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München - Uli Hoeneß kandidiert nicht mehr als Präsident beim FC Bayern und verkündet seinen Rückzug. Auf einer Pressekonferenz begründete er den Schritt ausführlich.

Die PK mit Uli Hoeneß im YouTube-STREAM:

Beim FC Bayern endet eine Ära. Uli Hoeneß wird im November nicht mehr als Präsident von Bayern München kandidieren.

Der 67 Jahre alte Hoeneß empfahl, bei der Jahreshauptversammlung am 15. November den langjährigen Adidas-Boss Herbert Hainer als seinen Nachfolger zu nominieren, er wird auch als Aufsichtsratsvorsitzender abtreten. Am Freitagmittag begründete Hoeneß (nach einleitenden Worten von Mediendirektor Stefan Mennerich) seinen Schritt ausführlich bei einer Pressekonferenz. Auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge schaute kurz vorbei.

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Rund 45 Minuten redete Hoeneß zu den Journalisten, beleuchtete die Hintergründe seiner Entscheidung und widersprach Edmund Stoibers Darstellung, dass Meinungsverschiedenheiten mit Rummenigge einen Beitrag dazu geleistet hätten.

Über Hainer und den seit heute offiziell designierten Vorstandschef Oliver Kahn verlor Hoeneß viele lobende Worte. Aufhorchen ließ auch, dass er Hasan Salihamidzic eine Beförderung zum Sportvorstand in Aussicht stellte und nochmal gegen den kritischen Fan Johannes Bachmayr nachtrat - der eine folgenschwere Rede bei der vergangenen Jahreshauptversammlung hielt.

Der PK-Ticker zum Nachlesen.

+++ Überraschungs-Auftritt von Rummenigge +++

Der Vorstandschef lässt es sich nicht nehmen, noch ein paar Worte an Hoeneß zu richten: "Wir hatten auch mal eine unterschiedliche Meinung, aber wir haben den Satz von Winston Churchill gelebt: 'Wenn zwei Leute immer dieselbe Meinung haben, ist einer überflüssig.' Und keiner von uns war überflüssig." Rummenigge überreicht Hoeneß auch noch ein eingerahmtes Bild mit einem alten Trikot und Bildern aus seinen Anfangsjahren als Manager. Damit ist die PK dann auch beendet.

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+++ Wird die Tür für Spieler weiter offen sein? +++

"Wenn einer einen Rat will, wird ein gemeinsames Essen weiter möglich sein - mit mir als Person, nicht als Funktionsträger." Im selben Atemzug stellt Hoeneß aber klar, dass Franck Ribéry nicht so oft bei ihm ein- und ausging, wie viele glauben.

+++ Hoeneß verteidigt Salihamidzic gegen Kritik +++

Auf SPORT1-Nachfrage lobt Hoeneß noch einmal Trainer Niko Kovac und Sportchef Hasan Salihamidzic - besonders Salihamidzic: "Wenn es gut geht, waren es Karl-Heinz oder ich, wenn es schlecht geht, war es der Hasan. Das ist unfair. Er ist leider einer, der viel im Internet unterwegs ist und sich mehr aufgeregt hat als notwendig. Im Verein wird er sehr positiv gesehen." Bis zur Jahreshauptversammlung am 15. November soll eine Entscheidung des Aufsichtsrats fallen, ob Hasan Salihamidzic Sport-Vorstand wird.

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+++ Gab es Kontakt zu JHV-Kritiker Johannes Bachmayr? +++

"Ich habe unmittelbar nach der JHV den Gedanken gehabt, Herrn Bachmayr anzurufen. Ich habe es gelassen und bin froh drüber. Mittlerweile weiß ich, was für Leute hinter dieser Kampagne standen." Zur Erinnerung: Klubmitglied Johannes Bachmayr hatte bei der Jahreshauptversammlung Ende 2018 eine Aufsehen erregende, beißende Rede gegen Hoeneß gehalten.

+++ Hoeneß stellt nochmal sein Verhältnis zum Internet klar +++

"Die Randerscheinungen werden schwieriger. Vor allem die Öffentlichkeitsarbeit, durch das Internet und all die Leute, die keine Ahnung haben und ihren Senf dazugeben und ich kann nichts machen, weil ich da nie reinschaue. All die, die täglich da reinschauen, haben einen sehr stressigen Beruf."

