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München - Vor dem Spiel seiner Bremer beim FC Bayern spricht der ehemalige Werder-Profi Sebastian Boenisch bei SPORT1 über seinen Klub und einen historischen Tag.

Ein wirklicher Fortschritt ist das jetzt nicht. Vor einem Jahr belegte Werder Bremen nach sieben Spielen Platz elf mit acht Punkten, in der aktuellen Tabelle stehen die Grün-Weißen zum gleichen Zeitpunkt auf Rang neun mit zehn Zählern auf der Habenseite. 

Am Samstag geht es für das Team von Trainer Florian Kohfeldt zum FC Bayern (Bundesliga: FC Bayern München - Werder Bremen, Samstag 15.30 Uhr im LIVETICKER). Es gibt gerade leichtere Auswärtsfahrten mit mehr Aussichten auf Erfolg. Die bisherige Saison-Bilanz der Bremer: eine Niederlage, zwei Siege und vier Remis.

"Aktuell sieht das sehr stabil aus und Werder ist wettbewerbsfähig. Da waren teilweise gute Spiele dabei. Ich hoffe, dass Werder auch diese Saison in der Liga bleibt. Wenn zwei, drei Leistungsträger länger ausfallen, wird es natürlich schwer. Obwohl es gerade auch einige der unerfahrenen Spieler ganz gut machen", sagt Sebastian Boenisch, der von 2007 bis 2012 das Werder-Trikot trug, im Gespräch mit SPORT1.

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"Ich bin heilfroh, dass Werder in der vergangenen Saison nicht abgestiegen ist, die nächsten Jahre wären hart geworden. Ich verfolge alle Spiele von Werder, habe immer noch Kontakt zu Ömer Toprak, mit dem ich in Leverkusen gespielt habe."

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Auf der Reise nach Bayern dürfte so manchem Werderaner zumindest ein Highlight wieder ins Gedächtnis kommen. Da war doch was. Und Boenisch war mittendrin. 

Boenisch: Jeder Pass ein "Olé"

Es war der 20. September 2008, Wiesn-Zeit in München. Doch an diesem Tag war den Bayern nicht zum Feiern zumute. Die Bremer gewannen 5:2! 

"Ich kann mich noch gut an dieses irre Spiel erinnern. Wir konnten nicht mit der ersten Elf spielen, denn "Lutscher" (Thorsten Frings, d. Red.) war nicht dabei, wir hatten aber genug Selbstbewusstsein und dachten immer noch, dass wir gut genug sind, um zu gewinnen", erinnert sich Boenisch. "Zur Halbzeit stand es 2:0 für uns. Ich kann es gar nicht beschreiben, es lief alles so unfassbar perfekt, wir haben uns bei jedem Pass "Olé" zugerufen, weil wir das einfach nicht fassen konnten, was da abging." 

Schmunzelnd ergänzt der 33-Jährige: "Und die beiden Tore von Bayern schoss eigentlich mit "Boro" (Werders aktueller Co-Trainer Tim Borowski, d. Red.) auch ein Bremer. Jeder Schuss war gefühlt ein Treffer, ich kann mich nicht erinnern, wann ein Spiel gegen die Bayern so einfach war. Dieses Spiel werde ich niemals vergessen, es war unglaublich."

Nach dem Spiel hätten sich die Werder-Spieler nur angeschaut "und nicht kapiert, was da gerade passiert ist". Boenisch denkt natürlich gerne auch an die Momente nach dem Schlusspfiff zurück. "Die Bayern waren dermaßen angefressen und konnten gar nicht schnell genug in die Kabine. Wir haben ausgelassen gefeiert, im Flieger mit Wein auf diesen wahnsinnigen Sieg angestoßen. Wir haben die Bayern aber nicht verhöhnt. Sie hatten einfach keine Chance."

Ob es dieses Mal wieder so wird, ist wohl nicht zu erwarten. Kriegt Werder den ganzen Groll von Bayerns gefrusteten Nationalspielern nach dem 0:6 der DFB-Elf gegen Spanien zu spüren?
 
"Ich glaube nicht, dass es so kommen wird wie damals. Der FC Bayern ist aktuell die beste Mannschaft der Welt", betont Boenisch, "aber im Fußball ist alles möglich. Einen Punkt traue ich Werder zu."

Lob für Kohfeldt

Lob gibt es von ihm für Kohfeldt. "Er ist ein akribischer Arbeiter und hat sich in der Sommerpause bestimmt auch hinterfragt. Was mir an ihm gefällt, ist, dass er mit Leib und Seele dabei ist." 

Das habe man zuletzt beim Spiel der Bremer zuhause gegen den 1. FC Köln gesehen, als Kohfeldt FC-Trainer Markus Gisdol anging, weil dieser Werder-Spieler ansprach. "Ich fand es gut, dass Kohfeldt da seine Spieler geschützt hat. Bei jedem gewonnenen Zweikampf hat man das Gefühl, dass er auf dem Platz steht", meint Boenisch.

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Auf dem Platz stehen würde der Pole gerne auch noch mal. "Ich bin gerade auf Vereinssuche. Das ist natürlich durch Corona nicht einfach. Wenn es die Möglichkeit gibt, will ich schon noch ein, zwei Jahre spielen."
 
Es sei "keine schöne Situation. Man läuft durch Wien und kaum ein Mensch ist unterwegs. Im ersten Lockdown war es aber noch schlimmer".

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