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Bo Svensson spricht im Podcast "Leadertalk" über das Projekt FSV Mainz 05, seine Führungsprinzipien sowie Thomas Tuchel und Jürgen Klopp.

Im Januar übernahm Bo Svensson den 1. FSV Mainz 05 auf dem 17. Tabellenrang, beinahe abgeschlagen mit nur sechs Punkten nach 14 Spielen.

Doch unter dem Dänen starteten die Rheinhessen eine Aufholjagd und haben nun wieder realistische Chancen auf den Klassenverbleib. Im SPORT1-Podcast "Leadertalk" spricht der 41-Jährige mit Business-Coach und Autor Mounir Zitouni über das Projekt Mainz 05, seine Führungsprinzipien und warum er kein Trainer geworden wäre, wenn er nicht unter Thomas Tuchel gearbeitet hätte. (SERVICE: Die volle Ladung Sport aufs Ohr mit der Podcast-Familie von SPORT1)

Die Entscheidung, in Mainz anzuheuern, fiel Svensson trotz aller Verbundenheit nicht leicht, wie er erzählt: "Die Entscheidung für Mainz ist nicht direkt mit dem Anruf von Christian Heidel gefallen. Ich habe den Job nicht genommen, damit auf meiner Visitenkarte steht: Bo Svensson ist Bundesligatrainer. Ich musste auch das Gefühl haben, dass ich dem Verein etwas beibringen kann. Nach drei, vier Tagen der Reflexion bin ich zu der Entscheidung gekommen, dass ich auf Strecke etwas in Bewegung setzen kann."

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Leadertalk - der SPORT1-Podcast von und mit Business-Coach und Autor Mounir Zitouni

Bo Svensson: "Es geht am Ende um Menschenführung"

Svensson versteht sich in seiner Arbeit als Chef, aber auch als Partner: "Ich versuche, meinen Mitarbeitern - und dazu zähle ich auch die Spieler - das zu geben, was sie brauchen. Am Anfang habe ich als Trainer gedacht, es geht darum, mich selbst zufriedenzustellen, aber ich bin ein Begleiter. Ich versuche, meine Spieler so zu führen, dass sie besser werden, und nicht mein eigenes Ego zu pflegen." (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

Für ihn liegt die Kernarbeit in dem Verständnis mit den Spielern. "Wenn du glaubst, dass du mit Magnetverschieben auf der Tafel erfolgreich sein wirst, dann liegst du falsch. Es geht am Ende um Menschenführung." Doch die Situation war gerade zu Beginn fast schon aussichtslos: "Nach sechs Punkten aus 14 Spielen hast du nicht das allergrößte Selbstvertrauen", sagt Svensson.

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Für den Trainer ging es zu Beginn aber erst einmal um ein anderes Miteinander. "Ich möchte, dass Spieler gern auf die Arbeit gehen, auch wenn sie nur sechs Punkte haben. Vor der Leistung kommt, dass du auch Lust auf die Sachen hast. Lust auf Leistung. Es wird eingefordert, dass man seine Persönlichkeit einbringt, denn die Spieler müssen sich einbringen."

Mittlerweile stellt er fest: "Wir haben die Kultur in Mainz geändert." Dazu gehört auch eine flache Hierarchie, in der sich jeder einbringen soll und muss. Das Team steht über allem: "Ich mag nicht Menschen oder Spieler, die sich wichtiger fühlen als alle anderen", macht Svensson klar. Was den Skandinavier auch selbst auszeichnet.

Er hätte sich auch vorstellen können, Lehrer zu werden - trotz aller Liebe zum Fußball. "Viel von meinem jetzigen Job könnte ich auch von anderen Dingen bekommen, die nichts mit Fußball zu tun haben", betont er. Ihm geht es um die Menschen, mit denen er zu tun hat.

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Deshalb will er sich auch nicht auf einfache Saisonziele festlegen lassen. "Ich sehe das Mainzer Projekt größer als den Klassenerhalt. Ich beurteile meinen Job nicht danach, ob wir ein Tor mehr als der Gegner geschossen haben. Natürlich will ich am Wochenende gewinnen, aber mein Lebensglück hängt nicht davon ab", hat Svensson stets das große Ganze im Blick.

Mainz-Trainer schwärmt von Tuchel und Klopp

Dass der 41-Jährige überhaupt auf der Trainerbank landete, hat seiner Meinung ausschließlich mit seinem ehemaligen Coach Thomas Tuchel zu tun: "Ich wäre kein Trainer geworden ohne Thomas Tuchel. Er war mehr als ein Fußballtrainer. Er hat das Spiel komplett anders gesehen als alles, was ich vorher gesehen habe. Ich habe viel gelernt, wie man eine Gruppe führt. Er ist innovativ, immer bereit, auch neue Ansätze auszuprobieren. Ich ging oft vom Training nach Hause und hatte das Gefühl, gerade habe ich zum ersten Mal etwas ganz Neues erlebt. Er ist ein außergewöhnlicher Trainer und Mensch. Er hat mich sehr geprägt. Ich wäre diesen Weg nicht ohne ihn gegangen." (Tabelle der Bundesliga)

Und auch von Ex-Trainer Jürgen Klopp schwärmt Svensson: "Dass ich als Spieler nach Mainz wechselte, hatte null mit dem Fußballerischen zu tun, es waren eher die Gespräche mit Kloppo, in denen ich gedacht habe, für diesen Trainer möchte ich gern spielen. Am alten Bruchweg hat Kloppo nicht nur seine Mannschaft, sondern auch 20.000 Menschen im Griff gehabt, wie ein Dirigent. Das war schon außergewöhnlich, ein brutales Erlebnis."

Mounir Zitouni (50) war von 2005 bis 2018 Redakteur beim kicker und arbeitet seit dem 1. Januar 2019 als Businesscoach, betreut Sportler, Trainer und Führungskräfte in punkto Auftreten, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung. Der ehemalige Profifußballer (OFC, SV Wehen, FSV Frankfurt, Esperance Tunis) hat zuletzt die Autobiographie von Dieter Müller verfasst und veröffentlicht regelmäßig eine Kolumne auf www.sport1.de.

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