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Hansi Flick verkündet öffentlich, dass er den FC Bayern als Trainer verlassen will. Experten und Gäste im CHECK24 Doppelpass diskutieren den Entschluss.

SPORT1-Experte Stefan Effenberg findet den Entschluss von Hansi Flick, den FC Bayern um die Auflösung bis 2023 laufenden Vertrages zu bitten, "zu 100 Prozent konsequent".

Dass Hasan Salihamidzic als Sportvorstand beim Gespräch zwischen Flick und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nicht dabei gewesen sei, sage alles. "Das zeigt, wie tief der Graben zwischen Flick und Salihamidzic war", sagte Effenberg im CHECK24 Doppelpass bei SPORT1.

"Das hat ja eine Geschichte: Wenn deine Transferwünsche nicht umgesetzt werden - und zwar mehrmals -, muss man sich Gedanken machen. Und Flick sieht, wo das hinsteuert", sagte Effenberg weiter und fügte hinzu: "Ich finde es sehr schade. Ich hätte mir gewünscht, dass Flick bei den Bayern eine Ära prägt."

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Veh: Bundestrainer nicht ausschlaggebender Grund

Armin Veh sieht es ähnlich wie Effenberg. "Reibereien sind normal, dürfen aber nicht langfristig sein. Flicks Schritt ist konsequent, wenn er zu dem Entschluss gekommend ist, dass er völlig andere Ideen hat", sagte der langjährige Trainer und Sportdirektor als Doppelpass-Gast.

Veh findet: "Flick hat überragende Arbeit geleistet und kann Bayern erhobenen Hauptes verlassen."

Dass Flick möglicherweise die Option ergreifen kann, Bundestrainer zu werden, hält Veh nicht für den ausschlaggebenden Grund.

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Für SPORT1-Experte Alfred Draxler ist dieser Punkt allerdings fraglich. "Man muss sich auch eine Frage stellen: Wäre der Posten als Bundestrainer nicht frei, ob er sich da auch so konsequent verhalten hätte. Ich denke, dass er von Anfang an Bundestrainer werden wollte. Da laufen der DFB und Hansi Flick mit ausgebreiteten Armen aufeinander zu. Ich glaube, dass es ihn zum DFB drängt, und ich bin auch sicher, dass er nach der EM oder während der EM als Bundestrainer vorgestellt wird", sagte Draxler.

Dass Flick seinen Entschluss öffentlich verkündete, hinterlässt bei Draxler einen Beigeschmack: "Ich habe nur Gutes für Hansi Flick übrig, aber dass das schon kalkuliert war gestern, das müssen wir doch unterstellen. Das hat er intern hinterlegt, das hätte man auch intern weiterbesprechen müssen. Das war sicher klare Taktik, das gestern öffentlich zu machen, damit es kein Zurück mehr gibt. Ein PR-Berater könnte für diesen Schachzug viel Geld verlangen."

Meier: "Beziehung ist beendet"

Klar ist für Urs Meier indes, dass es nach der Saison zur Trennung von Flick und den Bayern kommen wird. "Diese Beziehung ist beendet, man kann man sie nicht künstlich verlängern", sagte der längjährige Spitzen-Schiedsrichter als Gast im CHECK24 Doppelpass.

Die SPORT1-Experten Effenberg und Draxler sehen noch ein anderes Problem beim FC Bayern - die aktuelle Situation in der Vereinsspitze.

"Fakt ist auch, dass es an der Kommunikation hapert, finde ich. Bei Bayern München war es in der Vergangenheit immer so, dass, wenn man nach außen geht oder etwas präsentiert, dann tut man das mit einer Stimme, und das ist bei Bayern München nicht mehr der Fall", sagte Effenberg.

Draxler: Bayern müssen sich ordnen

Draxler erklärte: "Die Situation passiert in einer Phase, in der die Bayern in einem totalen Umbruch sind, ein kleines Machtvakuum entsteht. Man weiß nicht so genau: Wie viel hat Kalle Rummenigge noch zu sagen? Wie viel hat Oliver Kahn schon zu sagen. In diesem kleinen Machtvakuum passiert jetzt das mit Hansi Flick, deswegen glaube ich, dass die Bayern sich jetzt erst mal ordnen müssen."

Nach Bayerns 3:2-Erfolg beim VfL Wolfsburg am späten Samstagnachmittag hatte Flick öffentlich überraschend verkündet, dass er die Münchner am Saisonende trotz eines Vertrags bis 2023 verlassen will.

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Nach SPORT1-Informationen hat der Sextuple-Coach am Donnerstag ein Gespräch mit Vorstandsmitglied Oliver Kahn geführt und ihm seine Entscheidung mitgeteilt. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, der bis zuletzt vehement um Flick gekämpft hat, wurde vom Trainer als Erster informiert.

Vorstand und Aufsichtsrat müssen entscheiden

Er ist Flicks engster Vertrauter und war beim Gespräch mit Kahn dabei. Hasan Salihamidzic nicht. Denn der Sportvorstand und dessen engste Mitarbeiter sind nach SPORT1-Informationen der Hauptgrund, warum Flick die Bayern verlassen will!

SPORT1 erfuhr: Flicks Abgang ist aus zweierlei Gründen noch nicht in Stein gemeißelt. Einerseits muss der Vorstand dem Wunsch des Trainers erst entsprechen.

Andererseits: Würde sich der Klub von Salihamidzic trennen, könnte der Chefcoach umdenken. Für die Zukunft des Sportvorstands ist der Aufsichtsrat verantwortlich - dort ist die Mehrheit pro Flick.

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