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Doha - Im Trainingslager der Bayern ist der Kampf um die Stammpositionen in vollem Gange. SPORT1 gibt einen Überblick über die heißesten Duelle.

Plagten den FC Bayern in der Hinrunde noch etliche Verletzungssorgen, lichtet sich das Lazarett nun immer mehr. Der Kampf um die Startplätze ist im Wintertrainingslager in Doha daher in vollem Gange.

Lediglich Manuel Neuer im Tor, David Alaba und Joshua Kimmich auf den Außenverteidigerpositionen, sowie Thiago im Mittelfeld und Stürmer Robert Lewandowski können sich ihres Stammplatzes sicher sein. Brisant: Trainer Niko Kovac ließ durchblicken, dass die eingespielte und erfolgreiche Startelf der vergangenen Wochen einen "Vorsprung" habe, sich aber niemand seines Einsatzes sicher sein darf.

SPORT1 zeigt die heißesten Startelf-Duelle.

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Jerome Boateng vs. Mats Hummels

Niklas Süle ist unter Niko Kovac in der Innenverteidigung gesetzt. Der 23-Jährige bestritt allein 16 Bundesliga-Spiele in der Hinrunde. Um den Nebenplatz duellieren sich die beiden Weltmeister von 2014. Mit 71,4 Prozent gewonnener Duelle war Boateng bester Bundesliga-Zweikämpfer der Hinrunde, wirkte aber nicht immer sattelfest und leistete sich auch eklatante Fehler bei einigen Gegentoren - etwa bei Ajax Amsterdam (3:3).

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In vielen Trainingsformen in Doha lässt Kovac Boateng neben Süle trainieren. Ein möglicher Fingerzeig, dass Hummels vorerst auf die Bank muss.

Nicht auszuschließen ist nach SPORT1-Informationen, dass konkrete Wechselgedanken bei Hummels aufkommen, sollten die Bayern in der Innenverteidigung im Winter doch noch aktiv werden. Hummels selbst betrieb am Montag indes Eigenwerbung. Via Twitter teilte er mit, eine "kleine persönliche Vorrundenbilanz" gezogen zu haben.

Dabei verweist er unter anderem darauf, dass die Bayern bei seinen 15 Einsätzen in der Hinrunde zehn Mal gewannen und neun Mal ohne Gegentor blieben. Sein Schlusssatz: "Darf jeder für sich selbst interpretieren." Ob das reicht, um Kovac zu überzeugen? Boateng scheint momentan die Nase vorn zu haben.

Leon Goretzka vs. Javi Martinez

Der Neuzugang aus Schalke spielte zu Beginn seiner ersten Bayern-Saison im zentralen Mittelfeld. Goretzka profitierte davon, dass Kovac während der Ergebnis-Krise auf eine Doppelsechs umstellte, die Bayern dadurch sicherer wurden. Goretzka behauptete sich im defensiven Mittelfeld und avancierte dort zum Stammspieler. "Für das erste halbe Jahr in so einem großen Verein, war das schon in Ordnung. Es gibt aber noch Luft nach oben", sagt Goretzka.

Martinez hingegen war Leidtragender der gestoppten Rotation. Zum Ende der Hinrunde kam der 30-Jährige wenig bis kaum zum Einsatz. In den ersten Trainingstagen von Katar haute sich der Spanier sichtlich rein, bekam auch Lob von den Mitspielern und vom Trainer.

Kovac verriet, dass er auch in der Rückrunde auf eine Doppelsechs baut. Im Training ist zu sehen, dass diese wohl vorerst von Thiago und Goretzka gebildet wird. Für Martinez und Renato Sanches bleibt vorerst nur die Bank. Corentin Tolisso (Kreuzband- und Außenmeniskusriss im rechten Knie) könnte im März als weiterer Konkurrent dazustoßen.

Serge Gnabry vs. Arjen Robben

Gnabry gilt als einer der Gewinner der Hinrunde. In 20 Pflichtspielen erzielte der schnelle Nationalspieler vier Tore und lieferte vier Assists. Der 23-Jährige deutete an, dass er spätestens im Sommer vollends in die Fußstapfen von Robben treten kann, dessen Vertrag in München endet.

