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Frankfurt am Main - Die Bayern blamieren sich bei Eintracht Frankfurt. Wie nie zuvor steht nun Trainer Niko Kovac in der Kritik. Noch ist seine Bayern-Zukunft aber unklar.

Endzeitstimmung beim FC Bayern!

Mit einer 1:5-Klatsche bei Eintracht Frankfurt traten die Münchner am Samstagabend bereits die Heimreise an, landeten um 20.14 Uhr in München. Fast versteckt, hinten im Mannschaftsbus, unterhielten sich noch Trainer Niko Kovac und Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Die Verabschiedung aus der Commerzbank-Arena erfolgte dafür nahezu wortlos.

Kein einziger Bayern-Spieler stellte sich nach Abpfiff den Medien. Lediglich Manuel Neuer und Kovac sprachen. Mit den Reportern der Printmedien sprach gar niemand. Was für ein Armutszeugnis.

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Vielleicht auch, weil die Blamage der Bayern genug aussagte. Eine Rote Karte für Jérôme Boateng bereits nach zehn Minuten. Eine Bayern-Mannschaft, die danach, trotz individueller Qualität, nie Kontrolle im Spiel fand und zusammenfiel. Die sich in der Defensive erneut zweitklassig zeigte.

Bayern am spielerischen Abgrund und die Frage: War es das für Kovac?

SPORT1 sagt, was für einen Verbleib des Kroaten spricht und was nicht.

Darum könnte Kovac bleiben

Das öffentliche Training am Sonntag wurde kurzfristig abgesagt. Nach SPORT1-Informationen ging diese Absage nicht von den Bayern-Bossen aus. Diese dürften aber hinter verschlossenen Türen tagen, sofern dies nicht schon am Samstagabend geschieht.

Am Mittwoch können sich die Bayern im Heimspiel gegen Olympiakos Piräus (Champions League: FC Bayern - Olympiakos Piräus, Mi. ab 18.55 Uhr im LIVETICKER) bereits für das Achtelfinale qualifizieren. Die Ausbeute in der Champions League ist makellos. Die Leistung nicht. Das 7:2 gegen die Tottenham Hotspur aber unvergessen.

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Nur drei Tage später folgt das Prestige-Duell gegen Borussia Dortmund (Bundesliga: FC Bayern - Borussia Dortmund, Sa. ab 18.30 Uhr im LIVETICKER) in der heimischen Allianz Arena. Vorbei allerdings die Zeiten als man sagte: "In diesen Spielen sind die Bayern da." Von "Mia san Mia" und Selbstvertrauen ist in der Mannschaft nichts mehr zu spüren.

Kurios: Vor fast einem Jahr stand es ebenfalls schlecht um Kovac. In der Königsklasse gewann man unter der Woche 2:0 daheim gegen AEK Athen, Tage später verlor man 2:3 in Dortmund. Allerdings mit starken 45 Minuten. Anschließend folgte ein 3:3 gegen Düsseldorf, Kovac stand vor der Entlassung, durfte aber bleiben und leitete dann die Wende ein. Vertrauen, das sich auszahlte.

Möglich, dass man Kovac noch das Spiel gegen Dortmund gibt, welches dann über seine Zukunft entscheidet. Zumindest bis zum Winter. Brisant: Nach dem BVB-Spiel folgt die nächste Länderspielpause.

Darum könnte Kovac entlassen werden

Die Frankfurt-Blamage hat das ohnehin wackelnde Kartenhaus der Bayern endgültig zum Einstürzen gebracht. Dass es sich "abgezeichnet" habe, sagte Neuer nach Abpfiff nicht umsonst. Seit Wochen bessert sich nichts bei den Münchnern. Weder das Passspiel, noch das Defensivverhalten. Einzig Neuer und Robert Lewandowski ließen mit ihren starken Leistungen etliches, was zuletzt schlecht läuft, verblassen.

Ausgerechnet gegen das Ex-Team von Kovac präsentierten sich die Bayern blutleer. Die Mannschaft sei laut Neuer aber "überhaupt nicht gespalten", die Motivation sei "nicht das Problem", man habe auch einen "guten Zusammenhalt". Die ist zwischen Mannschaft und Trainer hingegen nicht zu spüren.

