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München und Frankfurt am Main - Mit sechs Punkten Rückstand auf den BVB verabschiedet sich der FC Bayern in einen kurzen Winterurlaub. Der Optimismus ist groß, doch noch Meister zu werden.

Nein, weiterspielen will Thomas Müller trotz einer Serie von zuletzt fünf Bundesliga-Siegen in Folge vorerst nicht. (Service: Ergebnisse und Spielplan)

"Jetzt machen wir erstmal Pause, erholen uns alle und dann sehen wir uns im neuen Jahr", sagte der Ur-Bayer in klassischer Müller-Manier am Samstagabend.

Durchatmen ist in München angesagt. Vor allem, weil mit dem 3:0-Sieg bei Eintracht Frankfurt eine Hinrunde endet, die es für die Bayern in sich hatte. Furioser Saisonauftakt, Krise, Wut-PK der Bayern-Bosse, Kritik an Trainer Niko Kovac, Maulwurf-Affäre, Buhrufe auf der Jahreshauptversammlung für Präsident Uli Hoeneß - die vergangenen sechs Monate hätten facettenreicher kaum sein können.

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Umso wichtiger für die Münchner ist jedoch, dass sie einen positiven Jahresabschluss hingelegt haben und im Kampf um die Deutsche Meisterschaft wieder Lunte riechen.

"Das 3:0 war das richtige Zeichen zur richtigen Zeit", betonte Müller und schickte einen selbstbewussten Gruß in Richtung Dortmund: "Aufgrund der Serie der letzten Wochen sind wir voller Hoffnung und Vorfreude auf die Rückrunde. Wir hoffen schon, dass wir da nochmal richtig rankommen können. Es macht Spaß, wieder in Schlagweite zu sein."

Bayern trainieren in Katar

Wiedersehen werden sich die Bayern nach dem Weihnachtsurlaub erst wieder am 4. Januar. Dann fliegt der FCB-Tross für sechs Tage ins 25 Grad warme Trainingslager nach Doha. Am 13. Januar nehmen die Bayern am Telekom-Cup in Düsseldorf teil, bevor fünf Tage später die Rückrunde mit dem Bayern-Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim eröffnet wird.

Spätestens dann beginnt die Jagd auf Dortmund. Die Bayern sind nach Jahren der Dominanz mal wieder in der Verfolgerrolle. Ein Umstand, dem Kovac sogar etwas Positives abgewinnen kann. "Vielleicht brauchen wir das mal, dass wir von hinten schieben. Man sieht, dass sich die Mannschaft findet", sagte der Trainer.

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Auch seine Spieler haben den siebten Meistertitel in Folge noch nicht abgeschrieben. "Wir haben die Verfolgerrolle angenommen und müssen natürlich auch auf Dortmund hoffen, dass sie ein bisschen straucheln", erklärte Niklas Süle.

Der Innenverteidiger machte aber deutlich: "Wir als Bayern München haben die Qualität, um in der Rückrunde noch was Großes zu erreichen. Wir sind noch in allen drei Wettbewerben am Start und werden versuchen, so viele Titel zu holen, wie es nur geht." 

Wird der FCB dem BVB noch einmal gefährlich?

Tatsächlich spricht vieles dafür, dass die Bayern dem stark aufspielenden Tabellenführer in der Rückrunde nochmal gefährlich werden.

Zum einen wird vor allem Sportdirektor Hasan Salihamidzic nicht müde zu betonen, dass Neuzugänge in der Winterpause möglich sind. Etwa der 22-jährige Defensiv-Allrounder Lucas Hernandez, der die Münchner aufgrund einer Ausstiegsklausel 85 Millionen Euro kosten würde.

Bereits in den Startlöchern steht das 18 Jahre alte Super-Talent Alphonso Davies, den die Münchner schon zuvor für zehn Millionen Euro aus Vancouver geholt hatten und der auf der offensiven Außenbahn eingeplant ist.

Was vor allem aber Hoffnung macht: Die Kovac-Elf hat sich nach einer Berg- und Talfahrt in der Hinrunde gefangen - nicht zuletzt aufgrund der Umstellung auf das altbewährte 4-2-3-1-System. Die Folge: Defensiv steht man deutlich kompakter (zuletzt viermal in Folge ohne Gegentor), offensiv ist man kreativer.

Kovac stellt System um

Zwar steht unter dem Strich mit nur 36 Punkten die schwächste Bayern-Hinrunde seit acht Jahren, aber die Münchner haben zuletzt auch erstmals in dieser Saison fünf Spiele in Folge gewonnen. Zudem ist man mit sieben Siegen das beste Auswärtsteam der Liga.

"Es sieht stabiler aus und wir kassieren weniger Gegentore. Wir haben was umgestellt, was scheinbar greift", erklärte Müller. 

Dass es einer weiteren Abkehr des Cheftrainers von seinen Anfangsideen bedurfte, ist nicht von der Hand zu weisen: Die Rotation wurde - offenbar nach freundlicher Empfehlung von Vereinsspitze und Führungsspielern - weitestgehend eingestellt. 

Kovac lenkte ein und verzichtete im weiteren Saisonverlauf zudem auf sein präferiertes System mit einem Sechser und zwei Achtern. Am 11. Spieltag gegen Dortmund (2:3) kehrte Kovac zum bei Bayern bewährten System mit einer Doppelsechs zurück. 

"Ein Schlüssel ist, dass Niko Kovac nicht beratungsresistent war. Er weiß, dass er noch etwas lernen muss. Aber: Er hat einen großen Schritt gemacht, was taktische Sachen anbelangt, aber auch im Umgang mit der Mannschaft", lobte ihn SPORT1-Experte Marcel Reif im CHECK24 Doppelpass.

Süle lobt Teamgeist

Ein weiteres Erfolgsrezept ist der Zusammenhalt in der Mannschaft. Drangen noch vor Wochen täglich Interna nach außen, herrscht seit geraumer Zeit Ruhe. Unzufriedene Spieler ordnen sich dem Teamgedanken unter und unterstützen die Mannschaft von der Bank aus.

"Die Mannschaft ist sehr, sehr eng beieinander. Das war letztes Jahr schon so, das ist dieses Jahr genauso. Ich hätte nie erwartet, dass es hier so familiär ist. Jeder hilft dem anderen. Das hätte ich als Außenstehender auch nicht gedacht", gab Süle zu und betonte: "Wir sind eine Truppe mit geilen Typen und zeigen das jetzt auch wieder. Wir spielen wieder besseren Fußball und haben uns da rausgekämpft."

Oder wie es Kovac zusammenfasste: "Wir sind wieder da."

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