Große Sprüche klopft sein Nachfolger in spe aber nicht. "Am liebsten wäre es mir, wenn alle fit sind. Jeder kann einfach nur Gas geben. Wer spielt, entscheidet der Trainer", sagte Gnabry. In Doha ist er seit Samstag auch wieder im Mannschaftstraining dabei, nachdem ihn ein Muskelfaserriss im linken Oberschenkel zuletzt außer Gefecht setzte.

Robben (15 Pflichtspiele/5 Tore/2 Assists) hingegen schiebt in Katar bislang nur Einzelschichten. Seine Rückkehr zum Team ist noch nicht klar, ihm machen noch Oberschenkelprobleme zu schaffen. Wird Gnabry bis zum Rückrundenstart gegen Hoffenheim am 18. Januar (Bundesliga: TSG Hoffenheim - FC Bayern, 20.30 Uhr im LIVETICKER) topfit, sollte er auf der rechten Außenbahn in der Startelf stehen.

Franck Ribery vs. Kingsley Coman

Auf der linken Außenbahn duellieren sich die beiden Franzosen. Ribery zeigte vor allem zum Ende der Hinrunde, dass er - zumindest national - in topfittem Zustand noch immer den Unterschied ausmachen kann. Beim 3:0 gegen Frankfurt am 17. Spieltag traf der 35-Jährige doppelt.

Die Steak-Affäre um Ribery hat indes keinen Einfluss auf seine Einsätze. Für seine Verbalentgleisung bekam er lediglich eine Geldstrafe aufgebrummt. Coman deutete nach seiner langen Verletzung (Syndesmosebandriss im linken Sprunggelenk) zum Ende der Hinrunde schon wieder an, wie wertvoll er mit seiner Schnelligkeit und Technik für die Bayern sein kann. Der 22 Jahre alte Nationalspieler zieht in Doha bislang voll mit, braucht aber eine hundertprozentige Fitness.

Neuzugang Alphonso Davies lässt Kovac im Training ebenfalls oft über die linke Seite agieren. Der 18-jährige Kanadier braucht aber noch Zeit. Momentan sollte Ribery auf links gesetzt sein.

Thomas Müller vs. James Rodriguez

Der Kampf um die Zehner-Position ist einer der heißesten in Doha. Müller profitierte von der Umstellung auf ein 4-2-3-1 System, konnte sich fortan wieder als freies Radikal hinter Lewandowski bewegen. Unter Kovac ist der Ur-Bayer (seit 2000 im Verein) gesetzt.

Druck auf ihn macht nun James. Der Kolumbianer ist mit seiner Technik für diese Position eigentlich wie geschaffen und während sich Kovac in puncto James zurückhält ("Es liegt an jedem selbst, sich wieder in die Mannschaft reinzuspielen"), greift der kolumbianische Nationalspieler in Katar nach seinem auskurierten Außenbandteilriss im linken Knie wieder voll an ­- und trainiert stark. Bei einem Spiel elf gegen elf am Samstagvormittag spielte er von der Zehner-Position aus einen Traumpass auf Sandro Wagner, der für das B-Team den 1:0-Siegtreffer erzielte.

Fakt ist: Mit der erneuten Rolle als Teilzeitkraft, wie in der Hinrunde (Elf Pflichtspiele/drei Tore/zwei Assists), wird sich der 27-jährige nicht zufriedengeben.

Aktuell ist Müller auf dieser Position gesetzt, von einem Duell mit James will er aber nichts wissen. Müller betont sogar, dass er am liebsten zusammen mit ihm auf dem Platz steht: "Er spielt Pässe, die sonst keiner spielt."

Die Stunde von James könnte spätestens und ausgerechnet im Achtelfinal-Hinspiel gegen Liverpool in der Champions League schlagen. Müller fehlt dann wegen einer Rotsperre. Aber Vorsicht: Auch Goretzka teilte in Doha mit, gerne als Zehner aufzulaufen, sagte: "Ich würde mir die Position zutrauen. Sie gefällt mir."

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