Lesedauer: 5 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Hertha BSC hat am Mittwoch Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann als neuen Trainer vorgestellt. SPORT1 erklärt die Hintergründe der Verpflichtung.

Drei Jahre nach dem Aus als Trainer der US-amerikanischen Nationalmannschaft ist Jürgen Klinsmann zurück auf der Trainerbank.

Am Mittwoch präsentierte ihn der krisengebeutelte Hauptstadt-Klub Hertha BSC als neue Personalie für das Traineramt – zumindest bis zum Saisonende.

Auf den ersten Blick kommt dies überraschend. SPORT1 beleuchtet die Idee hinter der Verpflichtung.

Anzeige

- Wie kam es zu der Entscheidung für Klinsmann?

"Wir waren schon seit Jahren in regem Austausch, haben die eine oder andere Idee gehabt. Ich habe Jürgen gefragt, ob er zur Verfügung steht für die Hertha. Er brauchte dann einen kleinen Anschubser, damit er jetzt hier sitzt und sich bereit erklärt hat, unsere Mannschaft bis zum Saisonende zu betreuen", erläuterte Hertha-Sportdirektor Michael Preetz auf der Pressekonferenz zur Verpflichtung des ehemaligen Stürmers bis Saisonende.

Erlebe bei MAGENTA SPORT mit Sky Sport Kompakt alle Sky Konferenzen der Fußball-Bundesliga live! | ANZEIGE

Für Klinsmann, der ursprünglich im Aufsichtsrat der Berliner als Vertreter von Investor Lars Windhorst vorgesehen war, ist es ein ganz besonderes Engagement. "Mein erstes Spiel als achtjähriger Bub war das Spiel VfB gegen Hertha - und ich stand mit der blau-weißen Flagge in der Kurve. Dazu war mein Sohn hier ein paar Jahre im Verein - ich kenne also viele Leute."

Es habe "zwei, drei Stunden" Gespräche gegeben, "dann habe ich zuhause angerufen und gefragt, ob es in Ordnung ist, wenn ich nicht gleich heimkomme", erzählte Klinsmann. Vorerst wird er sein Domizil im sonnigen Kalifornien gegen eine Unterkunft in Berlin eintauschen müssen. Ein Pendeln zwischen den Kontinenten, wie noch als Bundestrainer, wird es nicht mehr geben.

- Wie sieht Klinsmanns Trainerteam aus?

Er habe für jede Region der Welt einen anderen Stab geplant, gab Klinsmann am Mittwoch überraschende Einblicke in seine Planungen. Nach Berlin bringt er den früheren Werder-Coach Alexander Nouri und dessen Co-Trainer Markus Feldhoff, sowie DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke und Ex-Hertha-Profi Arne Friedrich mit. Zusätzlich kommt mit Werner Leuthard ein erfahrener Konditionstrainer, der bereits unter Felix Magath arbeitete.

Nouri und Feldhoff erhalten dabei von Klinsmann in der Arbeit auf dem Platz viele Freiheiten, wie der 55-Jährige erklärte. Köpke ist vorerst von seinen Aufgaben bei der Nationalmannschaft bis Anfang 2020 entbunden und soll danach wieder zum DFB-Team zurückkehren, wie der Verband mitteilte. Allerdings erklärte Preetz, dass das gesamte Team "bis Saisonende" arbeite.

Jetzt das aktuelle Trikot von Hertha BSC bestellen - hier geht's zum Shop! | ANZEIGE

Ex-Herthaner Friedrich soll als Bindeglied zwischen Trainerteam und Funktionärsebene fungieren und nimmt als "Performance Manager" eine vergleichbare Rolle wie Sebastian Kehl bei Borussia Dortmund ein. "Wenn ich so eine Aufgabe übernehme, mache ich das zu 100 Prozent und nicht halb. Ich habe ein Team an Leuten, das mit mir reinkommt und vorbereitet ist", kündigte Klinsmann an

- Was erwartet sich Hertha von Klinsmann?

"Wir haben erfolgreichen, charismatischen Trainer verpflichtet. Einen mit enormer Strahlkraft. Einen Fußball-Fachmann", lobte Preetz seinen neuen Trainer. Strahlkraft kann der Hauptstadt-Klub, aktuell auf Rang 15 der Bundesliga-Tabelle, gut gebrauchen. Auch Klinsmann weiß den aktuellen Status seines neuen Teams einzuordnen: "Berlin, sagen viele, ist ein schlafender Riese. Die sportliche Situation ist schwierig, ihr (in Richtung der Journalisten, Anm. d. Red.) könnt ja alle die Tabelle lesen."

Doch eine genaue Zielsetzung ließ sich der Schwabe nicht entlocken, sondern sagte lediglich: "Wir wollen uns nach oben arbeiten." Langfristig träumen die Hertha-Verantwortlichen sicher vom Sprung auf die internationalen Plätze, Klinsmann soll zunächst sicherstellen, dass die laufende Saison nicht in einem Fiasko endet und im Jahr nach der Millionenspritze von Windhorst der Abstieg zu Buche steht.

- Welche Pläne verfolgt Klinsmann bei Hertha?

Ursprünglich sollte der Schwabe im Aufsichtsrat die Geschehnisse bei der Alten Dame aus dem Hintergrund im Blick behalten.

Preetz betonte aber am Mittwoch, dass er mit Klinsmann bereits vor dessen Einstieg bei Hertha Gespräche geführt habe und es Überlegungen gab, den 55-Jährigen in den Klub zu holen. Nun muss Klinsmann statt langfristiger Visionen aber erst einmal im Tagesgeschäft den Klub aus der Hauptstadt wieder auf Kurs bringen.

Dabei hat Klinsmann bereits einen klaren Plan, wie er die Hertha spielen lassen will. "In dieser Situation ist es wichtig, Wege zu finden, um die Mannschaft so zu analysieren, dass wir Punkte holen. Es geht weniger darum, den attraktivsten Fußball zu spielen", sagte er. Sein Credo vom Offensivfußball stelle er "aktuell weit hinten an".

Doch in die zukünftige Ausrichtung der Hertha ist Klinsmann sehr wohl involviert. Der 55-Jährige dazu: "Hinter den Türen werden wir Diskussionen führen, welchen Stil die Berliner sich wünschen."

So muss der Klub für die kommende Saison einen Trainer suchen, der das von Klinsmann mitentwickelte Spielkonzept auf den Platz bringen kann. Der Schwabe wird derweil wieder im Aufsichtsrat Platz nehmen und seine Ideen und Konzepte für Hertha zur Sprache bringen.

- Fazit

Klinsmann soll die Hertha kurzfristig vor Schlimmerem bewahren und setzt dabei von Anfang an auf zahlreiche externe Verstärkungen im Trainerteam. Sein Konzept will er zunächst an die Mannschaft anpassen, arbeitet aber im Hintergrund bereits an einer Hertha-DNA.

So könnte der 55-Jährige peu á peu, vorausgesetzt er arbeitet mit Erfolg, zum neuen starken Mann beim Hauptstadt-Klub werden.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image