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München - Der "Titan" will auch als Bayern-Boss Erfolgshunger vorleben - aber nicht mehr wie früher als Spieler sein. Die wichtigsten Botschaften der Antritts-PK.

Eine neue Ära beim FC Bayern München ist offiziell eingeläutet.

Oliver Kahn, der Karl-Heinz Rummenigge im Jahr 2022 als Boss des deutschen Rekordmeisters ablösen wird, ist offiziell als Vorstandsmitglied des Klubs vorgestellt worden.

Bei einer Pressekonferenz in der Allianz Arena skizzierte der 50-Jährige zusammen mit Präsident Herbert Hainer seine Ziele, seine Vorstellungen und gab einen Vorgeschmack, wie er sich als Führungskraft nach innen und nach außen präsentieren will.

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Auch zur aktuell heikelsten Personalfrage bei Bayern äußerte er sich, der Verpflichtung von Schalkes Torwart Alexander Nübel als kommenden Konkurrenten für Stammkeeper Manuel Neuer. SPORT1 ordnet Kahns wichtigste Aussagen ein.

"Nur, was sich weiterentwickelt und verändert, bleibt lebendig."

Als kommender Boss des Klubs möchte Kahn "die Erfolgsgeschichte des Vereins fortschreiben" und "vielleicht noch eine Schippe drauflegen". Kahn will dafür die Grundlagen legen, auf allen Ebenen ("Es geht nicht nur um den sportlichen Bereich, es geht ums Ganze").

Mit konkreten Aussagen hielt er sich vor Beginn seiner Einarbeitungszeit aber zurück. Er wolle sich erst die nötigen Einblicke verschaffen, "um sinnvolle Aussagen zu machen, was man verändern kann". Viele Bayern-Fans werden gern hören, dass er keinesfalls verändern will, wofür der abgetretene Präsident Uli Hoeneß lange bürgte: "Die Menschlichkeit, das familiäre Element, dass die Spieler sich wohl fühlen, wird in den nächsten Jahren vielleicht wichtiger als je zuvor."

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"Der sportliche Bereich ist die Kompetenz von Hasan Salihamidzic."

Es war auffällig, dass Kahn den Sportdirektor und designierten Sportvorstand Hasan Salihamidzic mehrfach lobend erwähnte - auch im Zusammenhang mit dessen Arbeit im Nachwuchsförderungsbereich.

Mit Blick auf die Kritiker von außen, die Salihamidzic immer noch als Notlösung in dem Job sehen, setzte Kahn damit das klare Signal, dass er Salihamidzic nicht in Frage stellt und ihm die Federführung im sportlichen Bereich überlässt. Er werde sich bei Transfer-Fragen zwar auch einbringen, sagte Kahn, aber als "Teamplayer", nicht als Befehlsgeber.

"Nübels Verpflichtung ist eine sehr kluge strategische Entscheidung gewesen."

Ein heikles Thema, aber gerade als "Torwart-Titan" a.D. konnte Kahn nicht nichts dazu sagen. Kahn meisterte den diplomatischen Balance-Akt, dabei niemandem auf die Füße zu treten: Er machte deutlich, dass der Deal mit dem Schalker Keeper in seinem Sinne ist, lobte Nübel für die "extrem mutige" Entscheidung, frühzeitig zu Bayern zu gehen - und relativierte damit auch seinen eigenen, im April 2019 geäußerten Rat an Nübel, lieber bei Schalke zu bleiben: "Jeder muss seinen eigenen Weg gehen", sagte er nun.

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Zugleich gab er sein Bestes, auch den zuletzt hörbar irritierten Stammtorhüter Manuel Neuer zu besänftigen. Mehrfach verwies Kahn auf den von Nübel bekundeten Willen, dass er "von Manuel Neuer lernen will" und deutete damit an: Das Problem, das die meisten Experten zwischen Neuer und Nübel heraufziehen sehen, werde vielleicht gar keines.

Ansonsten hielt Kahn sich mit konkreten Aussagen zurück, Neuers Vorwurf, dass der Klub den Inhalt interner Gespräche öffentlich gemacht hat, ließ er unkommentiert. Als versteckte Mahnung an Salihamidzic ließ sich allenfalls deuten, dass Kahn später, als es um seine generelle Vorstellung von Kommunikationskultur ging, anmerkte: "Wenn Diskussionen intern bleiben, wäre das nicht schlecht - aber das ist beim FC Bayern auch nicht so einfach."

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"Ich werde nicht durch den Meeting-Raum grätschen."

Wer von Kahn als Vorstandschef dieselbe Impulsivität wie früher auf dem Platz erwartete, wird enttäuscht sein. "Emotionalität ist sehr wichtig. Im Unternehmerischen ist Emotionalität aber nicht unbedingt die beste Idee", antwortete Kahn auf die Frage, ob die Bayern-Fans ihn im neuen Job auch mal als "Vulkan" erleben würden.

Nicht nur dieser Satz, Kahns ganzer Auftritt sandte die klare Botschaft: Kahn will nicht als polterndes Rumpelstilzchen auffallen, sondern als moderne, seriöse und besonnene Führungskraft. Keine autoritäre One-Man-Show, sondern ein integrativer Charakter: "Die Zeiten haben sich verändert, man sollte viele Meinungen einfließen lassen. Hier ist jeder gefragt, Verantwortung zu übernehmen."

"Wir wollen uns nicht erlauben, die Meisterschaft abzugeben."

Kahn machte überdeutlich, dass er sein erstes Halbjahr als Bayern-Funktionär nur sehr ungern ohne Titel beenden würde. Die achte Meisterschaft in Folge ist sein klarer Anspruch, trotz der noch immer spürbaren Folgen des Krisenherbst unter dem entlassenen Trainer Niko Kovac.

Explizit hielt Kahn auch fest, dass er Kovac' Nachfolger Hansi Flick nicht nur die Schale zutraut, sondern dass er auch den Champions-League-Titel für "möglich" hält. Kahn mag als Funktionär leisere Töne anschlagen als früher auf dem Platz, den Erfolgshunger aber lebt er weiter vor.

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