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Niklas Süle wird dem FC Bayern wegen eines Kreuzbandrisses monatelang fehlen. Was bedeutet sein Ausfall nun für die Bayern? Und wie reagieren sie?

Diese Nachricht schockt den FC Bayern!

Abwehr-Boss Niklas Süle hat sich am Samstag beim 2:2 in Augsburg einen Riss des vorderen Kreuzbandes im linken Knie zugezogen. Das ergab eine eingehende Untersuchung durch Team-Arzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Der 24-Jährige wird noch am Sonntag operiert.

Was bedeutet der Süle-Schock für die Bayern? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Wie passierte die Verletzung?

In der neunten Minuten, bei einem Angriff des FC Augsburg, verdrehte sich Süle im Duell mit FCA-Stürmer Florian Niederlechner das linke Knie. Eine Einwirkung des Gegenspielers war nicht zu erkennen. Süle schrie auf, griff sich in die Kniekehle und hielt sich sofort die Hände vors Gesicht.

Mehrere Mitspieler eilten direkt zu ihm. Als er den Platz verließ, erkundigte sich Jérôme Boateng direkt nach seinem Wohlbefinden. Schon bei Süles erstem Kreuzbandriss Ende 2014 schickte ihm Boateng eine SMS mit Genesungswünschen. Gegen 16.40 Uhr verließ er bereits auf Krücken und mit dick bandagiertem Knie die WWK-Arena.

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Wer ersetzt Süle?

Bislang galt der Abwehr-Koloss immer als gesetzt, stand in jedem Pflichtspiel in der laufenden Saison in der Startelf. Viel Verantwortung wird nun vor allem auf Lucas Hernández zukommen. Der 85-Millionen-Neuzugang konnte bislang aber noch nicht hundertprozentig überzeugen, spielte mal in der Innenverteidigung, mal als Linksverteidiger.

Wahrscheinlich ist, dass der Franzose fortan zusammen mit Benjamin Pavard im Defensiv-Zentrum spielt. Weitere Optionen sind Boateng, der unter Kovac aber bislang nur Innenverteidiger Nummer vier war, und Javi Martínez.

Dass der aufs Abstellgleis geratene Boateng die Rolle ausfüllen könnte, glaubt SPORT1-Experte Stefan Effenberg. "Wenn Boateng es annimmt, kann er Süle ersetzen", sagte Effenberg im CHECK24 Doppelpass. "Die Bayern sind nicht so hilflos. Es ist kein Notstand."

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Nachwuchsverteidiger Lars Lukas Mai verlängerte seinen Vertrag bis 2022, wird sich aber nur wenig Hoffnungen auf Einsätze machen können. Trotzdem hofft Bayerns Amateurtrainer Sebastian Hoeneß auf eine Chance für Mai.

"Wir wünschen uns immer, dass unsere Jungs irgendwann oben die Möglichkeit haben, sich zu zeigen, und das ist die größte Auszeichnung für uns, für die U23, für uns als Nachwuchsabteilung", sagte Hoeneß vor der Drittliga-Partie von Bayern II beim FSV Zwickau (im SPORT1-Liveticker). "Aber ich weiß es nicht. Das ist die Entscheidung von Niko Kovac und nicht meine."

Wie lange fällt Süle aus?

Dazu machte der Verein keine Angaben. Laut eines Reports beträgt die durchschnittliche Ausfallzeit bei einer vorderen Kreuzbandruptur bei Fußballern 244 Tage – also knapp acht Monate. Als sich Süle Ende 2014 als Spieler der TSG Hoffenheim schon einmal das vordere linke Kreuzband riss, fiel er 203 Tage aus, also knapp sieben Monate.

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Süle wird in Innsbruck von Dr. Christian Fink operiert und behandelt. Fink hatte zuletzt schon Lucas Hernandéz und Corentin Tolisso vom deutschen Rekordmeister am Knie operiert.

Am Sonntagnachmittag teilte Süle selbst auf Instagram mit, sich auf dem Weg nach Innsbruck zu befinden, und gab sich optimistisch: "Wer es einmal schafft, schafft es jedes Mal wieder", schrieb er.

Ist sogar die EM in Gefahr?

Völlig unklar. Das Vorbereitungslager in Seefeld/Tirol startet in rund 218 Tagen - nach dem DFB-Pokalfinale. Süle wird alles tun, um fit zu werden.

Bundestrainer Joachim Löw hat des Öfteren bewiesen, dass er verletzten Stammspielern (Manuel Neuer, Sami Khedira, Bastian Schweinsteiger) bis kurz vor Schluss die Tür für eine Nominierung offenhält, sie notfalls auch angeschlagen für das Turnier nominiert.

"Niklas ist ein Gesicht der jungen Spieler-Generation", sagte Löw am Sonntag bei dfb.de. "Er war ein Fixpunkt in unseren Planungen und hatte sowohl im Klub als auch bei uns seine regelmäßigen Einsätze." Der Bundestrainer werde "überhaupt keinen Druck aufbauen". Im schlimmsten Fall fällt Süle aber für den Rest der Saison aus und verpasst auch die Europameisterschaft.

Rüsten die Bayern nach?

Unwahrscheinlich. Mit Hernández, Pavard, Boateng, Martínez und Mai hat man fünf potenzielle Innenverteidiger im Kader. Für den wechselwilligen Boateng, der unlängst auch seinen Berater gewechselt hat, dürfte die Süle-Verletzung sogar bedeuten, dass er mindestens bis Sommer in München bleiben muss.

Was bedeutet der Ausfall für Kovac?

Noch größere Abwehrsorgen! Schon jetzt ist es mit 15 Punkten nach acht Spieltagen der schlechteste Saisonstart seit neun Jahren. Vorne verballern die Bayern etliche Großchancen und hinten ist die Defensive zu löchrig (15 Gegentore in zwölf Pflichtspielen).

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"Was mich maßlos ärgert ist die Tatsache, dass wir in den entscheidenden Situationen nicht so verteidigen, wie ich mir das vorstelle", klagte Kovac bereits am Samstag. In der Liga haben die Bayern schon zehn Gegentreffer auf dem Konto. Eine Bilanz, die man zuletzt unter Jürgen Klinsmann in der Saison 2008/09 hatte.

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