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München - Leon Goretzka konnte in seiner ersten Saison beim FC Bayern bislang überzeugen und wird im Saisonendspurt eine wichtige Rolle einnehmen. Niko Kovac schwärmt in höchsten Tönen.

Es gibt Tage an der Säbener Straße, an denen bis zu 100 Fans darauf warten, dass einer der Bayern-Stars mit einer Nobelkarosse aus der Tiefgarage fährt. Fast unbemerkt kann Leon Goretzka solche Momente nutzen, um mit seinem Mountainbike nahezu unbemerkt in seine Wohnung in Nähe der Innenstadt zu radeln.

Für den 24-Jährigen ist das nichts Außergewöhnliches, denn Ruhrpottkind Goretzka hat es in seinem ersten Jahr in München geschafft, nahbar und bodenständig zu bleiben. Eine Eigenschaft, welche Niko Kovac am Mittelfeld-Strategen schätzt.

"Er ist ein toller Mensch und hat einen tollen Charakter. Er ist auf dem Teppich geblieben und stellt sich in den Dienst der Mannschaft. Sein eigenes Ich stellt er nie in den Vordergrund. Das ist sehr wichtig im Mannschaftssport", erklärt der Bayern-Trainer auf SPORT1-Nachfrage.

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Goretzka und Kovac – das passt bislang. Zwar steht der gebürtige Bochumer nicht immer in der Startelf, aber Goretzkas Einsatz kann sich Kovac immer sicher sein. 40 Pflichtspiele absolvierte er bislang in seiner ersten Bayern-Saison, erzielte dabei neun Tore und gab sieben Assists. In der laufenden Bundesliga-Spielzeit bestritt er laut transfermarkt.de 66 Prozent der insgesamt möglichen Einsatzminuten. Ein starker Wert gemessen am glänzend besetzten Mittelfeld der Münchner.

Im Saisonendspurt dürften aller Voraussicht nach noch weitere Minuten dazukommen. Da Javi Martínez wegen einer Schienbeinprellung am Samstag bei RB Leipzig fehlen wird, hat Goretzka beste Chancen, wie schon zuletzt gegen Hannover 96 (3:1) und Nürnberg (1:1) in der Startelf zu stehen.

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"Wann immer er gespielt hat, hat er gute bis sehr gute Leistungen gezeigt. Klar gab es mal eine Phase wo er nicht von Beginn an gespielt hat, aber er kam auch immer wieder rein. Nicht, weil er ein netter Mensch ist, sondern weil er ein sehr guter Fußballer ist und er das auch in dieser Saison bewiesen hat", lobt ihn Kovac.

"Er hat sich sehr gemacht"

Der Lohn: Goretzka (Vertrag bis 2022) hat bereits acht Bundesliga-Tore in dieser Saison erzielt ­­– so viele wie noch nie. Nur Robert Lewandowski (22) und Serge Gnabry (10) trafen in der Liga häufiger. In seinen vorherigen fünf Spielzeiten in der ersten Liga gelangen ihm insgesamt 14 Tore. Goretzka schaffte übrigens ein eigens gestecktes Ziel. In der Rückrunde wolle er torgefährlicher werden, sagte er vor wenigen Monaten. Der Plan ging auf. In der Hinrunde traf er zwei Mal, in der Rückrunde bislang sechs Mal.

"Leon hat eine sehr gute Entwicklung genommen", sagt Kovac über den Neuzugang aus Schalke. "Er kam durch eine kleine Tür hierher und war nicht der, der als großer Superstar empfangen wurde. Er hat sich sehr gemacht."

Was Goretzka für die Bayern vor allem so wertvoll macht, ist nicht nur seine "brutale Dynamik" (Joshua Kimmich), sondern auch seine Effektivität und Torgefährlichkeit. Der Mittelfeld-Schlacks besitzt die Fähigkeit, sich immer wieder entscheidend mit in die Offensive einzuschalten.

Goretzka ist zudem sehr präsent im gegnerischen Strafraum, dazu stark mit dem Fuß und dem Kopf. Sein Offensivdrang jedoch geht oftmals zu Lasten der Defensive, weshalb sich Kovac in den vergangenen Wochen öfter für den defensiver orientierten Martínez entschied, um Löcher zu stopfen.

Kovac spürt sein Vertrauen

Goretzka hat das registriert und arbeitet daher an seinen Schwächen. Selbstkritisch und reflektiert zu sein, ist ohnehin eine seiner Stärken. Auch deshalb macht er nicht mehr jeden Weg mit in die Offensive und bemüht sich, die Mitte dichtzuhalten, wenn es von ihm gefordert wird. Kovac registriert das ebenfalls.

"Er geht in die Tiefe, aber arbeitet auch defensiv für die Mannschaft. Das braucht man auf dieser Position. Ich bin sehr froh, dass ich ihn habe. Er spürt mein Vertrauen und ich spüre seins. Hoffentlich performt er in den nächsten drei Spielen genauso, wie zuvor."

Auf dem Restprogramm für den Rekordmeister stehen in der Liga Leipzig und Frankfurt, sowie das Pokalfinale in Berlin – erneut gegen RB. Zwei Titel, die Goretzka noch nicht in seinem Trophäen-Schrank stehen hat – und für das Fahrrad zu schwer sein dürften. 

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