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München - Ex-Fortuna-Boss Robert Schäfer zeigt sich bei SPORT1 überrascht von Friedhelm Funkels Aus. Zudem analysiert er das Geschehen auf dem Winter-Transfermarkt.

Bis April 2019 war Robert Schäfer als Vorstandsvorsitzender bei Fortuna Düsseldorf aktiv, kennt daher den Klub und den kürzlich entlassenen Friedhelm Funkel bestens.

Bei SPORT1 spricht der 43-Jährige, über das überraschende Aus des Fortuna-Trainers. Zudem wirft der frühere Geschäftsführer von 1860 München und Dynamo Dresden einen Blick auf das aktuelle Transfergeschehen.

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SPORT1: Herr Schäfer, wie sehen Sie das Aus von Friedhelm Funkel bei Fortuna Düsseldorf?

Schäfer: Natürlich bewegt mich das. Fortuna Düsseldorf liegt mir nach wie vor am Herzen. Ich hatte meine Erfahrungen mit Friedhelm, wir haben das aber zusammen hingekriegt. Wir haben das sowohl professionell als auch menschlich hinbekommen und haben großen Erfolg mit Fortuna Düsseldorf gehabt. Friedhelm Funkel hat für Fortuna, aber auch für die Stadt Düsseldorf etwas ganz Besonderes geschaffen. Das kann ihm auch keiner nehmen, das geht auch in die Geschichte von Fortuna Düsseldorf ein. Ich glaube, wenn die Mannschaft sich dieses Besonderen, was sie hatten, bewusst wird und daran anknüpfen kann, dann werden sie auch aus der Krise rauskommen und es hinbekommen, in der Liga zu bleiben.

SPORT1: Waren Sie vom Zeitpunkt der Entlassung überrascht?

Schäfer: Ja. Weil die Aussagen - ich habe das nur über die Medien verfolgt - in eine andere Richtung gingen. Deswegen hat es mich überrascht.

SPORT1: Würden Sie sagen, dass der Umgang vor und während der Entlassung mit Herrn Funkel nicht korrekt war?

Schäfer: Das kann ich nicht bewerten, weil ich nicht dabei war.

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"Ein gutes Zeichen für die Finanzkraft der Bundesliga"

SPORT1: Als Geschäftsführer und Vorstand haben Sie zahlreiche Transfers abgewickelt. Wie bewerten Sie die gesamte Wintertransferperiode?

Schäfer: Ich finde sie sehr lebhaft. Viele Vereine haben gute Ideen, aber auch das Risiko im Rahmen gehalten durch viele Leihgeschäfte mit Kaufoptionen. Man sieht, dass die Vereine gut aufgestellt sind, was Scouting und was Analyse angeht.

SPORT1: Mit fast 200 Millionen Euro an Ausgaben hat die Bundesliga einen neuen Rekord aufgestellt. ist dieser "Kaufrausch" auch ein Zeichen an andere große Ligen?

Schäfer: Es ist erst einmal ein Zeichen für die Finanzkraft der Bundesliga und für die Bereitschaft, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Das zeigt, dass in der Bundesliga gut gewirtschaftet wird und dass die Bundesliga konkurrenzfähig ist. Dass Spieler wie Haaland in die Bundesliga kommen, ist gut. Und das ist den Verantwortlichen zu verdanken, die so akribisch und fleißig sind, damit das möglich wird. Ich glaube, dass die Bundesliga dadurch international wettbewerbsfähiger wird. Das kann auch so weitergehen.

SPORT1: Ist dieses Rekordhoch der Start für einen Aufschwung oder eher eine Momentaufnahme?

Schäfer: Die Entwicklung der Bundesliga ist allgemein gut und wird im Sommertransferfenster genauso gut weitergehen. Wenn man auf die einzelnen Verträge schaut, da ist sehr viel Augenmaß. Das ist ein Charakterzeichen für unseren Profifußball. Und dass die Summe steigt, liegt natürlich daran, dass der Markt sich vergrößert. Es sind sehr viele Ideen drin, es ist sehr viel Engagement drin und darauf können sich die Fans freuen.

"Interessant, was Hertha BSC macht"

SPORT1: Was war Ihr persönliches Transfer-Highlight?

Schäfer: Ich finde sehr interessant, was Hertha BSC macht. Da sind viele interessante Ideen, da muss man jetzt mal sehen, wie das funktioniert. Ich verfolge das natürlich auch wegen Dodi Lukebakio (spielte bis 2019 bei Fortuna Düsseldorf, Anm. d. Red.), der einen tolle Entwicklung gemacht hat. Und natürlich ist Erling Haaland ein total spannender Spieler, der - wenn er so weiter macht - der Bundesliga insgesamt guttut.

