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Beim 1. FC Köln brennt vor dem Saisonstart der Baum
Beim 1. FC Köln brennt vor dem Saisonstart der Baum © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Imago
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München - Schon vor dem Saisonstart geht es beim 1. FC Köln drunter und drüber. Ein Friedensgipfel muss sogar her. SPORT1 erklärt die Lage am Geißbockheim.

In zwei Wochen rollt in der Bundesliga wieder der Ball.

Vorfreude allenthalben, so könnte man meinen. Beim 1. FC Köln wird diese Vorfreude allerdings getrübt durch einen handfesten Zoff hinter den Kulissen. Lange hatte man in der Domstadt den Eindruck, dass es bei den Geißböcken ruhiger zugeht. Interne Streitigkeiten? Fehlanzeige!

Auch als nach der Corona-Pause auf dem Platz wenig bis nichts mehr lief, blieben die handelnden Personen weitgehend entspannt. Doch plötzlich zeigt sich der Klub wieder von seiner launischen Seite. In der Chefetage des Klubs rumort es gewaltig.

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Es geht um notwendige Veränderungen. Doch damit hat so mancher im Klub ein Problem. Vor allem diejenigen, die den neuen Vorstand gar nicht wollten. Die Probleme gab es nicht im Trainingslager in Donaueschingen, sondern daheim in Köln. Da wird gerade kräftig gezündelt. 

FC-Legende Toni Schumacher, der im vergangenen Herbst als Vizepräsident gehen musste, meldet sich zu Wort und zeigt mit dem Finger auf den neuen Vorstand.  

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Es dreht sich bei den Kölnern gerade um vieles, nur nicht um Fußball. Da gibt es eine virtuelle Mitgliederversammlung, Medienchef Tobias Kaufmann wurde für viele überraschend vor die Tür gesetzt, daraufhin gab es einen Brief der Abteilungsleiter an den Vorstand und es herrschte Chaos um die Vizepräsidenten-Kandidatur, für die es nach SPORT1-Informationen nicht mal eine Bewerbungsliste gab.

Ärger um den Mitgliederrat

Mitgliederratsvorsitzender Stefan Müller-Römer, an dem sich viele im Verein stören, hob in seinem Jahresbericht die Bedeutung des Gremiums hervor, was ein generelles Problem zu sein scheint: "Wir mischen uns als Mitgliederrat nicht in das Tagesgeschäft ein. Wir beraten und überwachen ausschließlich den Vorstand. Der Mitgliederrat ist das einzige von der Mitgliederversammlung gewählte Kontrollorgan in unserem Verein."

Klub-Ikone Stephan Engels, von 1978 bis 1989 für den FC aktiv, fordert bei SPORT1: "Es gibt aktuell eine ganze Reihe von Themen, aber das Allerwichtigste ist der Sport, und da fängt in 14 Tagen die Bundesliga an. Deshalb muss jetzt Ruhe einkehren."

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Der Vorstand gerät von allen Seiten unter Druck. Es geht um die demokratischen Strukturen im Verein. Den Klubikonen Wolfgang Overath, Schumacher, Bernd Cullmann, Karlheinz Thielen und Wolfgang Weber schwillt der Kamm. Gemeinsam unterschrieben sie einen Brief, in dem sie dringenden Gesprächsbedarf anmelden.

Sie alle sehen den steigenden Einfluss des Mitgliederrates - in anderen Vereinen ein Kontrollgremium - im Klub kritisch. Die demokratischen Strukturen des FC sind in den Augen der fünf Alt-Internationalen gefährdet. Der Bitte um ein Gespräch mit ihnen kommen die Bosse natürlich nach. "Der Termin steht, wir werden uns treffen", sagt Präsident Werner Wolf. Wie SPORT1 weiß, wird es am 16. September eine Art Friedensgipfel an einem geheimen Ort geben.
 
Engels, der seit 35 Jahren im Klub ist und nach der Profikarriere unter anderem Nachwuchsleiter, Chefscout und Cheftrainer war, wird konkreter: "Es wird einen Termin geben, bei dem die Alt-Internationalen mit dem Vorstand zusammensitzen, wo es erstmals um die selbst auferlegten Werte und Ideale unseres Vereins geht."

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Persönliches Gespräch mit Wolf

Mehr gebe es dazu im Moment nicht zu sagen, "da ich dies in einem sehr persönlichen Gespräch mit Wolf beschlossen habe".

Heftig sind auch die Turbulenzen, die im Zuge der Entlassung von Medienchef Kaufmann entstanden sind. Schon der ehemalige Präsident Werner Spinner soll ihm mehrfach einen Rücktritt nahegelegt haben, doch Kaufmann, der am Geißbockheim einen exzellenten Ruf genießt, konnte sich des Rückhalts von Geschäftsführer Alexander Wehrle und des früheren Vize-Präsidenten Markus Ritterbach sicher sein. Doch mit dem neuen Vorstand schwand das Vertrauen in Kaufmann, und so wurde er freigestellt. 

Die Trennung war aufgrund Kaufmanns besonderer Rolle als Vorstandssprecher und damit als vermeintliche Vertrauensperson des alten Präsidiums erfolgt, heißt es. Weitere Personalveränderungen soll es nicht geben. 

Kaufmanns Beurlaubung wäre in der normalen Geschäftswelt ein gängiger Vorgang, doch was ist beim 1. FC Köln in diesen Tagen schon normal? Bei den Rheinländern wird diese Entscheidung nun zu einem Skandal aufgebauscht. Kaufmann will gegen die schriftliche Kündigung klagen. Es ist ein einmaliger Vorgang, denn im Fall Kaufmann gab es erstmals eine Anweisung eines Gesellschafters zur Trennung.

Nun beruft Wolf einen Friedensgipfel ein. "Das macht uns betroffen", sagte er hinsichtlich der Reaktion der Mitarbeiter. 

Der kommissarische Vize-Präsident Carsten Wettich sagte zuletzt im Express klipp und klar: "So kann kein normaler Bundesligist überleben."

"Et hätt noch immer jot jejange", so lautet einer von zehn Sätzen des kölschen Grundgesetzes, was soviel heißt wie "Alles wird gut". Das hoffen die Fans des FC, damit rechtzeitig vorm Liga-Start wieder das Sportliche in den Mittelpunkt rücken kann.

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