In voller Länge: Bayerns Bosse rechnen ab
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München - Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge knöpfen sich in ihrer Schelte die Medien, Ex-Spieler und Experten vor. SPORT1 erklärt die Kernaussagen der Bayern-PK.

Die Abteilung Attacke lief am Freitagmittag an der Säbener Straße zur Hochform auf: Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Hasan Salihamidzic knöpften sich mit einem beispiellosen Rundumschlag die Presse, aber auch Ex-Spieler und TV-Experten vor.

Die Bosse des FC Bayern kündigten an, sich die ihrer Meinung nach "respektlose und widerliche" Berichterstattung nicht länger bieten zu lassen.

SPORT1 gibt einen Überblick über die angesprochenen Kritikpunkte (Service: Bayern-PK zum Nachlesen).

- Rummenigge verteidigt Weltmeister

Den ersten Teil seiner Rede widmet Rummenigge der Verteidigung des Weltmeister-Trios Manuel NeuerMats Hummels und Jerome Boateng. Dabei bemüht der Bayern-Boss nicht weniger als das Grundgesetz und zitiert Artikel 1: "Die Würde des Menschen ist unantastbar."

Rummenigge unterstellt einigen Medien und Experten, mit ihrer Berichterstattung gegen jenen Artikel zu verstoßen. "Ich weiß nicht, ob da für den Fußball eine eigene Gesetzgebung gilt oder sich diese von gewissen Medien erlaubt wird", sagt der Vorstandsvorsitzende.

Rummenigge in Rage: "Unverschämt! Polemisch! Respektlos!"

Vor allem die seiner Meinung nach unangebrachte Berichterstattung über den Bayern-Keeper bringt Rummenigge auf die Palme. "Was über Manuel Neuer zu lesen war, da fehlen mir die Worte. Er war viermal Welttorhüter. Ohne jegliche Übertreibung lässt das, was Manuel in den letzten Jahren als Spiel neu kreiert hat, keine zwei Meinungen zu."

Schützend stellt sich Rummenigge auch vor Hummels und Boateng. "Wenn ich über unsere Innenverteidiger von 'Altherrenfußball' lese, dann muss ich sagen: Geht's eigentlich noch!?", so Rummenigge. "Es scheint so, dass man sich über Würde und Anstand nicht mehr im Klaren ist."

- Kritik an Ex-Profis und Experten

Der Begriff "Altherrenfußballer" steht auf Rummenigges roter Liste. "Derjenige, der das kundgetan hat, sollte sich vielleicht mal über seine eigenen Leistungen Gedanken machen. Gerade wenn man sieht, dass man bei dem Klub auch noch mit einem 36-Jährigen (Naldo, d.Red.) um ein Jahr verlängert hat."

Der Gescholtene ist offensichtlich Olaf Thon, der jenen Terminus unlängst in einem Sky-Interview verwendet hatte. Thon, früher als Spieler auch beim FC Bayern unter Vertrag, hat einen repräsentativen Posten beim FC Schalke 04.  

Rummenigges Fazit: "Polemik scheint keine Grenzen mehr zu kennen. Das gilt für Medien und für Experten. Vor allem für Experten, die mal bei diesem Klub Fußball gespielt haben."

Damit dürfte Rummenigge auch Stefan Effenberg gemeint haben.

- Kovac-Rückendeckung? Salihamidzic redet Klartext

Namentlich erwähnt wird Effenberg, als Sportdirektor Hasan Salihamidzic für kurze Zeit das Wort ergreift. Effenberg hatte seinem früheren Teamkollegen vorgeworfen, er habe Trainer Niko Kovac nach dem 0:3 gegen Gladbach nicht den Rücken gestärkt.

"Mir wurde vorgeworfen, dass ich mich nicht öffentlich zu Niko Kovac gestellt habe", so Salihamidzic. "Dazu muss ich was klar stellen. Warum? Wir schätzen seine Arbeit. Wir müssen uns doch nicht öffentlich ein Küsschen geben. Das ist respektlos und unverschämt, was hier passiert", sagte Salihamidzic.

Der Sportdirektor erklärt die beiden gegensätzlichen Seiten des Geschäfts: "Effenberg ist beim TV, ich beim FC Bayern München. Eine Mannschaft wird nicht nach Symbolpolitik geführt." 

