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München und Leipzig - RB Leipzig bereitet sich auf den Neustart der Bundesliga vor. Mittelfeldspieler Marcel Sabitzer spricht bei SPORT1 über Vor- und Nachteile der Coronakrise.

Wenn alles nach Plan der DFL läuft, kann die Bundesliga in Abstimmung mit der Politik am 9. Mai fortgesetzt werden.

Vor der Coronakrise waren die Stadien der Republik voll, jetzt ist ein Neustart nur ohne Zuschauer möglich. Was für die Vereine in der Theorie wirtschaftlich betrachtet einfach klingt, könnte die Spieler verunsichern. Sie stehen auf dem Rasen verstärkt im öffentlichen Fokus. Sie müssen sich zudem vielen Tests auf das COVID-19-Virus unterziehen und sollen trotz der Krise befreit aufspielen.

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RB Leipzig hatte vor der Unterbrechung stark aufgespielt. Der Bundesligadritte, der sich zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte für die K.o.-Phase der Königsklasse qualifiziert hatte, besiegte im Champions-League-Achtelfinale den Vorjahresfinalisten Tottenham Hotspur überraschend deutlich mit 4:0 nach Hin-und Rückspiel.

Auch in der Bundesliga sind die Bullen trotz fünf Punkten Rückstands auf den FC Bayern noch im Titelrennen. (SERVICE: Tabelle)

Für Marcel Sabitzer lief die aktuelle Saison mit 23 Scorerpunkten in wettbewerbsübergreifend 35 Einsätzen bislang auch persönlich sehr erfolgreich. Bei SPORT1 sprach der RB-Star, der den verletzten Willi Orban als Kapitän vertritt, über die ungewohnte Situation, den Titelkampf in Bundesliga und Champions League sowie ein Interesse von Spurs-Coach José Mourinho.

SPORT1: Herr Sabitzer, wie geht es Ihnen? Wie haben Sie die letzten Wochen in Coronazeiten erlebt?

Marcel Sabitzer: Mir geht es gut, der Familie geht es gut. Langsam aber ist die Geduld am Ende, wenn wir an den Wochenenden viel frei haben, aber nichts machen können. Es könnte gerne wieder losgehen, ich hätte Bock drauf.

SPORT1: Waren Sie schon selbst mit Maske in Leipzig einkaufen?

Sabitzer: Ja. Ich war schon bei der Post. Mit der Vermummung wird man ausnahmsweise nicht erkannt. Das ist die positive Seite. Ich denke, dass es generell nicht schlecht ist, in engen Räumen oder dem Öffentlichen Verkehr eine Maske zu tragen. Ungewohnt, aber so ist die Lage. Das muss man akzeptieren.

SPORT1: Es ist ein völlig anderes Training als vor der Coronakrise. Wie nehmen Sie Ihren Trainer Julian Nagelsmann wahr?

Sabitzer: Er hält sich zurück. Er ist nicht so aktiv, wie er es normalerweise ist. Er guckt sich das von außen an. Das ist bestimmt etwas schwierig für ihn, aber er macht eigentlich einen positiven Eindruck. Ich glaube, ihm geht es genauso wie mir. Der Wettkampf ist unsere Leidenschaft. Wir warten auf den Startschuss, dass es wieder losgeht. Wir müssen uns natürlich an alles halten, was die die Regierung oder Minister vorgeben.

Sabitzer fiebert Bundesliga-Neustart entgegen

SPORT1: Die Politik scheint bereit, grünes Licht für einen Bundesliga-Neustart am 9. Mai zu geben. Wie haben Sie die Nachricht aufgefasst?

Sabitzer: Erstmal positiv, weil endlich ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen war. Vorher war die Ungewissheit groß. Wenn du ein Datum hast, an das du dich halten kannst, ist das positiv. Wir werden uns so gut wie möglich auf den Tag X vorbereiten, wenn es wieder losgeht.

SPORT1: Fußballern wird aktuell eine besondere Verantwortung zuteil, auch weil sie sich vielen Tests unterziehen sollen. Spüren Sie das?

Sabitzer: Na klar. Viele wollen das nicht immer wahrhaben, aber: Wir sind die größte Sportart der Welt, da ist man einfach Vorbild. Viele Kinder und Erwachsene gucken, was wir machen, wie wir mit der Situation umgehen und vielleicht aus ihr lernen. Da heißt es, mit gutem Beispiel voranzugehen, keine Fehler zu machen, dass wir das Virus nicht verbreiten. Da stehe ich voll dahinter.