SPORT1: Wie bewerten Sie die Kaufoffensive der Hertha?

Schäfer: Ich finde es konsequent. Wenn man sagt, man geht einen neuen Weg, dann ist es wichtig, dass man den konsequent geht. Ob das erfolgreich ist oder nicht, wird man nachher sehen. Hertha geht diesen Weg und ich glaube, das passt zu Berlin. Ich glaube, Jürgen Klinsmann verkörpert das auch auf eine sehr gute und sympathische Art und Weise. Er bringt viel Know-how rein – sein Team bringt viel Know-how rein und ich finde, Berlin hat so einen Verein verdient. Deswegen hoffe ich, dass das funktioniert.

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"Das haben die Bayern nicht nötig"

SPORT1: Wie sehen Sie das eher zurückhaltende Vorgehen des FC Bayern?

Schäfer: Karl-Heinz Rummenigge hat das richtig gesagt: Eine Verstärkung für so einen Kader zu finden, ist brutal schwer und dass das ins Gefüge passt, wird immer dünner. Je höher man kommt, desto schwieriger wird das. Der FC Bayern hat da immer Augenmaß bewiesen und hat auch die Gesamtstruktur des Kaders im Kopf, es kommen ja auch Verletzte zurück. Jetzt nur etwas zu machen, um aktionistisch zu sein, haben die Bayern nicht nötig und das wäre eher kontraproduktiv.

SPORT1: Inwiefern?

Schäfer: Wenn du zu viel änderst bei einer Mannschaft, die funktioniert, kann das auch eher negative Folgen haben. Das haben die Bayern sehr gut im Blick. Das führt auch dazu, wenn der rechte Verteidiger jetzt neu besetzt ist, dass es wieder andere Optionen für andere Spieler gibt. Ich glaube, sie sind sehr gut aufgestellt und werden auch ein gehöriges Wort bei der Meisterschaft mitreden.

"Ein Spieler wie Haaland hat dem BVB gefehlt"

SPORT1: Der BVB hat sich mit Haaland und Can zwei Kracher geholt. Kann das den Unterschied im Meisterschafts-Rennen ausmachen?

Schäfer: Man muss jetzt erstmal sehen, wie sie auf Strecke ihre Leistungen bringen. Ein Spieler wie Haaland hat dem BVB gefehlt. Einer, der die entscheidenden Tore macht. Der FC Bayern hat mit Lewandowski eben den Spieler, der das 1:0 macht, das 2:0 und dann läuft das Spiel in eine ganz andere Richtung. Und ich glaube schon, dass das Dortmund gefehlt hat, von daher ist das eine super Verpflichtung. Er ist auf jeden Fall ein Spieler, der nochmal Stabilität reinbringt. Das kann schon einen Unterschied ausmachen. 

Aber es ist eben zum Glück spannend wie noch nie. Ich erinnere mich an die Jahren, wo alle gesagt haben, es ist zu langweilig, wenn im März schon der Meister feststeht, das werden wir dieses Jahr nicht erleben. Da sind einige Mannschaften, die ein Wort mitsprechen wollen. Borussia Mönchengladbach ist nicht so im Fokus momentan, aber die haben eine super Mannschaft. Da sind ganz viele Mannschaften – Leipzig sowieso - die darum kämpfen und es wird unheimlich spannend.

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"Am nervenaufreibendsten war der Transfer von Kaan Ayhan"

SPORT1: Was war für Sie persönlich als Manager das absolute Transfer-Highlight?

Schäfer: Am nervenaufreibendsten war der Transfer von Kaan Ayhan im August 2016, weil das wirklich bis Minuten vor Transferschluss gedauert hat und sich hinzog. Auch Ihlas Bebou (wechselte 2017 für 4,5 Millionen nach Hoffenheim, Anm. d. Red.) war ein wichtiger Transfer für den Verein, weil er eine Wende für Fortuna Düsseldorf bedeutete, auch finanziell. Aber am meisten im Herzen geblieben ist mir der Abschied von Peter Herrmann, der außerhalb des Transferfensters war und durch den er zum teuersten Co-Trainer der Welt geworden ist. Das war schon etwas Besonderes. Da dachte ich eigentlich, wir haben alle Transfers durch und dann kam das Thema nochmal auf und es war spannend (Herrmann ging Oktober 2017 für kolportierte zwei Millionen Ablöse zum FC Bayern, Anm. d. Red.).

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