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München - Am Mittwoch entließ Fortuna Düsseldorf Friedhelm Funkel, der daraufhin seine Karriere als Fußballtrainer beendete. Nachvollziehen können die Entlassung nur die wenigsten.

Die Entlassung von Friedhelm Funkel bei Fortuna Düsseldorf war gleichzeitig das Ende seiner Trainerkarriere.

Am Mittwoch verabschiedete sich der 66-Jährige von der Mannschaft - und fuhr davon. Zurück bleiben insgesamt 29 Jahre als Fußballlehrer.

Dabei hatten die Verantwortlichen der Fortuna den Coach am Dienstagabend noch via Twitter zur Ernennung zu "Düsseldorfs Trainer des Jahres" beglückwünscht, bevor sie ihn keine zwölf Stunden später freistellten. Als Nachfolger wurde kurz danach der frühere Stürmer Uwe Rösler (unter anderem Manchester City und 1. FC Kaiserslautern) präsentiert

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Vor der Fortuna hatte Funkel in seiner langen Trainer-Laufbahn Bayer Uerdingen, den MSV Duisburg, Hansa Rostock, den 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt, Hertha BSC, den VfL Bochum, Alemannia Aachen und 1860 München betreut. Die Fußballbühne ohne Funkel? Schwer vorstellbar. 

Bruchhagen: "Ich bin sprachlos"

Ein guter Freund von ihm konnte es gar nicht glauben, als die Meldung zur frühen Mittagszeit über die Ticker lief. "Ich bin sprachlos", sagte der langjährige Bundesliga-Manager Heribert Bruchhagen im Gespräch mit SPORT1. Doch das nur für einen kurzen Moment

Gesprächsbedarf hatte der 71-Jährige, der von 2004 bis 2009 Funkels Chef in Frankfurt war, dann doch. "Im Fußball ist niemand mehr bereit, realistische Einschätzungen vorzunehmen. Das ist das Hauptproblem", sagte Bruchhagen.

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Auch Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer zeigte sich von der jüngsten Entwicklung in Düsseldorf überrascht.

"Die Entscheidung hat mich insofern überrascht, weil man drei Tage vor einem Spiel den Stecker zieht", sagte Fischer bei SPORT1. "Ich kenne Friedhelm sehr, sehr gut. Grundsätzlich bin ich kein Freund von Trainerentlassungen auf der Zielgeraden. Es ist nicht das Allheilmittel."

Fortuna auf Platz 18

Die Fakten waren für Sportvorstand Lutz Pfannenstiel und den Aufsichtsrat klar: Fortuna belegt nach 19 Spielen Platz 18, der Abstieg in die 2. Liga droht.

Die Situation im Keller ist für Bruchhagen allerdings keine große Überraschung. "Fortuna ist vor zwei Jahren als Dritter aufgestiegen und hat vergangenen Sommer die beiden Leistungsträger Dodi Lukebakio (wechselte zu Hertha BSC, d. Red.) und Benito Raman (ging zum FC Schalke, d. Red.) abgeben müssen", erklärt der frühere Manager.

Zudem habe die Fortuna neben Paderborn den niedrigsten Etat "Da war es für mich nicht verwunderlich, dass diese Klubs unten stehen." Den sportlichen Niedergang bei der Fortuna begründet Bruchhagen vor allem in der Einkaufspolitik. Diese sei "einfach nicht gut" gewesen. 

Dass Funkel lange braucht, um die Trennung zu verarbeiten, glaubt er nicht. "Friedhelm ist enttäuscht, klar. Aber ich glaube auch er ist so gelassen, er wird diese Entscheidung ganz ruhig verarbeiten."

Funkel war auf Situation eingestellt 

Bruchhagen begründet dies auch. "Ich habe am vergangenen Wochenende ein Interview von ihm gesehen, da hat er selbst eingeleitet, was jetzt passiert ist, denn er sagte 'Ich kenne die Mechanismen des Fußballs‘. Er war also schon ein bisschen auf diese Situation eingestellt.“

Und weiter: "Er ist mein Freund und ich kenne ihn daher sehr gut, er wird damit gut klarkommen. Er ist sehr stabil in seiner Psyche."

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Kritik übt Bruchhagen an den Bossen. Statt sich mit Funkel zu solidarisieren und "mit Anstand abzusteigen, um dann mit Friedhelm gleich wieder aufzusteigen, entlässt man ihn jetzt". Viele Vereine würden danach "lechzen, Friedhelm als Trainer zu bekommen", glaubt Bruchhagen, "weil er die Bundesliga und 2. Liga so gut kennt wie kein anderer."

Aber auch Bruchhagen sieht es ganz realistisch. "Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, werden die Menschen ausgetauscht." Doch bei der Fortuna sei es "eine besondere Situation, weil Friedhelm diese Erfolgsphase eingeleitet und begleitet hat. Es tut mir leid für Fortuna Düsseldorf, weil man sich mit dieser Entscheidung schwächt."

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