Hitzfeld wirbt für Favre als BVB-Trainer
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Basel und München - Trainer-Idol Ottmar Hitzfeld lobt die Arbeit von Peter Stöger bei Borussia Dortmund, kann sich aber auch Lucien Favre sehr gut als BVB-Coach vorstellen.

Die Bilder vom Champions-League-Titel 1997 mit Borussia Dortmund sind unvergessen, auch Erfolgstrainer Ottmar Hitzfeld erinnert sich gern an seine Triumphe und pflegt seinen Trophäenschrank am liebsten selbst.

Im zweiten Teil des Exklusiv-Interviews mit SPORT1 erklärt der 69-Jährige, wie der BVB in die Erfolgsspur zurückfinden kann. Über den möglichen neuen Trainer Lucien Favre weiß Hitzfeld viel Positives zu berichten, auch die Rückkehr von Matthias Sammer begrüßt Hitzfeld.

SPORT1: Die Ablösesummen für Spieler werden immer absurder. Auch Trainer werden aus Verträgen herausgekauft. Was würde heutzutage der Trainer Ottmar Hitzfeld kosten?

Ottmar Hitzfeld: Der ist nicht bezahlbar (lacht). Spaß beiseite. Für mich war immer klar, dass ich meine Verträge erfülle. Ich hatte als junger Trainer auch schon Angebote von namhaften Klubs, aber ich habe immer gesagt, dass ich meinen Vertrag erfüllen möchte. Aber heute ist es halt üblich, dass die Spieler frühzeitig wechseln und bei Trainern ist es ähnlich. Man gewöhnt sich so langsam dran. Ich glaube trotzdem, dass für den Trainer, der ja als Vorbild gelten muss, die moralischen Werte sehr wichtig sein müssen, wenn er irgendwo langfristig arbeiten will. 

SPORT1: Was haben Sie sich von Ihrem ersten Gehalt geleistet?

Hitzfeld: In meinem zweiten Jahr mit dem FC Aarau wurde ich Pokalsieger. Danach habe ich mir einen schönen antiken Wohnzimmerschrank aus Nussbaum kaufen können. Der war ausgestellt in Aarau und ich habe gesagt: 'Wenn ich den Pokal hole, dann leiste ich mir diesen Schrank'. 

SPORT1: Der wie viel gekostet hat?

Hitzfeld: 15.000 Franken. Das war meine Pokal-Prämie.

SPORT1: Und der steht heute noch bei Ihnen?

Hitzfeld: Natürlich. Da sind noch ein paar Pokale drin verschlossen. Ein schönes Andenken an meinen Trainerstart in der Schweiz. 

SPORT1: Wer entstaubt Ihre ganzen Trophäen?

Hitzfeld: Das mache ich selbst, aber wir haben auch eine Pflegekraft, die das macht. Es ist immer schön, alte Erinnerungen in der Hand zu halten. 

Ottmar Hitzfeld im Gespräch mit SPORT1-Chefreporter Digital Florian Plettenberg
Ottmar Hitzfeld im Gespräch mit SPORT1-Chefreporter Digital Florian Plettenberg © SPORT1

SPORT1: Zurück zum Sportlichen. Bei ihrem Ex-Verein Dortmund soll wohl Lucien Favre zur kommenden Saison Trainer werden.

Hitzfeld: Zunächst mal habe ich immer betont, dass Peter Stöger bei Dortmund einen sehr guten Job gemacht hat, denn Dortmund war ein fallender Riese. Da waren sehr viele Probleme und dort ist sehr große Unruhe gewesen. Stöger hat es geschafft, wieder Stabilität hineinzubekommen. Darum habe ich gehofft, dass er bleibt. 

Lesen Sie auch Teil eins des exklusiven SPORT1-Interviews mit Ottmar Hitzfeld über den FC Bayern, Jupp Heynckes und dessen Nachfolger Niko Kovac.

SPORT1: Aber wenn Stöger tatsächlich gehen muss?

Hitzfeld: Dann glaube ich schon, dass Lucien Favre ein kompetenter Trainer ist, weil er auch in der Bundesliga Erfahrung sammeln konnte. Er hat Berlin und Gladbach zum Erfolg geführt. Er hat in Nizza mit Mario Balotelli auch einen sehr interessanten Spieler in seinem Kader und kommt zurecht. Von daher wird er in Dortmund keine Führungsprobleme haben. Er ist auch ein Taktikfuchs, der das Spielerische hervorhebt und offensiv spielen lässt. Das passt zur Philosophie von Borussia Dortmund. 

