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München - Marco Rose will bei Borussia Mönchengladbach ein neues System und eine neue Spielidee einführen. Für die Borussia ist das eine kleine Revolution.

Ein paar Sekunden hatte Marco Rose. Wenn überhaupt. Oft reicht ja auch eine Zehntelsekunde, ein Wimpernschlag. Mehr brauchte es nicht. Denn einen ersten Eindruck bilden sich Menschen immer noch in Rekordzeit.

Der erste Eindruck zählt - und er bleibt, er verändert sich in der Folgezeit nur leicht, wie Studien zeigen.

Rose weiß das.

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Er hatte sich deshalb Gedanken gemacht über das erste Bild, das er abgeben wollte, war durchaus angespannt. Für seine Vorstellung Ende Mai wählte er bewusst etwas unverkrampftes, ein lockeres Outfit. Jeans, Sneaker und roséfarbiges Polo-Shirt. Um vor allem er selbst zu bleiben.

Klare Verhältnisse, klare Ansprachen

Rose will von Anfang an klare Verhältnisse, sich nicht verstellen. Mannschaft, Verein und Umfeld sollen wissen, wer der Neue ist und wie er tickt. Heißt: Rose ist cool, locker und gelassen.

Er verbindet das jedoch mit einem ausgeprägten Ehrgeiz, bestimmten Vorstellungen. Die er sehr deutlich kommuniziert, mit klaren Ansagen und Ansprachen. "Es ist wichtig, miteinander zu reden, die Mannschaft soll überzeugt sein, wie wir spielen wollen", sagte Rose der dpa.

"Jeder Trainer hat seinen eigenen Stil, seinen eigenen Charakter. Auf uns kommen viele Änderungen auf dem Platz zu. In der taktischen Ausrichtung oder auch beim Anlaufen. Das ist sehr spannend für eine Mannschaft, weil das wieder unseren Horizont erweitert. Wir freuen uns drauf", erklärte Torhüter Yann Sommer im Interview mit SPORT1.

Auch Teamkollege Christoph Kramer blickt optimistisch nach vorne, wie er dem kicker verriet. "Die Eindrücke sind sehr positiv. Mir gefällt die Spielidee, das Training macht Spaß, auf dem Platz gibt es klare Ansagen".

Neues System, neue Spielidee

Die sind auch nötig, denn Rose hat viel vor. Ein neues System will er implementieren, ein 4-4-2 mit Raute, also eine Viererabwehrkette, davor ein Sechser, auf den Halbpositionen zwei Mittelfeldspieler, ein zentral-offensiver Mittelfeldspieler und ganz vorne zwei Stürmer. Ohne echte Außenstürmer also, die in Gladbach in den vergangenen Jahren zum Inventar gehörten. Eine Revolution.

Zum System kommt die Spielidee, eine Mischung aus Pressing und Positionsspiel, mit blitzschnellem Umschalten. Kein Verstecken, sondern attackieren. Offensiv, mutig, laufintensiv, aggressiv. Erfolgreich natürlich, dabei aber gerne auch spektakulär, aktiv statt passiv.

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Im Vergleich zur Vorsaison also alles einmal auf links gedreht.

Nach den ersten Testspielen stimmt die Richtung schon mal. "Wir haben gesehen, dass schon etwas von dem, was wir erarbeiten, umgesetzt wurde. Wir haben aber auch einige Dinge gesehen, an denen wir noch arbeiten müssen", sagte Rose. 

Gute Tage, schlechte Tage

Er weiß, dass es Rückschläge geben wird. Stagnation möglicherweise. "Wir wollen in erster Linie guten Fußball spielen. Da wird es Tage geben, wo das richtig gut klappt, aber auch welche, an denen uns das nicht so gut gelingt", sagte Rose. Dabei geht es dann vor allem darum, Letztgenanntes zu minimieren.

Der Weg dahin kann lang werden. Aktuell geht es um Abläufe im Pressing, um grundsätzliche Positionierungen, um Überzeugung, aber auch um den Umgang miteinander als neue Gruppe, um Hierarchien. Darum, Zugänge wie Breel Embolo (der noch individuell trainiert) oder Stefan Lainer zu integrieren. Um Automatismen.

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Übliche Dinge in einem Trainingslager, durch den Neustart intensiver und aufwendiger als sonst. "Was man erwarten kann, ist, dass wir hart an uns arbeiten. Jetzt in der Vorbereitung, aber auch während der Saison, wollen wir uns ständig verbessern, um das, was wir vorhaben, auf den Platz zu bringen", sagte Rose.

Es ist ein fortlaufender Prozess. Und ein schmaler Grat. Gladbach hat sich für die Europa League qualifiziert, die Erwartungen an den neuen Mann sind hoch, sie sind es rund um die Borussia generell, vor allem sind sie höher, als es Sportdirektor Max Eberl immer betont. Er muss die Erwartungen hin und wieder einfangen.

"Kein schwerer Rucksack"

Für Rose ist es "kein schwerer Rucksack, weil ich mich bewusst für diese Situation entschieden habe. Das ist für mich eine riesige Herausforderung, die ich auch mit aller Energie und Überzeugung angehe", sagte der 42-Jährige.

Auch Eberl betont: "Der Trainer ist kein Magier. Es kann schnell gehen, bis alle Rädchen greifen, vielleicht dauert es aber auch länger. Es wäre schön, wenn die Fans bereit sind und Bock darauf haben, diesen spannenden Prozess zu begleiten", meinte Sportdirektor Max Eberl.

Erwartungen hin oder her: Für den Prozess hat Rose deutlich mehr Zeit als für den ersten Eindruck.

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