+++ Ratschläge an Nachfolger Herbert Hainer? +++

"Ich gebe Hainer überhaupt keine Ratschläge, der ist ein Vollprofi. Ich habe ihn immer ganz genau informiert, der weiß, worauf er sich einlässt. Ich bin dafür, dass ein Aufsichtsratsvorsitzender nah dran ist. Was mein Engagement angeht: Ich habe mich immer eingebracht, wenn ich gefragt wurde. Das war mal mehr, mal weniger. Im letzten halben Jahr habe ich ja kaum noch Erklärungen abgegeben, das wird ja auch immer schwieriger, ohne hinterher eine Woche Ärger zu haben."

+++ Hoeneß umreißt den zu erwartenden Alltag von Oliver Kahn +++

"Kahn wird sehr flexibel sein, kein spezielles Ressort haben. Karl-Heinz wird ihn mal mit zur UEFA nehmen, zur FIFA, zur DFL. Er wird auch mitgenommen nach China, in die USA, in die wichtigen Märkte. Der Übergang wird fließend sein."

+++ Nachfrage: Wie ist der Stand bei Sané? +++

"Wenn ich sage, wir hatten Kontakt, müssen Sie damit zufrieden sein."

+++ Hoeneß erklärt, warum Bayern kein "Geldsack-Verein" werden will +++

"Wir haben das Geld immer selbst erwirtschaftet. Es gibt viele Menschen, die dem FC Bayern hunderte Millionen Euro geben würden, um im Konzert der Großen mitzuspielen. Aber das wollen wir nicht und können wir nicht. Wir haben mit unseren Mitgliedern ja 70+1 statt 50+1 ausgemacht. In diesen Kreis der von fremdem Geld abhängigen Klubs werden wir nicht eintreten können und das finde ich richtig. Das treibt an, fordert heraus, kreative Wege zu finden." Hoeneß betont auch seine Zufriedenheit mit dem aktuellen Transferfenster. Dafür, dass Bayern nach Abzug der Ausgaben "nur" 90 Millionen ausgegeben hätte, sei der Kader sehr gut. Wichtig sei ihm auch, dass der Kader nicht zu groß sei - das bringe nur Unruhe.

+++ Hoeneß betont den tiefen Einschnitt +++

"Ich werde ab 16. November erstmals in meinem Leben ohne Plan sein. Das ist sehr spannend für mich, ein völlig neues Gebiet. Meine Frau konnte es bis gestern nicht glauben, dass ich es wirklich durchziehe."

+++ Warum Oliver Kahn? +++

Hoeneß hätte schon länger häufige Gespräche mit Kahn geführt, "irgendwann hat es klick gemacht". Was für Hoeneß entscheidend ist: "Es wäre sehr schwierig, jemanden auf der Position zu etablieren, der nicht auf hohem Niveau Fußball gespielt hat. Wenn du mit großen Spielern diskutiert, ist es wichtig, dass sie dir abnehmen, dass die weißt, wie man einen Ball stoppen kann." Darüber hinaus sei Kahn sehr reflektiert und bringe auch die anderen nötigen Qualitäten mit. Im Aufsichtsrat habe er sich sehr gut präsentiert.

+++ Schlaflose Nächte? +++

"Die habe ich generell öfters. Meistens schlafe ich vier Stunden, bin dann eine halbe Stunde wach, dann schlafe ich wieder ein. Seit ein bis zwei Wochen schlafe ich sieben Stunden, bis ich auf Toilette muss."

+++ Warum Hoeneß jetzt loslassen konnte +++

"Ich wollte von niemandem aufgefordert werden, meine Demission zu unterschreiben. Das ist mir gelungen. Die Weichen sind gestellt. Dieser Verein hat so viel Kraft und so viel Saft, dass er es verkraften kann, wenn Uli Hoeneß nicht mehr an vorderster Front steht."

