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München - Der FC Bayern glänzt im Topspiel gegen den BVB mit Lufthoheit. Kein Zufall, wie ein Blick auf die Saison zeigt. Entscheidet der Kopf am Ende das Titelduell?

Als Javi Martínez am Samstagabend mit der rechten Innenseite den Ball durch das schwarz-gelbe Gewirr an Körpern ins lange Eck geschlenzt hatte, brach es aus ihm heraus.

Niko Kovac sprang ab, schien in der Luft zu stehen, ballte die Faust und schrie seine Anspannung in den Münchner Abendhimmel. "Air Kovac" flog durch die Allianz Arena.

"Früher hat es da einen Basketballer gehabt, der ist genauso hoch gesprungen...", sagte der Trainer des FC Bayern nach dem 5:0-Erfolg im Liga-Gipfel gegen den BVB.

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Er meinte Michael Jordan, hätte an diesem Abend aber auch einen seiner Schützlinge als Vergleichswert heranziehen können.

Bayern dominiert den BVB in der Luft

In den 90 Minuten zuvor war Mats Hummels in anderen Sphären durch den Strafraum des BVB gesegelt.

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 Nach zehn Minuten erzielte er nach einer Ecke von rechts durch Thiago per Kopf die Führung für die Bayern und hatte noch weitere Möglichkeiten, sich und sein Haupt in die Torschützenliste einzutragen.

Diesen Part übernahm noch vor der Pause der 1,75 Meter kleine Serge Gnabry, der nach einer Flanke von Thomas Müller völlig freistehend zum 4:0 einnickte.  

In den zwei direkten Duellen mit Bayern in dieser Saison hat sich der BVB vier Kopfballtore eingefangen. Bezeichnend - und womöglich entscheidend im Kampf um die Meisterschaft?

Während Bayern die Lufträume der Bundesliga kontrolliert, fungieren die Dortmunder gerade defensiv eher mit der Power von Modellflugzeugen.

Bayern torgefährlich mit dem Kopf

16 ihrer 74 Bundesliga-Tore hat Kovacs Mannschaft per Kopf erzielt (in der vergangenen Saison waren es wettbewerbsübergreifend 13). Mit Abstand der Bestwert in der Liga.

Der SC Freiburg folgt mit 10 Treffern, Dortmund kommt gerade mal auf sechs solcher Treffer.

Bayern mit Größe und Wucht

Kovac war unter anderem mit der Prämisse angetreten, die Standards beim deutschen Rekordmeister zu verbessern.

Was unter Pep Guardiola oder auch Carlo Ancelotti vernachlässigt wurde, steht jetzt wieder häufiger auf dem Trainingsplan. Ecken und Freistöße. Mit Erfolg.

Mit Joshua Kimmich, Thiago und James Rodriguez hat Bayerns Coach potente Standardschützen in seinen Reihen.

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Robert Lewandowski (1,85 Meter, 5 Tore), Leon Goretzka (1,89 Meter, zwei Tore), Niklas Süle (1,95 Meter), Martinez (1,92 Meter, 2 Tore) und Hummels  (1,91 Meter, 1 Tor) sind dank ihrer Größe eine doppelte Gefahr: Sie können Wege für die Kollegen freisperren und sind selbst dankbare direkte Abnehmer.

Elf Mal hat der Tabellenführer in dieser Saison bereits nach Ecken zugeschlagen - auch das ist Höchstwert in der Liga.

"Jeder Standard kann einen Unterschied machen. Im Freundschaftsspiel wie in der Champions League. Da muss man defensiv und offensiv gut vorbereitet sein", sagte Robben im Lauf der Saison.

BVB defensiv mit Problemen

Tatsächlich ist den Bayern auch im eigenen Strafraum in der Luft nur selten beizukommen. Lediglich zwei Gegentreffer per Kopf musste die Abwehr um Kapitän Manuel Neuer bisher schlucken.

Ein großer Unterschied zum BVB, der in der Luft bereits neun Mal (!) bezwungen wurde. Eklatant ist dabei die Schwäche nach ruhenden Bällen.

"Wir müssen uns viel cleverer verhalten. Auch wenn wir Raumdeckung spielen, ist jeder dafür verantwortlich, mit seinem Mann zu gehen", ärgerte sich Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung, nach der Partie gegen den VfB Stuttgart.

Sportdirektor Michael Zorc legte den Finger ebenfalls in die Wunde: "Wir müssen aktiv sein, wenn der Ball unterwegs ist. Du kannst nicht warten, bis der Ball zu dir kommt."

Vier Wochen ist das mittlerweile her. In den Griff bekommen hat der BVB das Problem offensichtlich noch nicht.  

Womöglich erlebt bei den kommenden Gegnern der Dortmunder ja nun das gute alte Kopfballpendel eine Renaissance.

Air Kovac würde Luftsprünge machen.

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