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Inmitten des Dortmunder Jugendstils ist Thorgan Hazard für Lucien Favre unverzichtbar. SPORT1 erklärt, warum er bei den Fans dennoch einen schweren Stand hat.

Borussia Dortmunds 5:0-Sieg gegen den MSV Duisburg in der ersten Pokalrunde hat so manchem BVB-Fan das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.

Hakte es in einigen Testspielen teilweise noch gewaltig, so scheinen die Westfalen rechtzeitig vor dem Bundesligastart gegen Borussia Mönchengladbach in Form gekommen zu sein. (Bundesliga: Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach, Samstag 18.30 Uhr im LIVETICKER)

Mit der Rückkehr zur Dreierkette zeigte sich die Elf von Lucien Favre in der Defensive gefestigt, nach vorne äußerst spielfreudig. Doch während sich das Augenmerk verstärkt auf die Teenie-Fraktion um Neuzugang Jude Bellingham und Giovanni Reyna konzentrierte, stand einer mal wieder im Schatten der geballten schwarzgelben Jugend: Thorgan Hazard.  

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Der Mann mit den blondierten Haaren agiert schon seit seinem Wechsel von Gladbach zum BVB im vergangenen Sommer eher im Hintergrund, wenngleich seine Statistiken kaum weniger beachtlich sind als die der Dortmunder Youngster. Sieben Tore und 13 Vorlagen in der Bundesliga gelangen dem Belgier in seiner Premierensaison.

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Hazard: "Ich kann noch mehr Tore schießen"

Besonders beeindruckt von seiner Bilanz zeigte er sich allerdings nicht - was die Dortmunder Verantwortlichen sicher gerne hören. "Die Zahl der Torvorbereitungen war okay. Aber ich kann mehr Tore schießen und ich kann auch noch viel besser spielen."

Dass Favre trotzdem nichts auf Hazard kommen lässt, beweisen die regelmäßigen Einsatzzeiten des 27-Jährigen. Der Schweizer Trainer, der den belgischen Nationalspieler bereits aus der gemeinsamen Zeit in Mönchengladbach kennt, schätzt ihn vor allem aufgrund seiner Professionalität und Vielseitigkeit. "Er kann sowohl links als auch rechts spielen. Aber auch Stürmer oder Neuneinhalb. Flexible Spieler sind immer wichtig für eine gute Mannschaft", lautet Favres Credo.

In der Tat hat Hazard in der Offensive schon alle Positionen bekleidet. Hazard überzeugte als Rechts- bzw. Linksaußen ebenso wie als als Mittelstürmer - wenngleich seine Statur eher für die Flügelpositionen geeignet ist.

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Hazards Variabilität bekam am Montag eine weitere Note. Aufgrund der angespannten Personalsituation setzte Favre den Rechtsfuß gegen Duisburg kurzerhand als Schienenspieler ein, der sich auf dem kompletten linken Flügel austoben durfte. Ganz der Teamplayer erfüllte Hazard auch diese Aufgabe, erzielte nebenbei ein Traumtor per Freistoß und leistete per Hacke uneigennützig und sehenswert die Vorabeit für Bellinghams Rekord-Treffer.

BVB-Fans bei Hazard zurückhaltend

"Für mich ist das kein Problem", sagte er anschließend. "Mir ist wichtig, dass ich spiele und wenn ich der Mannschaft so helfen kann, dann mache ich das gerne." Weil sich in der Dortmunder Offensive die viele (Jung-)Stars fast schon auf den Füßen stehen und Favre die Qual der Wahl hat, könnte Hazards neue Rolle mittelfristig sogar zur Dauerlösung werden.

"Am Montag hat das gut funktioniert", freute sich Hazard, der offenbar kein Problem damit hätte, auch weiterhin die linke Seite rauf und runter zu rennen. Beim Ligastart gegen seinen alten Verein wird Hazard aber wahrscheinlich die offensivere Rolle bekleiden, da Raphael Guerreiro seine muskulären Probleme auskuriert hat.

Teamplayer, Taktgeber und Torjäger - und dennoch kommt bei den BVB-Fans die "echte Liebe" für Hazard noch immer nicht ganz durch. Während die Anhänger bei Erling Haaland, Jadon Sancho oder Reyna leuchtende Augen bekommen, ist das Verhältnis zum früheren Gladbacher eher unterkühlt.

Die mangelnde Wertschätzung der Fans könnte an Hazards Spielweise liegen. Diese ist längst nicht so spektakulär wie die seiner offensiven Kollegen. Zudem - da hat Hazard noch Steigerungspotenzial - blieb er in der Champions League bislang blass und sammelte in sieben Partien der vergangenen Saison keinen einzigen Scorerpunkt.

Um sich in die Herzen der Fans zu schießen, müsste es Hazard auch in der Königsklasse so machen wie gegen Duisburg: Sich den Ball bei einem Freistoß hinlegen und ihn in den Winkel zimmern.

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