SPORT1: Was müsste Favre machen, um die Herzen der Borussen-Fans zu erobern?

Hitzfeld: In Dortmund ist es wichtig, dass ein Trainer authentisch ist. Dass er offen und ehrlich seine Meinung sagt und dass er Klartext spricht. Dass ist eine Dortmunder Mentalität. Dann wird er auch von den Fans geliebt werden. Das Wichtigste, wie überall, ist natürlich der Erfolg. Wenn er an den richtigen Schrauben dreht und den ein oder anderen Transfer tätigen wird, dann wird er eine Mannschaft haben, die den Konkurrenzkampf mit Bayern suchen wird. Ob sie ihn auch aufnehmen kann, wird sich dann zeigen. Aber man muss sich verstärken, um wieder die Nummer 2 in Deutschland zu werden. 

SPORT1: Matthias Sammer ist als externer Berater wieder zurück beim BVB. Sinnvoll?

Hitzfeld: Ich habe mich gefreut, als ich gehört habe, dass Matthias Sammer wieder ein bisschen aktiver sein wird im Bundesliga-Geschehen. Er macht ja sehr gute Analysen und kann sehen, wo Fehler in einer Mannschaft sind und woran es liegt, wenn der Erfolg ausbleibt. Das wird Dortmund guttun. Obwohl ich davon überzeugt bin, dass Watzke und Zorc auch eine große Ahnung vom Fußball haben. Aber ein externer Berater ist unabhängig. 

SPORT1: Was darf man von Sammer erwarten?

Hitzfeld: Mit Sammer hat man einen Berater gefunden, der sehr viel Wert auf Spielerpersönlichkeiten legen wird. Der auch einen Aggressiv-Spieler suchen wird, wie er früher einer war. Denn so einer fehlt Dortmund. Vor allem im defensiven Mittelfeld hat man sehr gute Spieler, aber man hat keinen Vidal oder keinen van Bommel wie früher bei Bayern. So ein Aggressiv-Leader würde Dortmund guttun. Eine Matthias-Sammer-Kopie wäre nicht schlecht. 

SPORT1: Ihr Fazit zu den Trainer-Jungspunden Julian Nagelsmann von Hoffenheim und Schalkes Domenico Tedesco? 

Hitzfeld: Beide sind junge Trainer und haben bisher Überragendes geleistet. Nagelsmann war mit 29 Jahren Cheftrainer einer Bundesliga-Mannschaft. Diese im Abstiegskampf zu übernehmen, war grandios. Da muss man Herrn Hopp gratulieren, dass er diese Verantwortung übernommen hat. Nagelsmann ist jetzt auch auf gutem Wege, in der Champions League in der kommenden Saison Fuß zu fassen. Tedesco hat auch Überragendes geleistet. Vizemeister mit Schalke 04 zu werden ist etwas Besonderes. Er hat auch die Strukturen in der Mannschaft verändert und der Defensive mehr Stabilität verliehen. Man kann auf Schalke wieder zu null spielen. 

SPORT1: Sie feiern nächstes Jahr Ihren 70. Steigt dann die große Party?

Hitzfeld: Ich habe mir schon ein paar Gedanken gemacht, aber ich bin nicht mehr der große Partygänger. In jungen Jahren war das etwas anderes. Mittlerweile suche ich eher etwas mehr Ruhe. Ich war jetzt erst mit meinem Sohn, seiner Frau und meinen zwei Enkeln zwei Wochen in Abu Dhabi. Das war ein Glücksfall für mich. Das war herrlich. An meinen Geburtstag im nächsten Jahr werde ich daher wahrscheinlich sehr weit weg sein von zu Hause. Mein Wunsch zum 70. wird sein, dass ich fit bleibe. Das ist das Wichtigste. 

SPORT1: Ihr langjähriger Wegbegleiter und Ex-Manchester-Trainer Sir Alex Ferguson musste sich kürzlich einer Notoperation unterziehen.

Hitzfeld: Ich bin gedanklich sehr nahe bei Alex Ferguson. Ich habe ihm auch geschrieben. Er braucht jetzt absolute Ruhe. Ich bin froh, dass er die Operation ganz gut überstanden hat. Das ist auch eine Warnung an alle anderen Leute, die etwas älter werden, dementsprechend zu leben und die Gesundheit zu schätzen. Ich bin davon überzeugt, dass Alex Ferguson sehr bald wieder gestärkt aus dieser Situation hervorgehen wird, denn er war immer ein Kämpfer.

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