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Herbert Hainer fühlt sich als Präsident des FC Bayern pudelwohl. Er spricht über seinen Spieler der Saison, die Rolle als Vorbild und Oliver Kahns Aufgaben.

Herbert Hainer hat das schwere Erbe von Uli Hoeneß angetreten - und fühlt sich in seiner Rolle als Präsident des FC Bayern mittlerweile richtig wohl. 

Dass der deutsche Rekordmeister nach einer teils schwierigen Saison nun wieder glänzend dasteht, hat daran sicherlich einen bedeutenden Anteil. In einem Interview mit dem Vereins-Magazin 51 erklärte der FCB-Boss nun, wer für ihn persönlich der Spieler der Saison bei den Münchnern war. 

"Es ist bei dieser tollen Mannschaft schwer, einen hervorzuheben. Sie waren alle sensationell", betonte Hainer zwar, legte sich aber dann doch fest: "Die Entwicklung von Alphonso Davies hat mir ausgesprochen viel Freude bereitet." 

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Vor etwas mehr als einem Jahr habe den jungen Kanadier noch kein Mensch gekannt, "inzwischen begeistert er unsere Fans auf der ganzen Welt. Ein echter Ankommer." Der Junge mache dem Klub einfach Spaß. Viel Freude hat der Präsident auch an Spielern wie Joshua Kimmich und Leon Goretzka, die gerade während der Coronazeit auch neben dem Platz überzeugen konnten. 

"Diese Spieler sind auf der einen Seite positiv kritisch in ihren gesellschaftspolitischen Äußerungen und auf der anderen Seite unheimliche Leistungsträger – so stelle ich mir Vorbilder aus dem Bereich Sport vor. Mir imponiert dieser Typus", sagte Hainer über das Duo, das er stellvertretend hervorhob. 

Diesen Prozess hat Oliver Kahn angestoßen

"Unter jungen Menschen gab es schon immer politische Bewegungen – aber dass sich das nun im Fußball so ausgeprägt widerspiegelt, ist eine neue Facette. Wir erleben jetzt junge, interessierte, gebildete Fußballer, die sich über den Spielfeldrand hinaus Gedanken machen und keine Scheu haben, ihre Meinung zu sagen. Ich finde, unsere Zeit braucht solche Figuren", sagte Hainer, der sich auch ausführlich über die zukünftige Strategie seines Klubs äußerte. 

"Der FC Bayern war in den vergangenen Jahrzehnten immer ein Vorreiter im Fußball, und es ist unsere Aufgabe, dass er auch in Zukunft weiter vorangehen wird", betonte der frühere adidas-Chef. Vieles werde zu Recht hinterfragt, "es geht immer mehr um Themen wie Verantwortung, Nachhaltigkeit, Ökologie oder auch Transparenz."

Oliver Kahn habe mit Mitarbeitern und Experten im Verein einen Prozess angestoßen, "der sich mit der mittel- und langfristigen Zukunft des FC Bayern auseinandersetzt. Den Startschuss dazu haben wir intern bereits gegeben." 

Darum ist der FC Bayern ein Vorbild

Es gebe drei zentrale Punkte, die für den FCB entscheidend seien: "Erstens: Wie schaffen wir es, sportlich als internationaler Top-Klub etabliert zu bleiben? Zweitens: Wie stellen wir uns für dieses Ziel wirtschaftlich auf, und zwar entsprechend der bisherigen Bayern-Philosophie, stets finanzielle Vernunft walten zu lassen? Und drittens die soziale Frage: Wie bleiben wir greifbar, wie nehmen wir unsere Rolle in der Gesellschaft wahr, wie werden wir den Fans gerecht, so dass wir auch in zehn Jahren noch eine ausverkaufte Allianz Arena haben, wie schaffen wir es, dass der FC Bayern weiterhin attraktiv bleibt?" 

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Es brauche heutzutage klare Strukturen und Inhalte, "die alle mittragen." 

Bayern sei da in vielerlei Hinsicht ein Vorbild für Europa. "Ich denke schon", sagte Hainer auf eine entsprechende Frage. "Dieser Verein wird unheimlich bewundert – auf der ganzen Welt. Weil er viele Dinge federführend richtig macht, sportlich wie wirtschaftlich. Es gibt nur sehr wenige Vereine, die sich in der Gesamtbilanz mit uns messen können." Und Strahlkraft bedeute Verantwortung. 

Auch deshalb sei er in seiner Rolle als Bayern-Präsident so glücklich: "Ich bin froh, diesem Verein dienen zu dürfen."

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