Neuer, bei dessen Sätzen auch die Bosse noch genauer hinhören werden, noch deutlicher zur 1:5-Blamage: "Es ist nicht auf die Rote Karte zurückzuführen. Es läuft einfach nicht. Es muss sich auf jeden Fall was ändern."

Vor allem Karl-Heinz Rummenigge, der bereits vor zwei Wochen mahnte, dass man spielerisch die "Kurve" bekommen müsse, dürfte sich bestätigt sehen. Die Bayern spielen unter Kovac derzeit so schwach wie nie. Tabellenführer Borussia Mönchengladbach ist bereits vier Punkte entfernt. (Service: Bundesliga-Tabelle) Der Unterschied zum Vorjahr: Es ist ein Jahr vergangen, die Probleme sind aber die gleichen. Eine Entwicklung blieb aus. Zu wenig für die Ansprüche des FC Bayern, die in der aktuellen Form in Europa nicht für Angst und Schrecken sorgen.

Stimmung innerhalb des Teams am Tiefpunkt

Hinzukommt: Auch die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist am Tiefpunkt. Wie schon vor einem Jahr, beklagen sich etliche Spieler im Stillen. Die Haupt-Vorwürfe: Mangelnde Kommunikation des Trainers mit seinen Spielern und die Trainingsgestaltung. Die einen sagen, es wird zu viel für die Defensive trainiert, anderen ist es zu wenig. Wiederum andere wünsche sich mehr Konzepte für die Offensive. Dass hochdekorierte Bayern-Profis den Ball aber aus drei Metern nicht mehr zum Nebenmann bringen, daran kann Kovac auf dem Feld nichts ändern.

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Kritisiert wird intern auch, dass Kovac zuletzt oft seine Spieler kritisierte, aber nicht sich. Neuer dazu: "Das Resultat auf dem Platz sieht man ja. Wir sind alle nicht zufrieden. Jeder muss bei sich selbst anfangen."

Kovac denkt nicht ans Aufgeben

Kovac verschloss sich seiner Zukunftsfragen, wirkte aber arg angeschlagen und sagte auf der Pressekonferenz, dass er wisse, wie das Geschäft laufe. Kovac weiter: "Wir hatten letztes Jahr eine ähnliche Situation, wo es auch nicht gut lief. Und am Ende ist etwas Positives rausgekommen. Ich habe damals nicht aufgegeben und werde auch jetzt nicht aufgeben."

Auszuschließen ist, dass Kovac selbst die Reißleine zieht. Möglich ist aber, dass ihm die Bosse zuvorkommen. Nach SPORT1-Informationen werden hauptsächlich Präsident Uli Hoeneß und Vorstandsvorsitzender Rummenigge entscheiden, ob es mit Kovac weitergeht oder nicht.

Hinzukommt: Auf dem Markt sind Alternativen vorhanden, aber ob diese auch für Langfristigkeit stehen?

Wer könnte Kovac beerben?

José Mourinho und Arsène Wenger wären verfügbare Kaliber von internationalem Format. Jupp Heynckes verkündete sein Karriere-Ende. Erik ten Hag (Ajax Amsterdam) und Mauricio Pochettino (Tottenham Hotspur) sind Angestellte ihrer Vereine.

Eine mögliche interne Option: Hansi Flick, der aktuelle Co-Trainer der Bayern. Nach SPORT1-Informationen hat er einen sehr guten Draht zu den Spielern, sucht immer wieder die Gespräche, vermittelt, lobt, baut auf. Aufgaben, auf die er sich aber bislang konzentrieren konnte, weil er auch dafür geholt wurde. Flick wäre eine Interimslösung. Denkbar wäre auch, dass man U17-Trainer Miroslav Klose mit in die Überlegungen einbaut. Allerdings hat der Weltmeister von 2014 nur die A-Lizenz, könnte Flick aber unterstützen.

Was die Bayern ebenfalls im Hinterkopf haben werden, ist die Jahreshauptversammlung am 15. November. Diese soll eigentlich zur großen Abschieds-Sause von Präsident Hoeneß werden – und die Zukunft einleiten.

Ob diese mit Kovac sein wird, ist nach dem 1:5 immer unwahrscheinlicher. 

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