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SPORT1:  RB Leipzig hatte vor der Unterbrechung das Champions-League-Viertelfinale erreicht. Ist die Pause ein Vor- oder Nachteil für die Mannschaft?

Sabitzer: Ich finde, es war geteilt. In der Champions League lief es gut. In der Liga stotterte der Motor etwas, weshalb die Pause vielleicht nicht schlecht war. Wir hatten intensive Spiele und einige Verletzte, die jetzt zurückgekehrt sind. In der Situation war es gar nicht so schlecht, sich etwas auszuruhen. Jetzt bereiten wir uns vor und wollen fit sein, wenn es wieder weitergeht. Es wird sehr ausgeglichen sein, weil viele Hexenkessel wegfallen. Es wird auf jeden Fall spannend, wenn es wieder weitergeht.

SPORT1: Sind die Karten neu gemischt?

Sabitzer: Es wird zumindest unberechenbarer. Wer kann sich besser auf so eine Atmosphäre oder, besser gesagt, Nicht-Atmosphäre einstellen? Es sind viele Umstände, die man beachten muss. Darauf muss man sich gut konzentrieren und vorbereiten, damit wir das irgendwie zum Vorteil nutzen können.

Sabitzer über RB-Ambitionen: "Wollen ganz vorne landen"

SPORT1: Würden die Geisterspiele eine erfolgreiche Saison von RB Leipzig und Ihnen persönlich schmälern?

Sabitzer: Für die Außenwahrnehmung vielleicht ein bisschen mehr als für uns. Wir sind nach wie vor fokussiert und wollen das Bestmögliche in den Wettbewerben umsetzen. Wir wollen, wenn es möglich ist, ganz vorne landen. Wir wollen in der Champions League weiterkommen, wenn es geht. Wir lassen uns das nicht nehmen, wenn wir wirklich eine gute Saison spielen, dass wir mal mit einem guten Gefühl in den Urlaub gehen. Ich denke, für die Fans und für die Leute in der Stadt ist es aber vermutlich schon eine schwierige Situation.

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SPORT1: Sollte die Saison wegen weiterer Infektionen doch abgebrochen werden, könnten die Europapokalplätze nach dem UEFA-Koeffizienten vergeben werden. Leipzig und Borussia Mönchengladbach würden trotz aktueller Tabellenkonstellation die Champions League verpassen. Halten Sie das für fair?

Sabitzer: Das sind Spekulationen. Ich will mich da nicht aus dem Fenster lehnen und Sachen herausposaunen, die ich gar nicht beeinflussen oder bestätigen kann. Man wird sehen, wie es in zwei, drei, vier Wochen weitergeht, dann sind wir alle schlauer.

SPORT1: Welche Lehren haben Sie persönlich aus dieser Zeit gezogen?

Sabitzer: Dass man dankbar ist für Kleinigkeiten. Man darf nichts für selbstverständlich nehmen. Es sind so viele Dinge, die tagtäglich passieren, die man im stressigen Leben eines Fußballers gar nicht so wahrnimmt. Da schätzt man einige Dinge mehr. Das ist für die Zukunft schon wichtig gewesen.

Sabitzer wegen Transfermarkt und Mourinho-Interesse zurückhaltend

SPORT1: Überdenkt man persönliche Karrierewünsche und Zukunftspläne in solchen Situationen, wenn man beispielsweise die Gesundheitssysteme in den Ländern der europäischen Top-Ligen vergleicht?

Sabitzer: Klar können wir uns glücklich schätzen. Ich als Österreicher kann meine Heimat nur loben, wie mit der Situation umgegangen worden ist. In Deutschland war es ähnlich. Natürlich hat man immer wieder Träume und Visionen gehabt, man hat jetzt viel Zeit darüber nachzudenken. Aber es herrscht insgesamt eine Ungewissheit, auch was den Transfermarkt betrifft. Ich warte erstmal ab, bin da relaxed. Dann werden wir weiterschauen.

SPORT1: Wie sehr freut es Sie, dass José Mourinho an Ihnen Gefallen gefunden haben soll?

Sabitzer: Ob das tatsächlich so ist, sind nur Spekulationen. Ich habe es zwar auch gelesen, aber er hat es mir nicht persönlich gesagt. Deshalb weiß ich nicht, ob es wirklich so ist.

SPORT1: Es wurde viel darüber diskutiert, dass Leipziger Spieler einen Friseur vor Spielen einfliegen lassen haben. Vermissen Sie einen Friseur?

Sabitzer: Wie man erkennen kann, nicht so sehr. Ich war in den vergangenen anderthalb Jahren selten beim Friseur. Das ist aktuell das geringste Problem.

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