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SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp (v.) hält Karl-Heinz Rummenigges Idee des Liga-Gipfels für nicht zuende gedacht
SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp (v.) hält Karl-Heinz Rummenigges Idee des Liga-Gipfels für nicht zuende gedacht © SPORT1-Grafik/Getty Images
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Die Einladung des Münchner Vorstandsbosses zu einem "geheimen" Gipfeltreffen hat eine entscheidende Schwäche, findet SPORT1-Kolumnist Tobias Holtkamp.

Karl-Heinz Rummenigge hat eingeladen, zu einem "geheimen" Gipfeltreffen der Profiklubs, Mittwoch in Frankfurt. Der Vorstands-Vorsitzende des amtierenden Champions-League-Siegers möchte relevante Zukunfts-Fragen diskutieren und Weichen stellen.

Es geht ihm zum Beispiel darum, ein gewichtiges Wort bei der Nachfolge von Bundesliga-Boss Christian Seifert, der 2022 ausscheidet, mitzusprechen. Kandidaten zu finden, die wohl auch die strategischen Sichtweisen des FC Bayern teilen.

Ein starker europäischer Superklub als Fixstern, so sehen es die Bayern-Macher, würde der Bundesliga weiter gut zu Gesicht stehen - und die Strahlkraft des Top-Vereins allen helfen. Genau, auch darüber möchte Rummenigge reden und möglichst viele Vereine auf (s)eine Linie in Sachen Verteilung der vielen nationalen und internationalen TV-Millionen bringen.

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Die Idee des Treffens, um gerade in unruhigen Zeiten mal Meinungsbilder abzufragen und mögliche Szenarien durchzuspielen, ist hervorragend. Rummenigges Impuls genau richtig. Und doch macht er einen ziemlich blöden Fehler.

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Rummenigge hat nämlich vier Vereine, so ist es aus der Bundesliga zu hören, nicht zu seinem Zukunft-Meeting eingeladen! Die Verantwortlichen von Mainz, Augsburg, Stuttgart und Bielefeld erfuhren von Kollegen, dass es die genannte Besprechung gibt.

Gar nicht klug von Rummenigge, der wissen muss, dass bei so vielen Beteiligten der Flurfunk-Gesellschaft Bundesliga so ein Thema nicht nur schnell die Runde macht - sondern auch öffentlich wird. Als erstes berichtete am Sonntag der Kicker von Rummenigges Einladungen.

Rummenigges Beweggrund ist durchsichtig

Der Beweggrund, warum Bayerns mächtiger Vorstand die erwähnten Vereine nicht zu seiner Veranstaltung einlud, ist relativ durchsichtig. Sie stehen hinter einem Positionspapier, das vor kurzem Thema wurde. Darin geht es um eine zukünftige Umverteilung der TV-Gelder zugunsten der kleineren Vereinen, um die nationale Schere nicht noch größer werden zu lassen.

Auf Rummenigges Einladungsliste hätte so etwas keinen Einfluss haben dürfen. Denn genau darum, verschiedene Perspektiven und Überzeugungen zur Bundesliga-Zukunft auszutauschen, geht es ja bei dem Zusammenkommen.

Da hätte der Bayern-Chef mehr Größe zeigen können und wie ein kluger Manager handeln - statt tendenziell beleidigt oder arrogant. So geht halt Management, auch unterschiedliche Meinungen zu moderieren und Kompromisse zu finden.

Rummenigge schließt Meinungen aus

Andere Meinungen kann man hören und besprechen, sie einfach auszuschließen, wonach es jetzt aussieht, ist kein guter und schon gar kein vorbildhafter Weg.

Vielleicht ändert Karl-Heinz Rummenigge seine Ansicht in der Sache ja noch. Es wäre das richtige Signal - auf einem sehr wichtigen Weg.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".

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