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München - Herbert Hainer erlebt einen turbulenten Start in sein Amt als Präsident des FC Bayern. In Zeiten der Coronakrise zeigt er Ähnlichkeiten zu seinem Vorgänger.

"In der Krise beweist sich der Charakter", hat der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt einmal gesagt. 

Das gilt auch für Herbert Hainer. Seit dem 15. November 2019 hat er das Amt des Präsidenten beim FC Bayern inne. Geprägt wird seine Amtszeit bislang augenscheinlich von der Corona-Pandemie. In Zeiten der Krise bewies Hainer schnell, dass er ähnlich tickt, wie sein Vorgänger Uli Hoeneß. 

"Auch im Fußball müssen die Stärkeren den Schwächeren helfen, denn wir alle wollen in Zukunft wieder Fußballspiele und die Bundesliga mit vielen Mannschaften sehen", hatte Hainer schon Ende März klargestellt.

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Als Mitinitiator sorgte er dafür, dass die Bayern mit den drei anderen Champions-League-Startern Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen insgesamt 20 Millionen Euro in einen Topf einzahlten, der Vereinen der ersten und zweiten Bundesliga zugute kommen soll, die die Coronakrise besonders hart treffen. 

"Bayern München war in dieser Rolle immer führend - durch Uli Hoeneß, der ein unheimlich soziales Herz hatte", beschrieb Hainer diese Tat. Hoeneß half in seiner Amtszeit unter anderem den großen Konkurrenten Borussia Dortmund und dem Stadtrivalen 1860 München finanziell aus. 

Eine gemeinsame Charaktereigenschaft, die nicht die einzige Ähnlichkeit ist, die im Vergleich von Vorgänger und Nachfolger auffällt. Vor Hainers erstem TV-Auftritt im CHECK24 Doppelpass am Sonntag blickt SPORT1 auf die ersten Monate des neuen Bayern-Präsidenten im Amt.

DER CHECK24 Doppelpass mit Herbert Hainer und Markus Söder am Sonntag, 17. Mai, ab 11.00 Uhr LIVE auf SPORT1 und im LIVESTREAM auf SPORT1.de und in der SPORT1 App

Hainers Vereinsführung ähnelt der von Hoeneß

Die Marke FC Bayern steht für Hainer im Vordergrund. Wie Hoeneß nimmt auch er jede Abteilung sehr wichtig, zeigte sich beispielsweise oftmals auch bei den Basketballern. 

Was überrascht: Auch wenn es um Ansagen geht, muss sich Hainer nicht unbedingt vor Hoeneß verstecken.

"Die Reporter werden Uli vermissen. Von mir werden sie nicht so viele Bonmots und Schlagzeilen bekommen", hatte der 65-Jährige zwar nach seinem Amtsantritt dem Vereinsmagazin 51 gesagt.

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Hainer ist weniger "Abteilung Attacke", hinter verschlossenen Türen spricht er aber durchaus klare Worte. Er ist medial nicht so präsent wie sein Vorgänger und verbal auch nicht so impulsiv. Ganz halten konnte er sein Versprechen aber nicht.

Zuletzt hatte Hainer angekündigt, dass er jedes Jahr "einen internationalen Star" nach München lotsen wolle. "Das werden wir schaffen", hatte er angefügt. Zuvor hatte er bereits verkündet, dass er mit dem deutschen Rekordmeister bis 2022 die Champions League gewinnen will. 

Durchaus unerwartet, dass der neue Präsident teilweise ähnlich offensive Worte wählt, wie es Hoeneß in seiner ganzen Funktionärs-Karriere immer getan hat. 

Hoeneß hat im CHECK24 Doppelpass oftmals für legendäre Sendungen gesorgt. Nicht zuletzt per Telefonanruf, ohne eigentlich zu Gast zu sein. Es wird spannend sein zu sehen, ob Hainer ähnlich offene Worte wählen wird.

Hainer und Hoeneß sind gute Freunde

Hoeneß und Hainer lernten sich vor rund 20 Jahren kennen, knüpften infolge der Geschäftsbeziehungen zwischen Klub und Unternehmen auch private Bande. Hainer, langjähriger Chef des Sportartikel-Giganten Adidas, ist Metzgerssohn wie Hoeneß. In der niederbayerischen Gemeinde Dornwang - heute Teil der 5000-Seelen-Stadt Moosthenning bei Dingolfing - lernte er dadurch früh die ersten Geschäfts-Kniffe.

"Es gab Tricks, mit denen die Bauern versuchten, die Schweine etwas teurer zu machen", erinnerte sich Hainer vor zehn Jahren in einem Gespräch mit der Welt: "Zum Beispiel haben sie den Tieren noch mal ordentlich Wasser zu trinken gegeben, damit sie mehr Gewicht auf die Waage bringen."

Man kann sich den wissenden Blick von Hoeneß vorstellen, wenn Hainer und er solche Anekdoten austauschen.

"Ein echter Niederbayer"

Nicht nur bei Hoeneß genießt der sportbegeisterte Hainer - der auch mit Weltklasse-Golfer Sergio Garcia gut befreundet ist - große Wertschätzung. Als "grundsolide, verantwortungsbewusst und geradlinig, ein Mann mit Werten, ein echter Niederbayer", wird er in seinem Bekanntenkreis umschrieben.

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Hainer, geboren am 3. Juli 1954 - am Tag vor dem "Wunder von Bern" -, arbeitete seit 1987 bei Adidas, zuvor hatte er in seiner Heimat eine florierende Pub-Kneipe geführt und bei der Konsumgüter-Firma Procter & Gamble Windeln vermarktet.

Während sein jüngerer Bruder Walter Hainer im Fußball Karriere machte (drei Bundes- und 24 Zweitligaspiele für 1860 München), stieg Herbert bei Adidas auf: Im Jahr 2001 rückte er an die Spitze des Unternehmens und übernahm dort schon damals ein großes Erbe.

"Unsere Freundschaft hält"

Kurz nachdem Hainer an die Vorstandsspitze in Herzogenaurach rückte, wurde Adidas Anteilseigner bei den Bayern. Hainer saß als Vize im Aufsichtsrat des Rekordmeisters, war 2014 auch Übergangs-Vorsitzender, nachdem Hoeneß im Zuge seiner Steuer-Affäre zwischenzeitlich zurücktrat. Als Hoeneß zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, war Hainer einer der ersten Besucher.

Hoeneß wiederum half Hainer dabei, den schwersten Schicksalsschlag seines Lebens zu überstehen, den plötzlichen Tod seiner erst 23 Jahre alten Tochter Kathrin, die 2006 an einer Lungenembolie starb.

"Wir beide haben so viel gemeinsam durchgestanden, dass klar ist: Unsere Freundschaft hält, uns treibt nichts mehr auseinander", berichtete Hoeneß 2018 in einem gemeinsamen Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Gut möglich also, dass sich Herbert Hainer vor seinem Auftritt im CHECK24 Doppelpass am Sonntag ein paar Tipps bei seinem guten Freund Uli Hoeneß abholt.

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