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München - Uli Borowka veröffentlicht bei Facebook seinen früheren Arbeitsvertrag bei Borussia Mönchengladbach. Mit SPORT1 spricht der Ex-Nationalspieler darüber.

"Wieder ein schöner Fund aus der Vergangenheit" - dies postete am Montag der frühere Nationalspieler Uli Borowka (Borussia Mönchengladbach, Werder Bremen), den sie früher aufgrund seiner rustikalen Spielweise nur "die Axt" nannten, bei Facebook und zeigte seinen Arbeitsvertrag bei der Fohlenelf, für die er von 1980 bis 1987 spielte.

"Das waren meine Vertragsangebote von 1986 und 1987 plus mein Arbeitsvertrag bei der Borussia sowie meine Kündigung", erklärte der frühere Abwehrspieler im Gespräch mit SPORT1. "Diese Schreiben fand ich beim Aufräumen. Ich wollte den Kram einfach mal ins Netz stellen, die Resonanz war sensationell. Das ist jetzt schlappe 33 Jahre her, da darf der Fan auch mal in so einen Vertrag schauen. Da steht nichts Schlimmes drin, sondern nur das, was ich verdient habe."

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Grundgehalt 5000 Mark brutto

Doch was konnte der User da nur für Zahlen in seinem Arbeitspapier von einst lesen?

"Im Vertragsangebot stand konkret drin, dass ich ein monatliches Grundgehalt von 5.000 Mark brutto bekam. Im Jahr gab es eine leistungsbezogene Prämie von 50.000 Mark, dafür musste ich aber 30 Pflichtspiele absolvieren, um auf diesen Betrag zu kommen. Wenn ich nur 27 Spiele gemacht habe, wurde mir ein Drittel abgezogen", erzählt Borowka und ergänzt:

"Wenn wir Erster bis Vierter geworden wären, hätte ich 60.000 Mark brutto bekommen. Beim fünften bis achten Platz 30.000 Mark. Alles darunter dann 10.000 Mark. Zusammen hätte ich also rund 120.000 bis 140.000 Mark brutto im Jahr bekommen, wenn alles top gelaufen wäre."

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Kein Vergleich zu heute. "Das war 1986/87, als ich Stammspieler bei Borussia war." Anderen Kollegen, die auch Stammspieler waren wie einige Jahre vorher Lothar Matthäus, hätten damals "das Vier- oder Fünffache verdient".
 
Borowkas erster Vertrag in Gladbach stand erst recht in keinem Verhältnis zu einem heutigen Salär eines Profis. "Ich hatte ein monatliches Grundgehalt von 2500 Mark brutto und eine Jahresleistungsprämie von 20000 Mark brutto. Ich wäre aber auch mit dem Fahrrad nach Gladbach gefahren. Dort zu spielen, war für mich ein Traum", sagt der heute 58-Jährige.

Vergleich mit Matthäus

Es ging ihm gar nicht um viel Geld, wie er heute zugibt, "genauso wie bei Lothar Matthäus, der auch nie gewechselt wäre. Bei ihm ging es um 20.000 bis 40.000 Mark brutto. Ich hatte eine Bomben-Zeit in Gladbach und in Bremen."

1981 war Borowka von den Amateuren zu den Profis befördert worden. Die ersten Jahre waren natürlich nicht leicht, doch er erkämpfte sich schließlich einen Stammplatz. 1986 gab es eine erste harte Verhandlungsrunde mit Gladbachs ehemaligem Manager, Helmut Grashoff. Borowka erinnert sich an nicht ganz einfache Gespräche.
 
"Ich habe damals nur für ein Jahr unterschrieben, weil wir uns nicht ganz einig waren. Das nächste Vertragsangebot wäre von 1987 bis 1989 gewesen. Da habe ich sogar noch meine Kündigung gefunden. In den Zusatzverträgen standen die ganzen Prämien drin", berichtet der frühere Abwehrspieler bei SPORT1 und hält die Dokumente in die Kamera.

Uli Borowka postete diesen Vertrag bei Facebook
Uli Borowka postete diesen Vertrag bei Facebook © facebook.com/uliborowka.de

Grashoff: "Du gehörst zum Inventar"

An die Momente im Büro des Managers erinnert sich Borowka noch ganz genau. "Herr Grashoff sagte immer 'Du gehörst zum Inventar, deshalb ist es für dich schwierig, die Leiter nach oben zu fallen'." Damals war Borowka erst 25 Jahre alt, bevor er 1987 zu Werder Bremen wechselte.

"Mit meinem dritten Vertrag war ich nicht so zufrieden. Ich saß beim Manager im Büro und hatte immer das Gefühl, dass er meine Stuhlbeine abgesägt hat, weil er auf mich herab schaute", sagt Borowka und blickt zurück, als wäre es gestern gewesen.

"Grashoff fragte mich nach meinen Argumenten, warum ich mehr verdienen will. Ich sagte, ich sei seit drei Jahren Stammspieler mit 34 Spielen. Er schaute mich nur an, seine Pfeife qualmte, und sagte 'Das ist kein Argument, hast du noch etwas anderes?' Ich solle dankbar sein, dass ich von den Amateuren zu den Profis kommen durfte."

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Da kamen Gedanken an einen Wechsel auf. Zu der Zeit gab es auch Interesse des FC Bayern. Auch hier gab es Verhandlungen mit einem bekannten Manager.
 
"Ich hatte ein Angebot vom FC Bayern, was sich dann aber zerschlug. Ich war mir mit Uli Hoeneß schon einig. Doch dann rief er mich an und sagte, dass es böses Blut geben würde, weil Jupp Heynckes, der auch nach München wechselte, keine Spieler von Borussia mitbringen wolle. Plötzlich war die Vereinbarung mit Hoeneß nichtig. Wer weiß, wozu es gut war."

BVB-Bosse "spielten lieber Tennis"

Auch mit Borussia Dortmund gab es einen Flirt, berichtet Borowka. "Ich habe damals auch mit dem BVB verhandelt, doch es kam dann nicht zum Abschluss, weil der eine oder andere am Wochenende lieber Tennis gespielt hat." Dann sei er sich mit Otto Rehhagel und Werder Bremen schnell überein gekommen:
 
"Aus meiner Sicht habe ich alles richtig gemacht. Ich bekam vom BVB einen Anruf, man habe keine Zeit gehabt, man wolle mich aber unbedingt verpflichten. 'Egal, was ich woanders verdiene, ich würde 100.000 Mark mehr bekommen, wenn ich unterschreiben würde. Aber ich stand bei Otto bereits im Wort."

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