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München - Die Trainerfrage sorgt in Düsseldorf in diesen Tagen für Wirbel. Fortuna-Idol Rudi Bommer springt seinem Freund Friedhelm Funkel zur Seite und kritisiert die Klub-Bosse.

An Tagen wie diesen kann sich Friedhelm Funkel nur wundern. Die Posse um seine Vertragsverlängerung würde der 65-Jährige gerne möglichst schnell aus seinem Gedächtnis streichen.

Es muss ihm vorgekommen sein wie ein vorgezogener Aprilscherz, als er am letzten Tag des Trainingslagers in Marbella erfuhr, dass sein Vertrag bei Fortuna Düsseldorf entgegen seines Wunsches nicht verlängert wird.

Das hätte den Renteneintritt spätestens zum Saisonende bedeutet. Die Bilder, auf denen Funkel deswegen mit den Tränen kämpft, dürften nicht nur die Düsseldorfer Fans gerührt haben. "An Tagen wie diesen haben wir noch ewig Zeit", singen Die Toten Hosen in ihrem Hit, der seit Jahren Fortunas Stadion-Hymne ist.

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Doch es dauerte nur wenige Stunden, bis Fortunas Boss Robert Schäfer und der neue Sportvorstand Lutz Pfannenstiel Funkel mitteilten, dass man gewillt sei, noch mal über alles zu reden.

Nach SPORT1-Informationen ist die Entscheidung, den Vertrag mit Funkel im Fall des Klassenerhaltes nun doch bis 2020 zu verlängern, bereits gefallen und soll in den nächsten Tagen verkündet werden. Dies bestätigte Schäfer im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1. "Das kriegen wir hin", zeigte sich der Vorstandsvorsitzende der Rheinländer zuversichtlich.  

Hickhack nicht lustig

Einer findet das ganze Hickhack gar nicht lustig. "So mit Friedhelm umzugehen, ist nicht in Ordnung. Er ist ein erfahrener Trainer, da wäre etwas mehr Respekt angebracht", sagt Rudi Bommer, aktuell Trainer beim Südwest-Regionalligisten Hessen Dreieich, im Gespräch mit SPORT1.

"Ich bin mit Friedhelm gut befreundet, und wir haben am Freitag nach der PK gleich telefoniert. Er war sehr traurig über die Entwicklung. Eine Trennung zum Sommer wäre das absolut falsche Signal an die Mannschaft und an das Umfeld gewesen." Funkel und Bommer kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit in Uerdingen von 1985 bis 1988.

"Ich war schon sehr verwundert, dass man mit ihm nicht mehr weitermachen wollte. Er hat großen Erfolg mit dem Verein", erklärt Bommer. "Der Klub hat auch nicht die Mittel wie manch anderer Klub. Friedhelm leistet wirklich großartige Arbeit. Es ist schwer, einen Verein von der 2. Liga in die Bundesliga zu führen und dort zu halten. Friedhelm schafft so etwas."

Die Fortuna hatte zuvor via Pressemitteilung kräftig zurückgerudert.

"Wir haben uns gestern Abend noch einmal zusammengesetzt, um in Ruhe über alles zu reden. Dabei ist uns bewusst geworden, dass zwei Dickköpfe zu sehr auf ihren Positionen beharrt haben. Das war ein Fehler. Im Interesse von Fortuna Düsseldorf werden wir gemeinsam diesen Fehler korrigieren", wurden Schäfer und Funkel unisono zitiert.

Bommer: "Wäre fatal"

"Jetzt zu sagen, dass es im Sommer nicht weitergehen soll, wäre fatal gewesen, weil jetzt die Weichen gestellt werden für den Sommer und die neue Spielzeit. Die Fortuna interessiert mich immer noch sehr und ich habe immer im Blick, was Friedhelm macht", meint Bommer, der zwischen 1976 und 1985 für die Rheinländer spielte.

Der 61-Jährige ist auf Funkels Seite, die Fans ebenfalls. Schon bei der Ankunft am Flughafen in Düsseldorf am Samstag wurde der beliebte Coach von rund 250 Fans mit "Funkel, Funkel"-Sprechchören begrüßt, sein Chef musste sich dagegen vereinzelte "Schäfer raus"-Rufe gefallen lassen.

Weitere Aktionen wurden für den Telekom-Cup am Sonntag (Sat1 überträgt ab 12.45 Uhr live, SPORT1 zeigt die Highlights des Turniers ab 21 Uhr im TV und informiert über alle Spiele im SPORT1-LIVETICKER) angekündigt. Es ist ordentlich Feuer unterm Dach. Den Bossen dürfte kein herzlicher Empfang bevorstehen. 

Auch, weil einige Anhänger nicht nachvollziehen können, dass Schäfer schon im vergangenen Herbst mit einem anderen Trainer verhandelt haben soll, wie österreichische Medien berichteten. Der Österreicher Damir Canadi, Coach von Atromitos Athen, war offenbar ein heißer Kandidat.

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Fans pro Funkel

Einige Fans hatten nun schon Online-Petitionen mit den Namen "Funkel soll bleiben - egal in welcher Liga" oder "ProFunkel" ins Leben gerufen, die bis Samstagmittag von jeweils mehr als 10.000 Personen unterzeichnet wurden. 

Hunderte Vereinsmitglieder sprachen sich zudem schon für eine außerordentliche Mitgliederversammlung aus. Mit dem Ziel, Schäfer und den gerade erst verpflichteten Pfannenstiel zu Fall zu bringen.

Dass es trotz der Rolle rückwärts zehn Prozent der etwas über 25.000 Fortuna-Mitglieder werden, die dieses Prozedere in Gang setzen könnten, gilt als sicher. In den sozialen Netzwerken kündigten viele Mitglieder schon ihren Vereinsaustritt an. 

Funkel versuchte am Samstag, die Wogen vor dem Telekom Cup zu glätten. "Ich bin nicht nachtragend", sagte der Routinier und lenkte ein: "Ich muss schon zugeben, auch ich war etwas dickköpfig. Ich habe natürlich jetzt eine gute Verhandlungsposition. Aber ich werde sie sicher nicht ausnutzen. Das kann ich versprechen."

Bommer kann bei alledem nur den Kopf schütteln. "Es ist schade, dass es so gelaufen ist. Aber wenn beide Seiten sich jetzt gefunden haben, ist das gut und das freut mich sehr. Friedhelm ist der richtige Trainer für Fortuna." Wie schnell sich die Dinge von einem Extrem ins andere verwandelt haben - an Tagen wie diesen kann sich Funkel einfach nur wundern.

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