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München - Hertha BSC reitet dank Bruno Labbadia auf der Erfolgswelle und darf sogar vom Europapokal träumen. Großen Anteil daran hat der Trainer, der ein echtes Team geformt hat.

Ante Covic, Jürgen Klinsmann, Alexander Nouri. Drei verschiedene Trainer probierte Manager Michael Preetz bei Hertha BSC in dieser Saison aus. Das traurige Fazit unter dem Trio: Abstiegskampf, trotz eines hochkarätigen und im Winter nochmals für viel Geld renovierten Kaders.

Mitten in der Coronapause - am 9. April - entschieden sich die Berliner dann, die für Saisonende geplante Trennung von Nouri vorzuziehen und Bruno Labbadia als vierten Coach in dieser Saison zu installieren.

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Dessen Amtszeit begann denkbar unglücklich mit dem Skandalvideo von Salomon Kalou, mittlerweile spricht jedoch niemand mehr vom suspendierten Stürmer - dank Labbadia.

Zehn Punkte aus vier Spielen holten die Berliner seit dem Restart, statt Abstiegskampf träumen Fans und Spieler nach dem 2:0 gegen den FC Augsburg und dem Sprung auf Platz neun schon vom Europapokal. Der Rückstand auf Platz sechs beträgt nur noch vier Punkte, Gedanken an einen möglichen Abstieg hat bei elf Punkten Vorsprung auf Rang 16 niemand mehr. (Die Tabelle der Bundesliga)

"Die Tabelle sieht jetzt besser aus als vor zwei Wochen, aber wir schauen von Spiel zu Spiel. Wir müssen weiter arbeiten. Vier Punkte fehlen bis Europa, das ist möglich", befeuerte Keeper Rune Jarstein nach dem Spiel bei Sky die Hoffnungen der Fans. Maximilian Mittelstädt ergänzte: "Da ist noch einiges möglich. Wir können gegen Dortmund jetzt befreit aufspielen und dann schauen wir, was geht."

Hertha offensiv und defensiv stark

Einem 3:0 beim Restart in Hoffenheim folgte ein 4:0 im Stadtderby gegen Union Berlin, auch beim 2:2 in Leipzig am vergangenen Mittwoch spielten die Berliner stark auf.

Dabei überzeugt Hertha sowohl defensiv als auch offensiv. Als erstes Team erzielten die Berliner nach der Coronapause zehn Tore, dazu stand - auch wenn das Team in der zweiten Hälfte gegen Augsburg ziemlich wackelte - im vierten Spiel unter Labbadia zum dritten Mal die Null.

"Der Tank war am Ende komplett leer, aber wir sind unfassbar glücklich. Wir mussten echt leiden", meinte Labbadia. "Man konnte nicht erwarten, dass wir zehn Punkte aus diesen Spielen holen. Die Mannschaft hat gefightet. Ich habe versucht, die Mannschaft positiv zu begleiten."

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Die Berliner bringen im letzten Saisondrittel endlich die enorme Qualität des Kaders auf den Platz. Für die Entscheidung gegen Augsburg sorgte per Konter der erst spät ins Spiel gekommene Krzysztof Piatek, der nach seinem Winter-Wechsel sein erstes Tor aus dem Spiel heraus erzielte. (Spielplan und Ergebnisse

Labbadia bejubelt Sieg euphorisch

Für die Spieler hat der Trainer am Erfolg großen Anteil, die heterogen zusammengestellte Mannschaft agiert endlich geschlossen als Team.

"Wir verstehen seine Gedanken und sind nun ein Team", bestätigte Jarstein. Mittelstädt schlug ins gleiche Horn: "Wir nehmen seine Ideen sehr gut an und sind ein Team geworden, das hat die Wochen davor gefehlt."

Den Sieg im leeren Olympiastadion bejubelte Labbadia geradezu euphorisch, nach dem Spiel klatschte er mit jedem seiner Spieler ab. Sein Hunger und seine Leidenschaft hat er längst auf die Mannschaft übertragen.

Babbel schwärmt von Labbadia

"Ich bin fast 35 Jahre in der Bundesliga als Spieler und Trainer. Ich bin immer noch hungrig und habe Lust auf diesen Sport. Wir wollen alle zusammen etwas machen, und das macht mir dann auch Spaß", erklärt Labbadia das Erfolgsgeheimnis.

Für Markus Babbel wird der 54-Jährige als Trainer immer noch unterschätzt, sein ehemaliger Mitspieler beim FC Bayern werde fälschlicherweise oft als Feuerwehrmann bezeichnet. "Ich sehe ihn in Berlin genauso wie bei den Stationen davor. Er ist völlig authentisch und mit einer hohen Begeisterung bei der Sache, ist zudem sehr emotional, wie er auch immer als Spieler war", erklärte Babbel im SPORT1-Interview.

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"Bruno ist schon so lange im Geschäft und wenn man sich die Haltbarkeit bei Trainern anschaut, lag er immer darüber. Er knüpft bei der Hertha nahtlos an die tolle Arbeit in Wolfsburg an. Ich drücke ihm die Daumen, dass er das dauerhaft in Berlin hinbekommt."

"Ich bin heute der beste Trainer, der ich je war"

Labbadia selbst weiß um seinen Wert für die Mannschaft, sein Selbstvertrauen gibt er an die Mannschaft weiter. Den kurzfristigen Ausfall des formstarken Matheus Cunha (leichte Gehirnerschütterung) ließ sich das Team gegen Augsburg in der ersten Halbzeit nicht anmerken, der für den Brasilianer ins Team gerückte Javairo Dilrosun erzielte sehenswert das Führungstor. (Das Spiel zum Nachlesen im LIVETICKER)

"Ich bin ein Mensch, der jeden Tag weiterkommen möchte. Mit jeder Station bin ich besser geworden. Ich glaube, ich bin heute der beste Trainer, der ich je war, weil die Erfahrung einfach unfassbar wichtig ist", sagte Labbadia.

Macht der Erfolgscoach mit seiner Mannschaft so weiter, ist der zuvor belächelte "Big City Club" auf einem gutem Weg, den ersten Teil seines ambitionierten Plans früher zu erreichen als gedacht: Die Rückkehr nach Europa.

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