Vom Leistungsabfall nach dem starken Saisonstart sei der 41-Jährige selbst überrascht gewesen: "Aber da gehen wir entsprechend mit unseren Spielern um und sie selbst gehen selbstkritisch mit sich um. Das wird besser und wir werden wieder gewinnen. Aber die Arbeit eines ganzen Klubs sofort wieder infrage zu stellen, geht gar nicht. Ich war entsetzt, wie negativ und respektlos die Berichterstattung ausgefallen ist. Das hat unsere Mannschaft nicht verdient, wir werden uns dagegen wehren und ich werde sie verteidigen."

Hoeneß greift Bernat an: Hätte uns alleine fast die CL gekostet

- Hoeneß knöpft sich Bernat vor

Ein nicht unwesentlicher Punkt der Pressekonferenz handelt von der Kaderpolitik des Rekordmeisters. Im Mittelpunkt: Juan Bernat.

Hoeneß erwidert dabei Sky-Reporter Uli Köhlers Kritik, den Rechtsverteidiger zu Paris Saint-Germain ziehen gelassen zu haben.

"Als wir in Sevilla gespielt haben, war er alleine dafür verantwortlich, dass wir fast ausgeschieden wären. Und an dem Tag ist die Entscheidung gefällt worden, dass wir ihn abgeben, weil er uns fast die ganze Champions League gekostet hat", sagt Hoeneß. Bernat habe "einen Scheißdreck" gespielt.

Einerseits die polemische Berichterstattung gegen die eigenen Spieler zu geißeln, zum anderen aber Ex-Profis an den Pranger zu stellen: Hier misst Hoeneß mit zweierlei Maß.

Später bedauerte der Präsident auf SPORT1-Nachfrage auch in anderen Fällen seine Wortwahl. "Ich hätte nicht 'Dreck' sagen sollen, sondern 'Mist'", sagt Hoeneß zu seiner drastischen Kritik an Mesut Özils Spielweise in einem früheren Interview.

Und zu Karim Bellarabi, den Hoeneß nach dessen Foul an Rafinha heftig kritisiert hatte, ergänzt er: "Manchmal ist man unmittelbar nach einem Spiel ziemlich emotional und aufgeregt. Das gebe ich auch zu und da will ich mich auch gar nicht selbst strangulieren. Das Wort 'geisteskrank' hätte ich auch nicht sagen dürfen. Das war total übertrieben."

Doppelmoral? Hoeneß und Rummenigge rechtfertigen ihren Stil

- Rummenigge sieht nur noch "Medien-Deals"

Dem Vorstandsvorsitzenden geht vor allem die Berichterstattung der Boulevardmedien gegen den Strich, die seiner Ansicht nach nur auf den Moment der Bayern-Schwäche gewartet hätten.

"Es wird im Moment der Eindruck vermittelt, man will uns ein Stück herunterziehen, nachdem wir solange da oben geschwebt haben. Dieser Moment soll wunderbar genutzt werden, um den FC Bayern auf Normalmaß zu stutzen", so Rummenigge.

In diesem Zusammenhang setzte Hoeneß auch einen Seitenhieb gegen Michael Reschke, Sportvorstand des VfB Stuttgart und früherer Transferflüsterer der Bayern: Reschke hatte im August eine Debatte um die Einführung von Playoffs angeregt, um die Dominanz der Bayern in der Bundesliga zu brechen.

"Der schlaue Herr Reschke hat gesagt, man müsse wieder Playoffs einführen, um die Bundesliga spannender zu machen", giftete Hoeneß nun: "Würde mich sehr freuen, wenn er das jetzt im Moment auch wieder äußern würde."

Ein anderer Kritikpunkt von Rummenigge, den er an die Medien richtete: Es werde "nur noch zwischen Beratern und Verlagen gedealt, um Interna aus den Vereinen zu bekommen".

Für Rummenigge ist es sogar "das größte Problem in der deutschen Medienlandschaft: Gib du mir etwas, dann wirst du dafür gelobt. Das ist eine Unart, die hier in Deutschland langsam um sich greift".

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