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SPORT1-Chefredakteur Pit Gottschalk (l.) sieht den DFB wegen der Protest-Jubel von Sancho (r.) und Co. in einer Zwickmühle
SPORT1-Chefredakteur Pit Gottschalk (l.) sieht den DFB wegen der Protest-Jubel von Sancho (r.) und Co. in einer Zwickmühle © SPORT1-Grafik: Imago/SPORT1
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Dem DFB bleibt keine andere Wahl, als im Fall der antirassistischen Zeichen von Sancho und Co. zu ermitteln - aber ihm bleibt auch nur ein Schluss. Der SPORT1-Kommentar.

Wenn ein Jungprofi wie Jadon Sancho seine Anteilnahme ausdrückt, dass George Floyd in den USA offensichtlich Opfer eines rassistisch motivierten Polizei-Akts geworden ist, sollte er nicht für seine Solidarität bestraft werden können.

Leider hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) keine andere Wahl und wird den Fall, dass Sancho seine Botschaft lesbar auf dem Unterhemd zur Schau getragen hat, untersuchen. Übers Wochenende musste der DFB für die Ankündigung dieses formalen Gangs der Dinge heftige Prügel einstecken. Man tut dem DFB aber Unrecht: Die Verbotsklausel hat durchaus ihre Berechtigung; sie bedeutet ja nicht, dass Sancho tatsächlich bestraft wird.

Und dennoch darf das Verbot von allen politischen Botschaften in der Bundesliga in der bisherigen Form nicht bestehen bleiben.

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Grundsätzlich geht der Sport auf Distanz zur Politik, um nicht plötzlich als Massenbewegung vereinnahmt zu werden. Wenn die Bundeskanzlerin auf der Ehrentribüne mitfiebert, ist die Geste erstens unvermeidbar und zweitens harmlos. Anders sieht die Lage schon aus, wenn ein Spieler eben keine guten Absichten hat und auf der Brust, sagen wir mal, Werbung für Parteipolitik betriebe. Wann wären politische Botschaften noch statthaft?

Beim Thema Antirassismus kann es keine zwei Meinungen geben. Natürlich ist jeder gegen Rassismus. Die großen Verbände zeigen regelmäßig und unübersehbar Flagge.

Und bei den anderen politischen Themen? Für Klimapolitik: Sicher, wer ist nicht gegen Klimawandel? Für einen längeren Lockdown gegen Corona: Da wird's schon kniffliger. Damit man nicht in Erklärungsnot kommt, sagen die Statuten: Dann lieber gar nichts erlauben.

Die Haltung ist so falsch wie richtig. Falsch, weil die Bundesliga nicht genug mündige Spieler haben kann, die ihre gesellschaftliche Rolle annehmen und Stellung beziehen. Richtig, weil die Gefahr des Missbrauchs auf einer öffentlichen Bühne zum Greifen ist.

Bei Lazio Rom wurde schon der rechte Arm gereckt und zum Ausdruck von Meinungsfreiheit deklariert. Genau hier muss das Statut ansetzen: das Falsche unterbinden, das Richtige erlauben.

Es gehört nämlich eine Menge Mut dazu, was Jadon Sancho, Achraf Hakimi, Weston McKennie, Marcus Thuram und Anthony Modeste mit ihren Solidaritätsbekundungen getan haben. Der DFB sollte den Fall unbedingt untersuchen, um dann zur Überzeugung gelangen zu können, dass es Werte gibt, für die es sich lohnt, dass man für sie einsteht.

Die Prüfung und anschließende Einstellung des Verfahrens wären wie eine Bestätigung: Das Gute wird nicht verboten - auch nicht beim DFB.

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