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Schalkes Sportvorstand bekennt sich trotz Horrorserie zu Trainer David Wagner. Ein mutiges, aber falsches Zeichen, findet Chef-Kolumnist Tobias Holtkamp.

Der FC Schalke 04 hat sich klar positioniert.

Jochen Schneider, zuständiger Sportvorstand bei den Königsblauen, geht in der größten Krise - der Verein ist mittlerweile seit 15 Bundesliga-Spielen ohne Sieg - den für Schalke erst recht ungewöhnlichen Weg: Er stellt sich "zu 100 Prozent" hinter seinen Trainer und will auch langfristig weiter mit David Wagner zusammenarbeiten.

So mutig diese Haltung ist und so wichtig es vor allem auch ist, nach eigenen Überzeugungen statt branchenüblichen Haltungen und Vorgehensweisen zu handeln - so sehr befürchte ich im Fall Schalke, dass es falsch ist.

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Schalkes sportliche Leistungen ungenügend

Was Schalke im vergangenen halben Jahr gezeigt hat, und ich beschränke mich jetzt auf das Sportliche, das war ungenügend. Es hat nichts mit verletzten Spielern zu tun, ob du eine klare Linie fährst und konsequent entscheidest. Auf Schalke, so erzählen sie im Umfeld der Mannschaft, ist mehreren Spielern diese Linie bei ihrem Trainer längst verloren gegangen.

David Wagner habe sich von den Umständen leiten lassen, statt eben andersherum. Ihm fehlten, allen starken Worten nach Außen zum Trotz, die Überzeugungen, er habe sich zu oft für immer neue Betrachtungsweisen entschieden und dem angepasst dann auch immer wieder unterschiedlich gehandelt.

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Ein prominentes Beispiel, das dann ja auch öffentlich ein großes Thema wurde, war die Sache mit Kapitän Alexander Nübel.

Hin und Her um Nübel und Schubert

Nachdem er sich für einen Sommerwechsel zum FC Bayern entschieden hatte, nahm ihm Wagner die Spielführerbinde ab - und schwächte seine Nummer eins, sowieso im Fokus der enttäuschten Anhänger, damit sehr.

Markus Schubert, der den Platz im Tor bekam, war (noch) nicht bereit für den Druck, wirkte verunsichert und leistete sich mehrere Fehler - bis Wagner auf der Position wieder wechselte. 

Auf Schalke glauben viele, dass dem Riesentalent Schubert durch das unnötige Intermezzo genau das Vertrauen genommen wurde, das er nun gebraucht hätte, um Nübel ab diesem Sommer nachzufolgen. Er ist im Grunde schon "verbrannt" auf Schalke, sie suchen eine neue Nummer eins.

David Wagner, der Trauzeuge von Jürgen Klopp, ist natürlich kein Jürgen Klopp - was sich viele auf Schalke wünschten. Sie wollten dem BVB den nächsten Supertrainer weggeschnappt haben, einen, der auch als Typ zu den Besonderen gehört, und den die Dortmunder ja sogar schon in ihren Reihen hatten, als Trainer der U23.

U23 des BVB und Huddersfield kein Vergleich zu Schalke

Doch weder die Zweite des BVB, noch Huddersfield mit etwas über 20.000 Zuschauern im Schnitt, sind mit dem zu vergleichen, was David Wagner auf Schalke zu managen hat. Die wahrscheinlich emotionalste Wucht des deutschen Fußballs zu kontrollieren und anzuführen, ist einer der größten Herkulesjobs in ganz Fußball-Europa - an dem auch schon viele scheiterten.

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Vielleicht ist der Faktor Erfahrung das wichtigste Kriterium bei einer Traineranstellung auf Schalke. Ausgerechnet ein Bereich, in dem Wagner, wie übrigens auch sein Vor-Vorgänger Domenico Tedesco, relativ wenig vorzuweisen hat.

Bei mir überwiegen die Zweifel daran, dass Wagner weiter der richtige Mann für den S04 ist. Ob er, vorbelastet durch diese Serie des Grauens mit oft wirklich schwachen Darbietungen, nicht viel zu vorbelastet in die Vorbereitung und dann auch die neue Saison gehen würde.

Schalke ist anders als alles, das ist klar. Es wäre wunderbar und ein tolles Zeichen, wenn Schneiders klare Kante pro Wagner zurück zum Erfolg führen würde - ich kann es mir nur nicht vorstellen.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".

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