+++ War Zwist mit Rummenigge Grund für Rückzug? +++

Hoeneß sagt auf Nachfrage, dass Edmund Stoiber in seinem vielbeachteten Kommentar zu Hoeneß' Rückzug die Meinungsverschiedenheiten mit Rummenigge überbetont hätte. "Nein, das stimmt nicht", antwortet er auf die Frage, ob diese ein Grund für seinen Rückzug waren: "Es gab Meinungsverschiedenheiten in der Sache, aber die gab es immer." Es gebe eine gesunde "Streitkultur". Hoeneß bestätigt, dass es zuletzt auch in der Trainerfrage Differenzen gab - aber keine so großen, dass sie seine Entscheidung beeinflusst hätten." Bayerns Ex-Ministerpräsident Stoiber, Vorsitzender des Verwaltungsbeirats des FCB, hatte über den Hoeneß-Rückzug am Rande eines Termins des FC Bayern in der bayerischen Staatskanzlei am Mittwochnachmittag gesagt: "Die Jahreshauptversammlung war für ihn ein solcher Schock, danach kamen natürlich auch die Zwistigkeiten mit Kalle dazu, die Auseinandersetzung wegen dem Trainer."

+++ Hoeneß erklärt, warum er auch als Aufsichtsratschef zurücktritt +++

Hoeneß erklärt seine Haltung, dass es keinen Sinn mache, nur Präsident zu sein - die wichtigen Entscheidungen würden im Aufsichtsrat getroffen: "Wir haben es geschafft, alle Weichen zu stellen. Wenn sie beide Sitzungen gestern erlebt hätten, hätten sie gemerkt: Der Verein ruht in sich - und er macht auch Spaß. Ich freue mich den FC Bayern jetzt aus größerer Distanz begleiten zu können."

+++ Hoeneß spricht +++

"Die Entscheidung ist lange gewachsen. Meine Familie hat mich lange beim Frühstück daran erinnert, dass sie etwas mehr Zeit mit mir verbringen wollte. Die Vorkommnisse bei der Jahreshauptversammlung vor einem Jahr haben dazu geführt, dass ich mir gedacht habe: Hoppla. Es war nicht ausschlaggebend, aber ein Anstoß darüber nachzudenken." Hoeneß verweist dann darauf, dass er den Verein "in einem super Zustand" übergeben wollte, zum einen finanziell, zum anderen sportlich. Das sei gelungen. Er verweist auf das Double im vergangenen Jahr: "Ich verstehe nicht, warum das in der Öffentlichkeit so schlecht weggekommen ist." Als dritten Faktor nennt Hoeneß, dass Nachfolger Hainer für ihn "perfekt" ist: "Einer, der Adidas führen kann, kann auch den FC Bayern führen. Ich hatte keine Zeit, lange zu warten - mit 65 ist er nach heutiger Genetik relativ jung."

+++ Die PK beginnt +++

Uli Hoeneß sitzt bereits am Podium.

+++ Personalie Oliver Kahn bestätigt +++

Am Morgen hatte Bayern bereits eine andere lang erwartete Personalie bestätigt: Der frühere Kapitän Oliver Kahn (50) wird zum 1. Januar 2020 in den Vorstand der FC Bayern München AG berufen.

Kahn unterschrieb einen Fünf-Jahres-Vertrag und wird zunächst einfaches Mitglied des Vorstandes unter dem Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge. Am 31. Dezember 2021 übernimmt er dessen Amt.

+++ Hoeneß bleibt Verein verbunden +++

Trotz Aufgabe seiner Ämter wird Hoeneß sich nicht gänzlich vom FC Bayern zurückziehen. "Ich habe immer gesagt, dass ich dem Verein, in welcher Form auch immer, zur Verfügung stehe. Das ist nicht an irgendein Amt gebunden", sagte der langjährige Präsident. 

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Hoeneß hatte am 1. Mai 1979 nach dem verletzungsbedingten Ende seiner Spielerkarriere als Manager an der Säbener Straße angefangen. Nach 30 Jahren in dieser Position wechselte Hoeneß beim FC Bayern den Posten und wurde Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des Vereins.

2014 übernahm übergangsweise Karl Hopfner die beiden Ämter, da Hoeneß wegen eines Steuervergehens eine Haftstrafe antreten musste. Im November 2016 wurde Hoeneß nach seiner Haftentlassung erneut zum Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt.  

+++ Herzlich willkommen +++

Der FC Bayern stellt die Weichen für die Zukunft: Uli Hoeneß zieht sich als Bayern-Präsident zurück, Karl-Heinz Rummenigge gibt Ende 2021 seinen Posten als Vorstandsvorsitzender ab.

Auch die Nachfolger stehen bereits fest: Herbert Hainer soll Hoeneß ersetzen, Oliver Kahn tritt das Erbe von Rummenigge an.

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