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München - Javi Martínez ist unter Niko Kovac kein Stammspieler. Hoeneß fordert, dass sich das ändert. Kann der FC Bayern sein Defensivproblem mit dem Spanier lösen? Der Datencheck.

"Javi Martínez hat heute mittrainiert. Er könnte also eine Option werden."

Bei dieser Nachricht, die Trainer Niko Kovac bei der Pressekonferenz vor dem Spiel bei Eintracht Frankfurt verkündete, dürfte vielen Fans des FC Bayern ein Stein vom Herzen gefallen sein. (Eintracht Frankfurt - FC Bayern, Samstag ab 15.30 Uhr im LIVETICKER)

Denn ohne den Spanier, der sich vor einer guten Woche beim Champions-League-Spiel in Piräus (3:2) verletzt hatte, war die Hintermannschaft des deutschen Rekordmeisters zuletzt – vorsichtig formuliert – wacklig.

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Im Pokal beim VfL Bochum wurde die Defensivschwäche besonders deutlich, war gerade für einen Auftritt gegen den Tabellen-16. der Zweiten Liga streckenweise sogar erschreckend.

Hoeneß sieht Martínez als Retter in der Not

Die "Abwehrproblematik", wie es Präsident Uli Hoeneß nennt, ist schon die ganze Saison über sichtbar. Und durch die Ausfälle von Abwehrchef Niklas Süle (Kreuzbandriss) und Lucas Hernández ist die Not in Bayerns Defensive aktuell noch größer.

Wenn es nach Hoeneß geht, ist Martínez die große Hoffnung in der Not. Denn wenn der 31-Jährige auf der Sechs spielt, dann habe sich das mit der "Abwehrproblematik sowieso erledigt", meint er. "Dann bekommen wir sowieso in Zukunft wenig Gegentore."

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Das sagte der Bayern-Boss vor dem Spiel in Piräus (in dem sich dann noch Hernández verletzte) und das würde er vermutlich nun vor der Partie in Frankfurt wieder so ausdrücken.  

Denn die Zahlen zeigen - im Vergleich mit den Konkurrenten Corentin Tolisso, Joshua Kimmich und Thiago hat Martínez als Sechser klare Vorteile. SPORT1 macht den Daten-Check (Quelle: Opta).

Martínez ein Defensivspezialist

Martínez gilt nicht ohne Grund als Defensiv-Anker. Eine bessere Zweikampfquote als der defensive Mittelfeldspieler hat auf dieser Position kein anderer Bayern-Spieler. Mit 63 Prozent gewinnt er mit Abstand die meisten direkten Duelle (Thiago als Zweiter 57 Prozent).

In seinen 221 Spielen für den FC Bayern hat Martínez noch mehr starke Werte aufgelegt. In puncto abgefangene Bälle (2,3 pro Spiel) ist er Weltklasse, wenn es um klärende Aktionen (2,5 pro Spiel) geht, sucht seine Statistik sogar seinesgleichen: das sind mehr als Kimmich (1,0), Tolisso (0,5) und Thiago (0,5) zusammen vorweisen können.

Auch in der Luft ist Martínez eine Macht. Immer wieder setzt er seine 1,92-Meter-Körpergröße gut ein und gewinnt dadurch starke 69 Prozent seiner Luftzweikämpfe.

Erfolgsgarant, aber offensiv limitiert

Wenn es um spielerische Qualitäten geht, haben Thiago, Kimmich und Tolisso zwar die besseren Anlagen, allerdings hält der Spanier mit seine Passquote (89 Prozent) mit. Nur in der gegnerischen Hälfte (83 Prozent) kommen seine Zuspiele nicht so gut an, wie die seiner Teamkollegen im Mittelfeld.

Martínez ist ein Defensivspezialist, der sicherlich kein Spielmacher ist, aber auch mit dem Ball umgehen kann.

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Seit der Saison 2012/13 spielt der Spanier in München. Bei einem Vergleich der Siegquote der Bayern seit dieser Zeit wird deutlich: der Triple-Held von 2013 ist ein Erfolgsgarant.

In den 221 Spielen mit Martínez kommt der FC Bayern auf eine Siegquote von rund 79 Prozent, in den 161 Partien ohne ihn liegt diese fast zehn Prozentpunkte niedriger (70 Prozent).

Schwerer Stand unter Kovac

Unter Kovac hat der Spanier trotz dieser Zahlen einen schweren Stand. Schon der vergangenen Spielzeit war der Mittelfeldspieler gerade zu Saisonbeginn nicht gesetzt, lieferte aber gerade beim Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen den FC Liverpool eine Glanzleistung ab. In dieser Saison stand Martínez in den ersten elf Partien nicht in der Startelf.

Auf Hoeneß´ Bekenntnis zum Basken hatte Kovac sogar gereizt reagiert: "Wir können nicht sagen, dass wir keine Gegentreffer kassieren, wenn Javi spielt."

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Martínez selbst verkraftete seine Reservistenrolle zuletzt nicht gut. Vor dem Bundesligaspiel gegen die TSG Hoffenheim saß er aufgelöst auf der Ersatzbank und musste von Co-Trainer Hansi Flick getröstet werden, war den Tränen nahe.

Danach geisterten Gerüchte um einen Wechsel zu Ex-Klub Athletic Bilbao an der Säbener Straße umher. Ein Abgang im Winter dürfte aber ausgeschlossen sein, denn der FC Bayern braucht nun seinen Defensivspezialisten so sehr wie selten zuvor. Wenn der Oberschenkel nicht mehr zwickt, dann schon in Frankfurt.

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