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München - Vor dem Titel-Endspiel gegen Eintracht Frankfurt gibt Niko Kovac Einblick in sein Seelenleben und lässt aufhorchen. Aber an wen richtet sich sein Appell?

Davon, dass auf Niko Kovac dieser Tage eine Menge Druck lastet, war am Donnerstag gegen 13.30 Uhr noch nicht viel zu sehen.

Locker und höflich wie immer nahm der 47-Jährige seinen Platz im Pressekonferenz-Raum an der Säbener Straße ein. Kovac grüßte die anwesenden Reporter und lächelte.

Die sportliche Botschaft: Gegen Eintracht Frankfurt spielt der FC Bayern nur auf Sieg (Bundesliga: FC Bayern - Eintracht Frankfurt, Samstag 15.30 Uhr im LIVETICKER), um den siebten Meistertitel in Folge klarzumachen. Dass Franck Ribéry und Arjen Robben im "Endspiel" (Kovac) in der Startelf stehen, ist eher unwahrscheinlich.

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Wenig später aber wurde der Bayern-Trainer tiefgründiger, als es vor allem um Fragen nach seinem Gemütszustand und seiner Zukunft ging.

Kovac zieht Bilanz und lässt aufhorchen

"Es war sehr aufschlussreich und sehr lehrreich", bilanzierte Kovac seine ersten elf Monate als Bayern-Trainer. "Ich habe viel mitbekommen und gemerkt, wie schwer es ist, Mensch zu bleiben. Der Mensch ist schon eine sehr, sehr schwierige Spezies."

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Nicht zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt in München wählte Kovac Worte, die über das rein Sportliche hinausgehen. Was genau der Kroate mit diesen Sätzen meint, darüber lässt sich nur spekulieren. Er selbst gilt als prinzipientreu und ehrlich. Kovac verzeiht Fehler, reicht die Hand, ist nicht engstirnig - was er unter anderem bewies, als er in der Herbst-Krise auf die Bitte seiner Bosse nach weniger Rotation einging.

Der bisherige Saisonverlauf und die teils interne und externe Kritik an seiner Person sind aber auch an ihm nicht spurlos vorbeigegangen. Öffentlich jedoch blieb Kovac bislang stets gelassen, auch wenn er sich nach seinem Wechsel aus Frankfurt auf das andere mediale Umfeld im München einstellen musste. Dennoch stellte sich Kovac selbst schwierigsten Fragen nach seiner Zukunft, blieb dabei stets höflich, wurde nie patzig oder respektlos.

Kovac scheint derzeit aber auch zu spüren, dass bei weitem nicht klar ist, wie es mit ihm in München weitergeht.

Bayern-Bosse vermeiden Bekenntnis zu Kovac

Weder Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge noch Sportdirektor Hasan Salihamidzic gaben ihrem Trainer für die kommende Saison eine Job-Garantie.

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Kovac indes lässt keine Zweifel an seiner Bayern-Zukunft aufkommen: "Ich habe einen Vertrag, der noch zwei Jahre geht. Den möchte ich gerne erfüllen. Darauf freue ich mich."

Über alles andere wolle er sich derzeit keine Gedanken machen. "Für mich ist das Jetzt entscheidend. Ich will mit meiner Mannschaft und meinem Klub Meister werden."

Kovac muss Bayern-Bosse überzeugen

Kovac weiß ebenso, dass nicht nur Titel von ihm erwartet werden. Der Ex-Profi muss die Bosse auch davon überzeugen, dass er den im Sommer fälligen Umbruch erfolgreich umsetzen und die Mannschaft entwickeln kann.

Stefan Effenberg brach zuletzt in dieser Hinsicht eine Lanze für den Coach. "Niko Kovac leistet für mich in einer schwierigen Umbruchsphase richtig, richtig gute Arbeit - ich kann nicht nachvollziehen, dass er permanent in der Kritik der Medien steht. Und auch nicht, dass es in dieser Situation keinen positiven Ausspruch von Karl-Heinz Rummenigge in Richtung von Kovac gibt - zumindest keinen, an den ich mich erinnern kann", schrieb Effenberg in seiner SPORT1-Kolumne. Experten-Kollege Marcel Reif zeigte sich ähnlich verwundert.

Kovac sagt über seine Position: "Was kommt, kommt. Ich kann und will es mit guter Leistung und Titeln beeinflussen. Wenn es irgendwann aber mal anders ist, dann ist das so. Ich habe mir in meinem Leben alles erkämpfen müssen und nie aufgegeben. Das wird es bei mir auch nie geben."

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Mit anderen Worten: Einen Rücktritt schließt Kovac aus.

Kovac, der nach eigener Aussage keine Nachrichten über seine Mannschaft und sich verfolgt, scheint die Beurteilung seines Tuns und das der Mannschaft jedoch kritisch zu sehen.

Appell für mehr Menschlichkeit

Allgemein plädierte er (nicht zum ersten Mal in den vergangenen Wochen) für mehr Menschlichkeit: "So, wie ich jemanden behandele, möchte ich auch behandelt werden. Wir müssen lernen, dass unsere Welt besser werden muss. Man kann kritisch sein, aber alles muss ein gewisses Niveau haben. Wir müssen den Menschen mehr sehen und nicht immer nur draufhauen."

Eine Kovac-Botschaft, die viel aussagt über den Menschen hinter dem Trainer. Über seine Arbeit mit dem Team fordert er indes: "Man muss bei einer Beurteilung alles berücksichtigen. Zum einen die Titel und wie die Entwicklung der Mannschaft ist. Wir werden in einen Umbruch kommen. Die Entwicklung in der Mannschaft stimmt und wenn man das mit berücksichtigt, kann man sagen, dass wir auf einem guten Weg sind."

Den Beweis kann er mit dem Double erbringen.

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