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München - Nach einer turbulenten Saison hat sich Mats Hummels beim FC Bayern zuletzt deutlich stabilisiert. Seine Zukunft in München ist jedoch fraglicher denn je.

Gibt man seinen Namen bei Google ein, erscheint nach kurzer Suche ein Link zu seiner Website. Darunter die einleitenden Agentur-Sätze: "Die Marke Mats Hummels? Ich möchte keine Marke sein, lieber ein Weltklasseverteidiger und eine starke Persönlichkeit."

Dass ausgerechnet der fünffache Deutsche Meister und Weltmeister von 2014 keine Marke sein will, überrascht. Der 30-Jährige hat sich im Laufe seiner Karriere zu einem deutschen Aushängeschild entwickelt und wirbt für weltweit bekannte Luxusmarken wie TAG Heuer und Boss.

Kurzum: Hummels ist sehr wohl eine Marke und eine starke Persönlichkeit sowieso, weil er selbstkritisch ist, Missstände anspricht und ein überproportionales Selbstbewusstsein ausstrahlt.

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Zuspruch von Nationalspielern

Deutlich mehr Diskussionen löst zuletzt jedoch die Frage aus, ob Hummels noch immer ein Weltklasseverteidiger ist.

Für Joachim Löw ist er das anscheinend nicht mehr. Dessen Entscheidung, ihn und seine Mannschaftskollegen Jérôme Boateng und Thomas Müller aus dem DFB-Team auszusortieren, hat Hummels persönlich verletzt. Nicht, weil er nicht selbstkritisch genug wäre, sich einzugestehen, wenn er von Löw aus Leistungsgründen kurzfristig nicht eingeladen worden wäre.

Hummels stört sich vor allem an der Endgültigkeit der Entscheidung und daran, dass seine Leistungen in der Nationalmannschaft und beim FC Bayern deutlich kritischer gesehen werden als er es selbst tut. "Seit der WM ist alles etwas komisch, da werden viele gute Sachen nicht gesehen und auf den schlechten rumgehackt", sagte Hummels bei Sky. "Ich muss deutlich sagen, dass da vieles anders gesehen wird, als ich es sehe. Vorzugsweise von den Medien." 

Nach SPORT1-Informationen gibt es viele Nationalspieler, die Hummels in seiner Meinung bestärken und vor allem dessen Ausbootung durch Löw nicht nachvollziehen können.

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Reif schwärmt von Hummels' Einstellung

Auch deshalb hat er mit dieser Entscheidung noch immer zu kämpfen, lässt sich aber nicht unterkriegen. Für ihn steht fest, dass er es nochmal allen zeigen will. Hummels wirke seitdem "so klar und fokussiert wie schon lange nicht mehr", stellte SPORT1-Experte Marcel Reif im CHECK24-Doppelpass fest.

Denn Hummels tut beim FC Bayern derzeit, was von ihm verlangt wird: Er bringt Leistung. In der Hierarchie der Innenverteidiger kletterte Hummels zuletzt wieder nach oben. Vor allem, weil er sich wieder stabilisierte, nachdem er bei einigen Einsätzen in dieser Saison Unsicherheiten zeigte ­­- wie seine Nebenleute aber auch.

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Trainer Niko Kovac beförderte Niklas Süle Mitte Januar zum Innenverteidiger Nummer eins und rief gleichzeitig einen Zweikampf zwischen Hummels und Boateng aus. Diesen hat Hummels für sich entschieden.

Von allen drei Innenverteidigern absolvierte Hummels zwar mit 1416 Spielminuten die wenigsten in der laufenden Bundesliga-Saison. Boateng kommt auf 1514, Niklas Süle auf 2112 Minuten. Hummels liegt mit 32 km/h Topspeed auch hinter seinen Konkurrenten.

