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Ben Redelings blickt in "Best of Bundesliga" auf den Streit zwischen Matthäus und Möller
Ben Redelings blickt in "Best of Bundesliga" auf den Streit zwischen Matthäus und Möller © Imago
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Best of Bundesliga! SPORT1-Kolumnist Ben Redelings blickt wöchentlich auf die kuriosesten, lustigsten und unterhaltsamsten Highlights der Ligageschichte zurück.

Kinder, wie die Zeit vergeht!

Vor 23 Jahren, genauer während der Saison 1996/97, standen ein paar Männer im Fokus der Liga, die momentan wieder in aller Munde sind. Zum Start ein Blick auf das heutige Geburtstagskind. Alles Gute zum 50. Ehrentag, lieber Mehmet Scholl!

Vor einem knappen Vierteljahrhundert produzierte der gebürtige Karlsruher gerade mehr Nachrichten abseits des Platzes als auf dem grünen Rasen für den FC Bayern – und war darüber selbst am meisten irritiert: "Ich habe mehr Schlagzeilen gemacht als das Geiseldrama in Peru. Da stimmen doch die Relationen nicht!"

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Schlägerei zwischen Kahn und Scholl?

Zum Großteil war der gealterte Teeniestar Scholl jedoch selbst schuld an seiner Lage. Freizügig erzählte er der Presse aus seinem Privatleben. Ehefrau Susanne habe einen Neuen und sei mit dem gemeinsamen Sohn bereits ausgezogen. Zeitgleich berichtete "Momo"-Darstellerin Radost Bokel in großer Aufmachung über den "liebestollen" Mehmet, der "einfach nicht locker lässt".

Und zu guter Letzt gelangte eine Kneipenschlägerei im Winterurlaub, den er mit sechs Bayern-Kollegen verlebte, in die Medien, obwohl "kein einziger Journalist dabei war". Scholls Erklärung: "Also muss einer von uns am nächsten Tag sofort die Presse informiert haben. Es gibt also einen Verräter!“"

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Um ihn zu beruhigen, zerrten ihn damals seine Mitspieler Kreuzer und Kahn aus der Kneipe. Scholl soll das allerdings gar nicht gepasst haben, schrieb die begeisterte Boulevardpresse, er habe angefangen, auf die beiden Kollegen einzuprügeln. Das konnte Titan Kahn so allerdings nicht stehen lassen. Als er die Schlagzeilen las, sagte er trotzig: "Bei einer echten Prügelei hätte der Mehmet mit seinen 68 Kilo keine Chance gegen mich gehabt."

Der CHECK24 Doppelpass mit Jörg Schmadtke, Christoph Daum und Cem Özdemir am Sonntag ab 11 Uhr im TV auf SPORT1

Wirbel um Tagebuch von Matthäus

Irgendwie war in diesen Tagen richtig Zunder in der Liga. So nahm Lothar Matthäus in seinem frisch erschienenen Werk "Mein Tagebuch" Stellung zu verschiedenen Themen seines Alltags.

Und auch zu dem Vorwurf, er sei ein Verräter, schrieb er etwas: "Dann legen sie los. Listen auf, was ich alles 'verraten' haben soll. Die Sache mit Scholl in Zürs und andere Interna, die an die Öffentlichkeit gekommen sind. Der scheußlichste Vorwurf: Ich soll sogar als Doppelagent tätig sein, Sachen aus dem Präsidium weitergegeben haben. Da werden sogar schon private Freundschaften benutzt, mich an die Wand zu nageln. Mit Mühe bewahre ich die Fassung. Versuche, Fall für Fall, Vorwurf für Vorwurf zu entkräften. Sage dann nur: 'Im Gegensatz zu euch bin ich kein Schleimer. Ich stehe zu meinen Freunden. Mit denen rede ich auch, wenn einer von euch vorbeikommt. Ihr aber setzt euch ins Auto und schleicht euch davon. Und wenn ihr an der Säbener Straße um die Ecke gebogen seid, habt ihr noch vor der ersten Ampel telefoniert.'"

Die Bundesliga-Highlights am Sonntag ab 9.30 Uhr in Bundesliga Pur im TV auf SPORT1

Matthäus gerät mit "Heulsuse" Möller aneinander

Doch nicht nur abseits des grünen Rasens ging es hoch her. Das Foto der Saison zeigte eine sehr spezielle Szene. Sieben Jahre zuvor waren die beiden Herren noch zusammen in Italien Weltmeister geworden – nun zofften sich Matthäus und Andy Möller hollywoodreif.

Beim Spitzenspiel am 19. April 1997 im Dortmunder Westfalenstadion gerieten der Bayern-Kapitän und "Heulsuse" Möller heftig aneinander. Die Begegnung endete dann aber weitaus friedlicher mit 1:1.

Und noch ein gerade wieder einmal populär in den Medien vertretenes Gesicht sorgte damals für Schlagzeilen. Unter ihrem Coach Christoph Daum spielten die Leverkusener groß auf. Bayers neuer Trainer schwor seine Mannschaft vor der Saison zur Geisterstunde in der Kabine des Ulrich-Haberland-Stadions auf die bevorstehende Meisterschaftsrunde ein: "Männer! Wer nicht zumindest an einen UEFA-Cup-Platz glaubt, der soll sofort die Kabine verlassen!"

Trainer Christoph Daum ging bei Bayer Leverkusen mit viel Engagement zu Werke
Trainer Christoph Daum ging bei Bayer Leverkusen mit viel Engagement zu Werke © Imago

Niemand verließ den Raum. Alle waren wie hypnotisiert von Daums Aura. Der Brasilianer Paulo Sergio glaubte sogar an höhere Mächte: "Ich stehe seit unserer Mitternachtsbesprechung im Bann des Zauberers Daum. Jetzt glaube ich sogar, dass unser Coach über geheimnisvolle Voodoo-Kräfte verfügt!"

Am Ende wurde Leverkusen jedoch nur Zweiter hinter dem, na, wer wohl? FC Bayern München. Das fand Kölns damaliger Trainer Peter Neururer allerdings ganz und gar nicht schade, denn vor der Saison hatte er versprochen: "Wenn Christoph Daum Meister wird, verlese ich Lobeshymnen in Gedichtform auf dem Kölner Neumarkt. Das habe ich gesagt, dazu stehe ich." Wie wir alle wissen: Dieses harte Los blieb "Peter, dem Großen" auch in den Folgejahren erspart!

Ben Redelings wurde 1975 im Flutlichtschatten des Bochumer Ruhrstadions geboren und ist Experte für die unterhaltsamen Momente des Fußballs. Sein aktuelles Werk "Das neue Buch der Fußballsprüche" verkauft sich sprichwörtlich wie das gut gekühlte Stadionbier. Als SPORT1-Kolumnist schreibt Ben regelmäßig über die "Legenden des Fußballs" und "Best of Bundesliga".

Best of Bundesliga - alle Kolumnen:

- Saison 1963/1964: Als der FC Bayern dem Erzrivalen einen Weltstar klaute

- Saison 1985/1986: Als ein Platzwart gefesselt wurde

- Saison 1991/1992: Als die Presse Matthäus bloßstellte

- Saison 1992/1993: Peter Neururer und die kurioseste Truppe der Liga

- Saison 2004/2005: Die dunkelste Stunde der Bundesliga

- Saison 2000/2001: Als Thorsten Legat die Buchse bis unter die Achseln zog

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