Die legendärsten Reden auf der Bayern-Jahreshauptversammlung
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München - Am Freitag steigt die Jahreshauptversammlung des FC Bayern. Karl-Heinz Rummenigge prophezeit einen ruhigen Abend. Doch es gibt genug Brennpunkte.

Auch wenn Karl-Heinz Rummenigge noch vor einer Woche einen "ruhigen Abend" prophezeite, könnte es auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern am Freitag (ab 19 Uhr im LIVETICKER) ungemütlich werden.

Sportlich liegt der Serienmeister der vergangenen sechs Jahre als Tabellenfünfter trotz der 5:1-Gala gegen Benfica Lissabon in der Champions League deutlich hinter den eigenen Ansprüchen. Zuletzt waren ob der dürftigen Leistungen immer wieder Pfiffe in der heimischen Allianz Arena zu hören.

Um die Wogen zwischen Klub und Fans etwas zu glätten, veröffentlichten die Bayern am Montag eine Erklärung, in der man sich nach "offenen und sehr konstruktiven Gesprächen" mit Fan-Vertretern in Zukunft auf die Farben Rot und Weiß für die "Hauptspielkleidung" der Bayern bei Heimspielen beschränken werde.

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Der Protest der Anhänger hatte in diesem Punkt Erfolg. Doch es gibt noch weitere heiß diskutierte Themen, die am Freitagabend im Münchner Audi Dome für Unruhe sorgen könnten. SPORT1 nennt die Brandherde.

- Breitners Verbannung

Zuletzt sorgte der Zwist der Bayern mit Vereinsikone Paul Breitner für Wirbel.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß hatte seinem langjährigen Weggefährten anlässlich dessen Kritik nach der denkwürdigen Pressekonferenz der Bosse nahegelegt, auf absehbare Zeit den Ehrengast-Bereich der Allianz Arena zu meiden. Die Nachricht habe ihm Hoeneß nicht einmal selbst überbracht, sondern Finanz-Boss Jan-Christian Dreesen, bestätigte Breitner SPORT1 einen entsprechenden Bild-Bericht.

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In etlichen Vereinsforen wurde Hoeneß für sein Vorgehen scharf kritisiert. Beim Champions-League-Spiel gegen Benfica machten sich die Fans der Südkurve mit Sprechchören für Breitner stark.

Auch am Freitag könnte das Thema zur Sprache kommen, wenn im Anschluss an den Bericht des Vorstands unter Tagesordnungspunkt "8. Verschiedenes" die Mitglieder ihre Wortmeldungen an die Bayern-Bosse richten.

- Denkwürdige Wut-PK der Bosse

Im Oktober holte die Führungsriege um Hoeneß, Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic zum Rundumschlag gegen Ex-Spieler und Medien aus.

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Während ein Teil der eingefleischten Fans es durchaus positiv bewertete, dass Hoeneß und Co. damit das "Mia san Mia"-Gefühl stärkten, war einigen Anhängern der denkwürdige Auftritt peinlich. Viele kündigten daraufhin ihre Mitgliedschaft. Mit diesem Auftritt sei eine über Jahre geleistete Arbeit kaputt gemacht worden, den deutschen Rekordmeister "aus dieser Arroganz-Atmosphäre, aus diesem Image, das der FC Bayern landauf landab hatte", zu befördern, erklärte Breitner im Anschluss, was ihm die oben beschriebene Verbannung einbrachte.

Positiver Nebeneffekt für die Klub-Führung: Zumindest von den ausgetretenen Ex-Mitgliedern sind am Freitag keine kritischen Nachfragen zu erwarten, da nur ein gültiger Mitgliedsausweis Einlass in den Audi Dome gewährt. Abgehakt ist das Thema aber nicht.

- Bayerns Verbindung zu Katar

Auf dem Ärmel des Rekordmeisters prangt das Logo von Qatar Airways, die Airline aus dem Emirat ist bis 2023 sogenannter Platinsponsor des FCB. Darüber hinaus absolvieren die Bayern ihre Wintervorbereitung regelmäßig in Doha.

Sieg für die Fans: Bayern zu Hause nur noch in Rot und Weiß

Doch die Kooperation ist nach wie vor umstritten. "Ich wünsche mir irgendwann in naher oder ferner Zukunft, dass der FC Bayern ein Land für sein Wintertrainingslager findet, in dem nicht nur das Wetter warm und die Trainingsbedingungen gut sind, sondern auch die Menschenrechte geachtet werden", sagte Autor und Blogger Christian Nandelstädt auf der Jahreshauptversammlung 2016.

In einem Beitrag der WDR-Sendung "sport inside" berichtete er von einem Gespräch mit Hoeneß direkt im Anschluss an seine damalige Rede. "Er ist der Meinung, dort nicht hinzufahren und das zu boykottieren, würde an der Situation vor Ort nichts ändern. Deswegen hält er es für den richtigen Weg, hinzufahren und vor Ort die Dinge anzusprechen", sagte Nandelstädt. "Doch so lange das nicht an die Öffentlichkeit gerät und man nicht erfährt, was dort angesprochen und ob dort irgendwas angesprochen wird, fehlt mir da die letzte Glaubwürdigkeit."

- Angebliche Super-League-Pläne

Basierend auf den sogenannten Football Leaks hatte das Nachrichtenmagazin Der Spiegel Anfang November von Plänen einer europäischen Super League berichtet. Der FC Bayern wurde dabei als treibende Kraft genannt, Rummenigge dem Verrat an den mittleren und kleineren Vereinen der Europäischen Kluborganisation ECA, der er vorsitzt, bezichtigt

Die Fans der Bayern hatten sich im Anschluss daran klar gegen solche Pläne positioniert. "Wir stehen zur Bundesliga - Superliga ohne uns", stand während des folgenden Heimspiels der Münchner gegen den SC Freiburg auf einem Banner in der Südkurve.

Es sei seit Langem bekannt, "dass mehrere europäische Klubs eine Anfrage zur Super League hatten", erklärte Rummenigge Anfang November bei Sky. "Fakt ist, dass kein europäischer Klub sich dem Thema Super League jemals genähert hat."

Offiziell ist das Thema damit abgehakt, dass sich der Vorstandsvorsitzende aber auch dazu auf der JHV Nachfragen der Mitglieder stellen muss, ist nicht auszuschließen.

- Personalpolitik der Bayern

Im Sommer verzichteten die Münchner bewusst auf große, kostspielige Transfers, obwohl langjährige Leistungsträger wie Arjen Robben und Franck Ribery nicht jünger werden. Naiv, so die Meinung vieler Fans, die sich seit geraumer Zeit einen Umbruch wünschen. 

Auch aufgrund von Verletzungen stieß Trainer Kovac mit seinem Kader dann auch früh an Grenzen. Gegen Benfica saßen in Jonathan Meier, Woo-Yeong Jeong und Meritan Shabani gleich drei Spieler aus der U23 auf der Bank.

Hoeneß kündigte zuletzt an, im kommenden Sommer "das Gesicht der Mannschaft" verändern zu wollen. Wie das aussehen soll, dürfte auch die Mitglieder am Freitag interessieren.

 

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