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Das Titelduell zwischen Bayern und dem BVB wird zum Krimi. Die FCB-Stars üben bereits Druck aus - auch mental. Für Körpersprache-Experte Stefan Verra ein gutes Zeichen.

Mit dem 5:0 hat der FC Bayern gegen Borussia Dortmund ein klares Zeichen gesetzt - den BVB vorgeführt und die Sieg-Forderung von Präsident Uli Hoeneß erfüllt.

Mit einem Punkt Vorsprung für die Münchner starten beide Mannschaften jetzt in den Meisterschafts-Endspurt.

SPORT1 fragte bei Joshua Kimmich nach: Welche Rolle spielt nun der Kopf im Titelduell? "Ich glaube, dass die Dortmunder anfangen werden, nachzudenken. Es ist schwierig, das Glück bis zum Ende zu erzwingen", antwortete der 24 Jahre alte Bayern-Allrounder. Seine Botschaft an die kommenden Gegner der Schwarz-Gelben: "Es ist wichtig für sie zu sehen, dass Dortmund verwundbar ist, wenn sie mutig auftreten."

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Am kommenden Spieltag treten die Bayern in Düsseldorf an. Danach warten Bremen (Heim), Nürnberg (Auswärts), Hannover (H), Leipzig (A) und Frankfurt (H). Dortmund empfängt am Samstag Mainz. Anschließend stehen Freiburg (A), Schalke (H), Bremen (A), Düsseldorf (H) und Gladbach (A) auf dem Programm.

"Die Auswärtsspiele in Düsseldorf und in Nürnberg werden alles andere als ein Zuckerschlecken", warnt FCB-Stürmer Thomas Müller. Beide Titelanwärter wissen: Gegen die vermeintlich kleinen Gegner sind wir verwundbar.

Die Bayern ließen Punkte gegen Augsburg (1:1), Düsseldorf (3:3) und zweimal gegen Freiburg (1:1) liegen. Dortmund strauchelte gegen Hannover (0:0), Düsseldorf (1:2), Nürnberg (0:0) und Augsburg (1:2).

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Effenberg fordert Sammers Einfluss beim BVB

"Die Saison hat gezeigt, dass diese Spiele für uns deutlich schwieriger sind", so Kimmich. Auch ein Grund: Die Gegner stehen oft tief und lauern auf Konter. Seine Forderung: "In solchen Spielen muss man es schaffen, auch 100 Prozent konzentriert zu sein. Wir haben alle ein Ziel vor Augen."

Im CHECK24 Doppelpass rät SPORT1-Experte Stefan Effenberg den Dortmundern hingegen, sich nicht einschüchtern zu lassen: "An ihrer Stelle würde ich nach vorne schauen und ich erwarte von Matthias Sammer (Externer Berater, d. Red.), dass er auch Einfluss nimmt. Dafür ist er da. Die Frage ist, ob Lucien Favre das zulässt."

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Auffällig beim BVB: Dem Tabellenzweiten fehlt in der Rückrunde (sechs Siege, drei Remis, zwei Niederlagen) die Leichtigkeit, die ihn noch in der Hinrunde ausgezeichnet hat. Gegen die Bayern patzten vor allem die Jungen - wie Dan-Axel Zagadou und Manuel Akanji. Auch Jadon Sancho tauchte ab. Schmälern soll das ihre insgesamt starke Saisonleistung aber nicht.

Die Frage jedoch ist: Kann einer der jüngsten Kader der Liga (Durchschnittsalter der BVB-Startelf gegen Bayern: 25,4 Jahre und 1054 Bundesliga-Spiele vor Anpfiff) nochmal Druck auf den ältesten Kader (Startelf gegen den BVB war im Schnitt zwei Jahre älter und hatte 2149 Spiele auf dem Buckel) machen - oder erholt man sich vom 0:5-Debakel nicht mehr?

Körpersprache-Experte: "Trainer sind die Leithammel"

Für den Experten wird der Anschein der Coolness entscheidend sein, und hierbei wiederum die Erfahrung: "Wer so eine Situation, wie den knappen Kampf um den Titel, schon mehrfach durchgemacht hat, dessen Gehirn erkennt die Situation nicht mehr als neu, sondern kann auf Erinnerungen zurückgreifen. Das löst weniger Stresssignale aus, was wiederum eine gelöstere, entspanntere Körpersprache zur Folge hat", erklärt Körpersprache-Experte Stefan Verra im Gespräch mit SPORT1. Die Folge: "Das wirkt überlegen und verstärkt beim Gestressten das Unterlegenheitsgefühl." 

Im Sport kommt laut Verra ein weiterer Faktor hinzu. "Menschen nehmen unterbewusst wahr, wenn der Cortisolspiegel (Stresshormon, d. Red.) beim Gegenüber hoch ist. Somit wird dieser Mensch eher als unterlegen eingeordnet. Das kann ein entscheidender Vorteil im Titelrennen sein."

Für den Experten steht zudem fest: Das Psycho-Duell wird auch von den Trainern ausgetragen – Niko Kovac und Lucien Favre. "Sie sind die Leithammel. Sie sind die, die den Spielern zu verstehen geben, wie sie mit der Situation umzugehen haben. Aber eben nicht mit den Worten", sagt Verra. "Nur an der Körpersprache erkennen die Spieler, ob der Boss wirklich so cool ist, wie seine Worte es sagen."

Müller lobt "Energieleistung"

Einer, der mit einer guten Körpersprache stets vorangeht, ist Kimmich. "Die Psyche ist immer entscheidend im Fußball. Dass wir in der Theorie mehr Qualität haben als die meisten Gegner, ist so. Diese Qualität müssen wir aber auf den Platz bringen. Das ist dann am Ende Kopfsache", sagt der Nationalspieler und fordert selbstbewusst: "Auf der einen Seite hast du Druck, auf der anderen ein riesen Ziel vor Augen, das dich mental anspornt. Da muss man die Vorfreude und die Gier merken, dass wir das gewinnen wollen und nicht die Angst, das abzugeben."

Vorteil Bayern: Sie haben sich eine Ausgangssituation geschaffen, die sie nun auch mental beflügelt. "Es ist völlig klar, dass sich die Waage wieder zu Seiten der Bayern geneigt hat. Wir sind davon abhängig, dass Bayern einen Fehler macht", so Hans-Joachim Watzke bei Sky. Der Geschäftsführer des BVB prophezeit aber: "Einer von beiden wird nicht alle sechs Spiele gewinnen."

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Vorteil Dortmund: Die Favre-Elf hat nichts zu verlieren, zeigte mehr als einmal, dass sie im Titelduell jederzeit zurückkommen kann - Bayern aber auch. "Für uns ist es jetzt ganz wichtig, dass wir das Heft des Handelns in der eigenen Hand haben", stellt Thomas Müller klar, der den furiosen Sieg als "unglaubliche Energieleistung" bezeichnete.

Auch der Ur-Bayer weiß, welche entscheidende Rolle fortan auch der Kopf spielt. "Die Psyche spielt bei jedem Menschen und Sportler jeden Tag aufs Neue eine riesen Rolle", so der 29-Jährige auf SPORT1-Nachfrage. "Wir wollen das positive Erlebnis mitnehmen, aber die nächsten sechs Spiele werden ein harter Fight."

Für Bayern und für Dortmund.

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