"Stand jetzt" - Kovac witzelt bei Transferfrage über sich selbst
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München - Niko Kovac will, dass sich die Bayern einspielen und erklärt die Rotation für beendet. Für Stars wie Mats Hummels bleibt vorerst nur die Bank. Das birgt Konfliktpotenzial.

Rotation war gestern. Ab sofort will Niko Kovac beim FC Bayern nur noch nach Leistung aufstellen.

"Rotation wird nur stattfinden, wenn jemand verletzt ist. Für diejenigen, die hinten dran sind, ist das nicht angenehm, aber so ist das Geschäft", sagte der Trainer am Freitag. "Jeder muss damit klar kommen. Es ist auch egal, wer es ist."

Eine deutliche Ansage an die Stars - vor allem jene, die derzeit nur Reservisten sind. 

Damit überstimmt sich Kovac im Grunde selbst. Noch zu Saisonbeginn setzte der Kroate auf massive Personal-Rochaden, um jedem Spieler Wertschätzung zu beweisen und so die Stimmung hochzuhalten. Der Plan ging nicht auf.

In der Hochphase seiner Rotation geriet Bayern sportlich aus dem Tritt. 

Vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg (Bundesliga: FC Bayern München - 1. FC Nürnberg ab 15.30 Uhr im LIVETICKER) verkündete Kovac jetzt: "Ich habe meine erste Elf."

Eine Kurskorrektur, die der Coach nach dem desaströsen 3:3 gegen Düsseldorf einleitete. Die Siege gegen Benfica Lissabon (5:1) und Werder Bremen (2:1) haben ihn bestätigt. 

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Aus der Maßnahme des Trainers ergeben sich zwangsläufig Nutznießer - und solche, die durch Kovac' Entscheidung zunächst wohl erstmal einen Stammplatz auf der Bank haben werden. Letzteres birgt Konfliktpotenzial.  

Kovac zur Innenverteidigung: "Werde nicht wechseln"

Bei Mats Hummels etwa, der in den vergangenen beiden Spielen krankheitsbedingt passen musste, nun aber wieder zurück ist. Dennoch wird er auch im Derby gegen die Franken nicht von Beginn an auflaufen.

Goretzka: Mein Offensiv-Spiel leidet ein bisschen

"Die Mannschaft hat die letzten beiden Male stark gespielt, deshalb werde ich da auch nicht wechseln", verriet Kovac.

Heißt: In der Innenverteidigung sind Niklas Süle und Jerome Boateng vorerst gesetzt. Für Hummels kommt erschwerend zu, dass ihm und Kovac nicht das beste Verhältnis nachgesagt wird. Hummels wird sich also gewaltig strecken müssen, um wieder in die Startelf zurückkehren zu können.

Auch Javi Martinez zählt zu den Verlierern des Rotationsstopps. 

Joshua Kimmich und Leon Goretzka haben zuletzt als Duo auf der Doppelsechs überzeugt - nicht nur Kovac. "Das werden wir erstmal beibehalten, weil sich die Mannschaft damit auch sehr wohl fühlt - und uns das defensive Stabilität verleiht“, sagte der Trainer.

Sanches wieder außen vor

Der Vorteil von Kimmich und Goretzka: Beide spielten auf dieser Position bereits in der U21 zusammen und ergänzen sich nun auch bei den Bayern immer besser. "Der Trainer hat uns mitgegeben, dort für Ordnung zu sorgen und wieder in die defensive Kompaktheit zu kommen" sagte Goretzkazu SPORT1.

Kimmich wurde seinerzeit auch wegen der Verletzung von Thiago von hinten rechts ins Zentrum versetzt. Der Spanier ist nun zurück und wird zeitnah wieder in die Startelf drängen. Rechnet man das hoch, ist Martinez momentan nur noch vierte Wahl.

Neben Hummels ist er das zweite große Opfer von Kovac' Rückkehr zum 4-2-3-1-System.

Irgendwann, sagte Kovac am Freitag, sei es "zu einem Bruch" im Bayern-Spiel gekommen, "und wir haben uns Gedanken gemacht, woran es liegt. Gerade die Taktik haben wir verändert. Als Resultat haben wir die letzten beiden Spiele deutlich besser bestritten, vor allem defensiv."

Was gut für die Mannschaft ist, ist wiederum schlecht für Renato Sanches. Der Portugiese ist einmal mehr außen vor, nachdem ihn Kovac bis vor kurzem noch regelmäßige Einsätze zugestanden hatte. Als defensiver Mittelfeldspieler eignet sich Sanches nicht so sehr wie im zentralen Mittelfeld. Diese Position ist nun aber gänzlich weggefallen.

Wohin mit James?

Spannend wird zu sehen sein, welche Rolle Kovac für James Rodriguez einplant. Der Kolumbianer will nach seinem Außenbandrisses im Knie in "ein bis zwei Wochen" wieder im Mannschaftstraining sein. Bis dahin, will sich aber auch Thomas Müller weiter als freies Radikal auf der neu geschaffenen Position des Zehners profilieren.

Müller spielte auf dieser Position zuletzt stark und effektiv. James ist hingegen seit Wochen unzufrieden, weil er für sich zu wenig Spielzeit feststellt.

Während sich der 27-Jährige jedoch im vorigen System schwer tat, könnte ihm das neue Kovac-System zugutekommen, denn James hat seine Stärken im offensiven Mittelfeld. Von einer hinter ihm aufräumenden Doppelsechs könnte er deutlich profitieren – wie Müller.

Wagner schließt Wechsel nicht aus

Auch Sandro Wagner schiebt weiterhin Frust. Im Training ist der Sturm-Backup stets fleißig, kommt unter Kovac aber kaum auf Spielzeit.

Nach SPORT1-Informationen schließt Wagner einen Wechsel nicht aus, will jedoch nichts überstürzen. An Interessenten mangelt es nicht: Mehrere Vereine aus England und der Bundesliga sollen Interesse haben.

Unzufriedene Bayern-Stars sind für Kovac nicht neu. Der Unterschied zu den Vorwochen aber ist, dass sich der Trainer nach etlichen Aussprachen der Rückendeckung seiner Bosse hat und Führungsspieler sicher sein kann. 

Der Rotationsstopp kann auch Kovac' Standing positiv verändern.

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