Königsklasse an.

Sevilla ist Pflicht - danach folgt die Kür

Nach allem, was der 2:1-Hinspielerfolg an Erkenntnissen geliefert hat, wird der FC Sevilla zwar ein unbequemer Gegner werden. Der FC Bayern muss ihn trotzdem ausschalten, wenn es etwas werden soll mit den großen Plänen bis Mai.

Auweia Sevilla! Bayern-Gegner kassiert Klatsche

Hasan Salihamidzic warnte am Samstag zwar eindringlich, die Spanier seien "eine sehr, sehr gute Mannschaft". Das musste der Sportdirektor aber auch sagen, um einem familiären Konflikt zu entgehen. Seine Ehefrau stammt aus Sevilla.

Gemessen an den eigenen Ansprüchen ist das Heimspiel eine Pflichtaufgabe. Bei erfolgreicher Bewältigung werden die Bayern am Freitag interessiert nach Nyon schauen. Dort steht die Auslosung der Halbfinalpartien für den 24./25. April und 1./2. Mai an. 

Nun, Guardiolas Manchester City steht vor dem Aus. Die unbequemen Italiener von Juventus und Roma scheitern aller Voraussicht nach an den spanischen Überteams. Angenommen Real und Barca würden an einem günstigen Tag mal gegeneinander gelost - die Sache mit dem Finale könnte sich ausgehen für die Bayern. 

Noch viel näher liegt das Halbfinale im DFB-Pokal. Ein Erfolg in diesem Wettbewerb wäre Bayerns nationale Krönung. Auf dem Weg dorthin meldet aber erst mal noch Bayer Leverkusen Ansprüche an.

Gutes Omen im Pokal

Erstmals seit sechs Jahren müssen die Münchner im Pokal-Halbfinale wieder auswärts antreten (17.4., ab 20.15 Uhr im LIVETICKER). Das letzte mal zitterten sie sich 2012 in Mönchengladbach erst im Elfmeterschießen ins Finale.

In dieser Hinsicht haben die Bayern mit Leverkusen allerdings gute Erfahrungen gemacht. Vor drei Jahren bezwangen sie die Werkself im Viertelfinale ebenfalls im Shootout. Auswärts. Ein gutes Omen?

Auf den Zufall werden sie sich beim Rekordmeister kaum verlassen. Dann schon eher auf die eigene Stärke: die unbändige Überzeugung von sich selbst.

"Dieser Wille" zu gewinnen, sagte Thomas Müller nach dem Triumph in Augsburg, "trägt uns schon die ganze Saison. Wir hoffen, dass er uns noch ein bisschen weiter trägt."

Idealerweise noch zu zwei weiteren Titeln. Rummenigge könnte in seiner Bilanz schon bald Nummer 16 und 17 vermerken. 

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