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München - Der Rekord für die meisten Tore nach Einwechslung ist bereits gefallen. Zufall oder Kalkül? Entscheiden die Joker sogar das Titelrennen zwischen FCB und BVB?

"Unser Kader ist groß, wir werden jeden Spieler brauchen." - So oder so ähnlich wird seit Jahren ein Großteil aller Personalentscheidungen von beinahe sämtlichen Bundesliga-Trainern kommentiert.

Und von Fans und Medien gerne schnell als substanzlose Floskel abgetan. Dabei besaß diese Aussage noch nie mehr Wahrheitsgehalt als in der aktuellen Spielzeit.

Beispiel gefällig? Am 30. Spieltag beim Spiel des VfL Wolfsburg gegen die Frankfurter Eintracht erzielte Jonathan de Guzmán das insgesamt 124. Jokertor der diesjährigen Saison – gleichbedeutend mit der Einstellung des Bundesliga-Rekords für Tore nach Einwechslungen. Zu Beginn des 31. Spieltages sorgte dann Jean-Philippe Mateta vom FSV Mainz mit seinem Treffer zum 3:3 gegen RB Leipzig für das 125. Jokertor und knackte damit den Bundesliga-Rekord.

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Borussia Dortmund hat mit 17 Jokertoren drei Spieltage vor Schluss den Bundesliga-Rekord für ein Team bereits eingestellt. 

Reiner Zufall oder ein Trend, der sich seit Jahren abzeichnet und auch in Zukunft eine immer tragendere Rolle spielen wird?

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Womöglich sogar bereits im aktuellen Kopf-an-Kopf-Rennen um die Deutsche Meisterschaft zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund?

Veränderte Bedingungen

Fakt ist: Die Belastung, insbesondere für die Top-Spieler, ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen.

Dabei geht es in erster Linie nicht unbedingt um die Anzahl der absolvierten Spiele, sondern vielmehr um die höhere Intensität im Vergleich zu den Jahren vor oder kurz nach der Jahrtausendwende.

Heißt konkret: Der Fußball ist schneller geworden, physischer. Viele Trainer verordnen ihren Teams ein sehr pressing- und laufintensives Spiel. Dadurch steigt nicht nur die Verletzungsgefahr in den Spielen, sondern auch Verletzungen durch Ermüdung. Sowie natürlich die klassischen Ermüdungserscheinungen während einer Partie.

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Folge: Körperliche Ermüdung führt zu geistiger Ermüdung und mangelnder Konzentration – und die ist vor allem bei Torabschlüssen essenziell.

Das wissen natürlich auch die Bundesliga-Trainer und setzen daher vermehrt auf frisches Offensiv-Personal im Laufe einer Begegnung. Auch, weil die gegnerischen Defensiv-Reihen im Laufe einer Partie häufig bereits vom Stammpersonal "müde gespielt wurden.“

Ass im Ärmel

So ließ beispielsweise BVB-Trainer Lucien Favre in Paco Alcacer seinen besten Torschützen zumeist erst in der zweiten Halbzeit von der Leine.

Neun Startelf-Einsätzen stehen 14 Einwechslungen gegenüber. Zwölf seiner 17 Saisontore erzielte der Spanier, wenn er von der Bank kam.

Zwar versuchte Lucien Favre, die Joker-Einsätze seiner Nummer neun zu Beginn der Saison noch mit mangelnder Fitness zu erklären, doch auch im Laufe der Saison nahm dessen Startelf-Präsenz nicht zwingend zu.

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Ein Indiz, dass Favre seinen Goalgetter wohl eher aus taktischen als aus physischen Gründen bevorzugt erst in den Schlussminuten ins Spiel wirft.

Dem FC Bayern hingegen geht dieser eine verlässliche Teilzeit-Knipser ab, die Last verteilt sich beim Rekordmeister jedoch auf mehrere Schultern. Gleich sechs FCB-Spielern gelang bereits ein Treffer nach Einwechslung (Arjen Robben, Franck Ribery, James, Renato Sanches, Serge Gnabry und Leon Goretzka). 

In puncto Joker-Zuverlässigkeit müssen sich die Bayern jedoch eindeutig der BVB-Bank geschlagen geben.

Restprogramm mit Joker-Potenzial

Auch das Restprogramm von FCB und BVB wartet mit ordentlich Joker-Potenzial auf.

So erzielte der Bremer Claudio Pizarro sogar alle seine Saisontore (3) nach Einwechslung (Bundesliga: Werder Bremen - Borussia Dortmund am Samstag ab 15.30 Uhr im LIVETICKER), Eintracht Frankfurts Sebastién Haller (Gegner FCB am 34. Spieltag) wurde im Laufe der Saison zwar nur viermal eingewechselt, dabei gelangen ihm jedoch satte drei Tore.

Benito Raman wiederum, der mit Fortuna Düsseldorf am 33. Spieltag auf den BVB trifft, kommt sogar bereits auf vier Joker-Tore - und ist damit nach Alcacer der zweitgefährlichste Einwechselspieler der Bundesliga-Spielzeit.

Welcher der genannten Spieler nun entscheidenden Einfluss auf den Titelkampf nehmen wird, entscheidet schlussendlich die Tagesform, das Fingerspitzengefühl der jeweiligen Trainer oder einfach das Quäntchen Glück.

Dass jedoch die Schale durch frischen Wind von der Bank mitentschieden wird, erscheint aufgrund der aktuellen Statistik als äußerst wahrscheinlich.

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