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RB Leipzig sorgt mit der Umwandlung von 100 Millionen Euro Schulden in eine Kapitalrücklage weiter für Wirbel. Doch wie ist der Deal einzuschätzen?

Schenkung, Schuldenschnitt oder nur ein cleverer Schachzug? Die Umwandlung von 100 Millionen Euro Schulden in eine Kapitalrücklage beim Bundesligisten RB Leipzig sorgt im deutschen Fußball weiter für hitzige Debatten. Der Verein hat eine reines Gewissen, Experten sehen keine Verstöße.

Der Vorgang als solcher sei "vollkommen rechtskonform" und passiere "woanders auch", sagte der Sportökonom Bernd Frick dem Deutschlandfunk.

Allerdings brachte der Paderborner Experte auch eine Aktualisierung der Statuten ins Gespräch: "Ich vermute, wenn die DFL oder der DFB vor Jahren oder Jahrzehnten eine derartige Entwicklung hätten vorhersehen können, hätte man eine Klausel im Lizenzierungsverfahren verankert."

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Leipzig weist Vorwürfe zurück

Frick betonte, dass die Finanztransaktion aus moralischer Sicht zu kritisieren sei, aus ökonomischer Sicht aber nicht. Dass Fußball-Mäzene Klubs Schulden erlassen, habe man schon oft erlebt. "Ich weiß nicht, wie viele Millionen Herr Kühnen dem HSV bereits gestundet hat, ich nehme an, dass das mit Herrn Tönnies in Schalke nicht wesentlich anders ist", sagte Frick.

Der Klub RB Leipzig wies am Montag noch einmal alle Vorwürfe eines Verstoßes gegen die Statuten zurück. "Red Bull schenkt uns dadurch keinen Cent – und wir haben so logischerweise keinen Cent mehr auf dem Konto", sagte RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff dem SID.

Dank eines sogenannten Debt Equity Swap wurden Schulden der RasenBallsport GmbH an der Red Bull GmbH in eine Kapitalrücklage verwandelt. Der Klub bekam dadurch kein frisches Geld zur Verfügung, es ging um eine bilanztechnische Umwandlung von bereits ausgegebenem Geld. Durch den Kniff hat RBL nun nur noch 86 Millionen Euro anstatt 186 Millionen Euro Schulden bei Red Bull.

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Mintzlaff erklärt Umstände

Mintzlaff verwies darauf, dass der Klub die Darlehen von Red Bull auch weiterhin stets bedienen werde, Red Bull könne die Summe täglich zurückfordern, es könne daher nicht die Rede von einer Schenkung sein.

"Wer dieses komplexe Thema nicht verstehen will und so tut, als ob Red Bull uns einfach etwas schenkt, dem können und wollen wir nicht helfen", meinte Mintzlaff.

Es gehe darum, den Klub für die kommenden Jahre handlungsfähig und krisenfest zu machen, hatte Mintzlaff zuvor dem kicker gesagt. Der Beschluss, der schon vor 14 Monaten getroffen worden war, habe sich insbesondere in der Coronakrise als sinnvoll erwiesen.

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Financial Fair Play nicht verletzt

RB hatte die Transaktion im Vorfeld bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) und der Europäischen Fußball-Union (UEFA) angemeldet, dort sah man keinen Verstoß gegen die Richtlinien.

Auch die Vorgaben des Financial Fair Play der UEFA seien laut Frick nicht berührt worden. "Ich glaube, dass die Vorgehensweise von Klubs wie Manchester City und Paris Saint Germain eine ganz andere als bei RB ist", sagte der Experte. 

So habe Manchester bei der Bestimmung des Preises für die Namensrechte seines Stadions absurde Summen aufgerufen. Damals hätten die handelnden Akteure bei City behaupten können, der Wert betrage 500 Millionen Euro. "Und das Geld kam dann eben von einem Verwandten des Hauptsponsors. Dieses Vorgehen finde ich deutlich merkwürdiger", urteilte Frick.

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