Hummels zweikampfstark

Dafür gewann er bislang gute 66 Prozent seiner Zweikämpfe und gehört, wie Boateng und Süle, zu den zehn zweikampfstärksten Spielern der Bundesliga. Hummels beging zudem die wenigsten Fouls aller FCB-Innenverteidiger (sechs), gewann bislang die meisten Zweikämpfe am Boden (63,7 Prozent) und verfügt über ein gutes Aufbauspiel.

Kovac registriert das und setzte auch in den beiden wichtigen K.o.-Spielen gegen den FC Liverpool im Achtelfinale der Champions League auf ihn und zuletzt beim 5:0 gegen Borussia Dortmund. Mit starker Leistung und eigenem Treffer (SPORT1-Note 1) bewies er, noch immer abliefern zu können, wenn es drauf ankommt - wie schon beim 0:0 an der Anfield Road. Auch wenn er gegen Heidenheim (5:4) unnötig einen Elfmeter verschuldete. 

In der Führungsetage ist man indes unterschiedlicher Meinung über Hummels. Präsident Uli Hoeneß soll ihn kritischer sehen als Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge. Beide stärkten ihm nach dem DFB-Aus aber den Rücken. Dennoch planen sie mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic den Umbruch im Kader, der auch Hummels treffen könnte. 

Gutes Verhältnis zu Kovac

Wie plant der 30-Jährige nun seine Bayern-Zukunft? Nach SPORT1-Informationen ist für Hummels jede Option vorstellbar. Die eines Verbleibs in München, aber auch die eines Wechsels ins Ausland. Konkrete Gespräche zwischen ihm und den Bossen darüber, wie mit ihm über den Sommer hinaus geplant wird, hat es jedoch noch nicht gegeben.

Hummels wartet aber auf ein klares Signal der Bosse, denn auch er weiß: Die Bayern haben mit Benjamin Pavard (kommt für 35 Millionen Euro vom VfB Stuttgart) und Lucas Hernández (kommt für 80 Millionen Euro von Atlético Madrid) bereits zwei potenzielle Konkurrenten für die Innenverteidigung verpflichtet.

Ausland für Hummels ein Thema

Vertraglich ist Hummels noch bis 2021 an die Bayern gebunden, doch die europäischen Top-Klubs haben die Situation bei den Bayern längst im Blick und wissen, dass sich der Rekordmeister im Sommer auch von einigen Stars trennen will. Ausgeschlossen ist auch nicht, dass die Bayern sowohl Hummels als auch Boateng ziehen lassen.

Für Hummels sind die englische Premier League, die spanische Primera Division, aber auch Juventus Turin (Italien) und Paris Saint-Germain (Frankreich) interessante Adressen. Eine Rückkehr zu Borussia Dortmund ist nach SPORT1-Informationen kein Thema.

Für seinen Verbleib in München spricht, dass er sich mit seiner Frau Cathy und Sohn Ludwig enorm wohl fühlt. Hummels ist in der Mannschaft angesehen und auch sein Verhältnis zu Kovac hat sich nach SPORT1-Informationen in den vergangenen Wochen positiv entwickelt. Beide schätzen sich und kommunizieren deutlich mehr miteinander als es zu Krisenzeiten im vergangenen Herbst der Fall war.

Nur das Double zählt

Hinzu kommt: Hummels scheut den Konkurrenzkampf nicht und ist davon überzeugt, sich auch in der kommenden Saison in der Innenverteidigung der Bayern durchsetzen zu können, sofern alle Kontrahenten unter den gleichen Voraussetzungen und mit den gleichen Chancen in die Saison starten. Die Bank kommt für ihn dauerhaft nicht in Frage. 

Darauf saß er in der laufenden Bundesliga-Spielzeit aber bereits sieben Mal über 90 Minuten – erstmals in seiner Karriere. Bislang kommt Hummels auf 27 Pflichtspiel-Einsätze (zwei Tore, zwei Assists), aber nur auf 17 Einsätze in der Liga. Zu wenig für seine Ansprüche, aber für ihn kein Grund zu meckern. Denn sein oberstes Ziel, wie das seiner Mitspieler, ist der Gewinn des Doubles aus Meisterschaft und Pokal.

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