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Für Marcel Reif hat mit Arjen Robben ein Weltklassespieler die große Bühne verlassen
Für Marcel Reif hat mit Arjen Robben ein Weltklassespieler die große Bühne verlassen © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Imago/SPORT1
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München - Mit Arjen Robben ist ein "Weltklassespieler" zurückgetreten, findet Marcel Reif. Im Interview erklärt der SPORT1-Experte, warum der Niederländer eine Ära geprägt hat.

"Schauen Sie sich das an, was hier los ist! Schauen Sie sich das an!"

Nicht nur SPORT1-Experte Marcel Reif war begeistert, als Arjen Robben 2009 zum ersten Mal für den FC Bayern auflief. Der Niederländer brachte mit seinen zwei Toren und dem traumhaften Verständnis mit Franck Ribéry die Allianz Arena zum Kochen und verzückte Fußballdeutschland.

Genau das tat er auch die folgenden zehn Jahre und prägte so eine Ära, nicht nur des deutschen Rekordmeisters, sondern der Bundesliga.

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Nun hat Robben im Alter von 35 Jahren seine Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Im Interview mit SPORT1 kommentiert Marcel Reif den Zeitpunkt des Karriereendes, blickt auf die größten Momente des Flügelflitzers "mit nur einem Fuß" zurück und wagt einen Ausblick auf die Zukunft.

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SPORT1: Herr Reif, Arjen Robben hat sein Karriereende bekanntgegeben. Was sagen Sie zu seiner Entscheidung?

Marcel Reif: Ich finde, er tritt im richtigen Moment ab. Alles danach hätte vielleicht etwas Romantisches gehabt, dennoch hätte man ja immer auf seine Leistungen geguckt. Selbst wenn er zum FC Groningen gegangen wäre, ganz zu den Wurzeln: Die müssen ja trotzdem noch Spiele gewinnen, und dann hätten alle gesagt, "Mensch, jetzt haben wir doch den Arjen", und hätten sich gewundert, warum er nicht die Leistungen wie früher bringt. Wenn es vorbei ist, ist es vorbei, und er kennt seinen Körper am besten. Deswegen halte ich das für eine prima Entscheidung von ihm, nicht noch einmal irgendwo aus Reminiszenzen rumzutingeln.

SPORT1: Man wird jetzt natürlich zurückblicken: Was war Arjen Robben für ein Profi? Wie schätzen Sie seinen Stellenwert ein, für den FC Bayern, aber auch für die Bundesliga?

Reif: Im Moment beklagen wir doch, dass wir kaum Weltklassespieler in der Liga haben. Arjen Robben war ein Weltklassespieler. Er hat Bayern zum Triple geschossen, beim Champions-League-Finale gegen Dortmund. Mehr kannst du mit einem Klub nicht gewinnen. Und auch seine ganze Art: Er war ein Musterprofi. Man hat ihm ja immer vorgeworfen, er würde sehr gerne mal fallen: Ich hab das nie so empfunden. Er war auf dem Platz immer anständig, ich empfand ihn auf und neben dem Platz als eine bedeutende Figur, die ein großes Kapitel der Bayern geschrieben hat.

SPORT1: Welche Szene fällt Ihnen ein, wenn Sie an Robben denken?

Reif: Natürlich fällt mir sofort das Siegtor im Champions-League-Finale 2013 in Wembley gegen Dortmund ein. Ansonsten: ein Mann mit nur einem Fuß, mit eigentlich nur einem Trick, der aber immer wieder entscheidend war. Faszinierend.

SPORT1: Wie kann das eigentlich gelungen sein: dass dieser eine Trick, von rechts außen in die Mitte zu ziehen, um mit links zu schießen, über die Jahre hinweg immer wieder kam und trotzdem nicht zu verteidigen war?

Reif: Weil er schnell war, weil er ballsicher war, weil er genau das perfektioniert hat. Man hat mir lange Jahre erzählt, die Zeit des Heldenfußballs und der Einzelkünstler sei vorbei: Die müssen 1000 Dinge können, nach vorne, nach hinten. Er war einer der Gegenbeweise. Er hat Spiele entschieden, und diese Spieler wird es immer brauchen. Große Spiele werden nur von großen Spielern entschieden. Und er war einer, der dann da war und sein Ding gemacht hat: Ich zieh jetzt mal nach innen, ich bin schnell, die Abwehrspieler wissen es, und am Ende, bumm, trotzdem Tor. Einfach nicht zu verteidigen. Wenn man etwas richtig gut kann, kann man damit Spiele entscheiden.

SPORT1: Bei Arjen Robbens Debüt für die Bayern, mit zwei Toren gegen Wolfsburg und brillantem Verständnis mit Franck Ribéry, kommentierten Sie in etwa: "Schauen Sie sich das an, was hier los ist! Schauen Sie sich das an! Der Zirkus ist in der Stadt." Wie erinnern Sie sich an dieses Spiel?

Reif: Genauso. Für mich war als Kind Zirkus etwas Bedeutendes, nicht irgendein Kasperltheater, sondern ein großer Moment. Und genauso habe ich Robbens Debüt empfunden. Man sieht jemanden, der solche Dinge kann, und sofort verändert sich ein Klub. Von dieser Sorte gibt es nicht so viele.

SPORT1: Nun fragt man sich auch, wie es mit Robben weitergeht. Wird er Tulpenzüchter, um es mal flapsig zu sagen, oder bleibt er dem Fußball erhalten? Was glauben Sie?

Reif: Ich kann mir nicht vorstellen, dass er genug vom Fußball hat. Dazu war er bis zum Schluss mit zu großer Leidenschaft dabei. Er wusste doch genau, dass er mit seiner Gesundheit nicht jedes Spiel machen kann, und dennoch wollte er wie ein Kind immer Fußballspielen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es das für ihn mit Fußball war. Nie im Leben.

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