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Ralph Hasenhüttl ging mit RB Leipzig gegen Hoffenheim unter © Getty Images
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München - RB Leipzig stoppt nach der Pleite gegen Hoffenheim die Vertragsgepräche mit Ralph Hasenhüttl. Gut möglich, dass die verfahrene Situation in einer Trennung mündet.

Aus in der UEFA Europa League, die Qualifikation fürs internationale Geschäft in Gefahr - und nun auch neue Fragezeichen hinter der Zukunft von Trainer Ralph Hasenhüttl: RB Leipzig steckt in der bislang wohl größten Sinnkrise seiner jungen Bundesliga-Geschichte.

Sportdirektor Ralf Rangnick hat nach der derben 2:5-Heimpleite gegen Hoffenheim die Gespräche über einen neuen Kontrakt mit dem österreichischen Coach vorerst ausgesetzt. Auch alle weiteren Vertragsgespräche mit Spielern liegen nach dem Absturz auf Platz 6 zunächst auf Eis.

"Wir haben dem Trainer gesagt, dass wir in den drei Wochen, die wir noch haben, die komplette Konzentration auf die drei Spiele brauchen. Das gilt für alles, auch für Spieler wie Timo Werner oder den ein oder anderen", sagte Rangnick im Anschluss an die 2:5-Klatsche gegen die TSG Hoffenheim. Die Gespräche sollen aber "unmittelbar nach Ende der Saison" wieder aufgenommen werden, ergänzte Rangnick.

Vor allem in Bezug auf Hasenhüttl kann man geteilter Meinung sein, ob der Zweck der Übung tatsächlich erfüllt wird. Lenkt sie doch umso mehr den Blick darauf, dass es zwischen Trainer und Verein mehr zu knirschen scheint, als beide Seiten zugeben mögen.

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RB Leipzig und Hasenhüttl - eine Hängepartie

"Wenn man überzeugt ist von Ralph Hasenhüttl als Trainer, dann gibt man ihm eine Vertragsverlängerung und das Thema ist beendet", hielt der frühere Köln-Manager Jörg Schmadtke am Sonntag im CHECK24 Doppelpass fest. Was zur Frage führt: Warum tut Leipzig genau das nicht?

Nicht zum ersten Mal zieht sich das Vertrags-Thema in die Länge: Hasenhüttl selbst hatte die Verhandlungen über 2019 hinaus im Dezember abgebrochen. Für viele war das ein Zeichen, dass sich der 50-Jährige mit einem Wechsel zu Bayern München oder Borussia Dortmund beschäftigte.

Der Steirer hatte seine zögerliche Haltung seit Dezember damit begründet, dass er nicht gewusst habe, "in welche Richtung es weitergehen soll". Anfang April ging er - unter anderem mit einer emotionalen PK-Ansprache - wieder auf den Klub zu und bekräftigte, "dass mit dieser Mannschaft vieles möglich ist".

RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff war kurz darauf selbst im CHECK24 Doppelpass zu Gast - und konnte in Sachen Verlängerung nichts Konkretes verkünden: "Wir sind in Vertragsgesprächen, und das geht nicht zwischen Tür und Angel. Wir haben momentan eine Englische Woche nach der anderen", erklärte Mintzlaff.

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Gegentor-Flut macht Hasenhüttl ratlos

Hasenhüttl selbst befürchtet nun nach den schlechten Ergebnissen Auswirkungen auf die Verhandlungen - vor allem, dass ihm die Verantwortlichen die Defensivprobleme (15 Gegentore in den vergangenen vier Spielen) negativ auslegen könnten.

"Das müssen sie ja", sagte Hasenhüttl auf der Pressekonferenz nach der Pleite am Samstag. "Es ist auch neu für mich, in der Zeit 15 Tore zu kassieren. Das habe ich als Trainer bisher auch noch nicht erlebt."

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Bereits unmittelbar nach der Partie war der Österreicher mit seinen Spielern hart ins Gericht gegangen und hatte ihnen fehlenden Charakter vorgeworfen.

Zeichen einer Entfremdung?

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"Du musst über die groben Ziele Einigkeit haben. Wenn du die nicht hast, wird es kompliziert und am Ende in einer Trennung enden", sagte Schmadtke am Sonntag im Dopa.

Ob diese Einigkeit in Leipzig herrscht? Nach den jüngsten Rückschlägen steht vieles zur Debatte, unter anderem auch die Frage, ob RB sein auf die Verpflichtung junger und entwicklungsfähiger Spieler ausgerichtetes Konzept beibehalten mag - oder ob der Klub durch eine veränderte Transfer-Politik einen schnelleren Aufstieg an die Liga-Spitze erzwingen mag.

Eine Schlüsselfrage, die den Kern des Projekts RB berührt und die viel Konfliktpotenzial birgt. Hasenhüttls Vor-Vorgänger Alex Zorniger stolperte vor drei Jahren in der Zweiten Liga über eine ähnliche Konstellation: Auch damals stockte Leipzigs Marsch nach oben - und Zorniger musste auch wegen konzeptioneller Streitigkeiten mit Rangnick gehen.

Die Geschäftsbeziehung zwischen Hasenhüttl und RB Leipzig könnte nun auch ein Ende mit bitterem Beigeschmack finden. Zumal Hasenhüttl nicht zwingend darauf angeweisen ist, dass er mit den Bullen einig wird. Zwar ist der Job bei Bayern mittlerweile an Niko Kovac vergeben, der bei Borussia Dortmund dürfte aber trotz des BVB-Kantersiegs gegen Leverkusen frei werden.

"Da dürfte nochmal Bewegung reinkommen", mutmaßte SPORT1-Experte Marcel Reif am Sonntag.

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