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München - Thomas Müller erlebt beim Spiel FC Bayern gegen Ajax Amsterdam einen Abend zum Vergessen. Mit einer unglücklichen Aktion vermiest er sich sein Rekord-Spiel.

Dieses Jubiläum hatte sich Thomas Müller sicher anders vorgestellt. Der 29-Jährige absolvierte beim 3:3 bei Ajax Amsterdam sein 105. Champions-League-Spiel für den FC Bayern München. Damit ist er der Spieler mit den meisten Einsätzen für den Rekordmeister in der Königsklasse - gemeinsam mit Philipp Lahm.

Dass es ein Spiel war, das Müller wohl nie vergessen wird, hat zwei Gründe. Der eine war die turbulente Schlussphase, in der die Bayern beinahe noch den sicher geglaubten Gruppensieg herschenkten. (SERVICE: Die Tabelle der Gruppe E)

Müller trifft Tagliafico am Kopf

Der andere Grund war die 75. Minute: Müller flog mit gestrecktem Bein in den Zweikampf und traf Ajax-Spieler Nicolas Tagliafico am Kopf. Schiedsrichter Clement Turpin zückte sofort die Rote Karte. Es war bereits die zweite im Spiel, nachdem Amsterdams Maximilian Wöber nach einem rüden Einsteigen gegen Leon Goretzka zehn Minuten zuvor ebenfalls zum Duschen geschickt worden war.

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Die Rote Karte war insofern bemerkenswert, weil Müller als sehr fairer Spieler bekannt ist. In den 461 Pflichtspielen im Trikot des Rekordmeisters vor der Partie bei Ajax hatte Müller erst einmal Gelb-Rot gesehen - und das ist über neun Jahre her. Im Champions-League-Gruppenspiel bei Girondins Bordeaux in der Saison 2008/09 hatte er sich nach 30 Minuten die Ampelkarte abgeholt. Der Platzverweis gegen Ajax war die erste glatt Rote Karte in Müllers Karriere.

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Neuer: "Thomas hat ihn nicht gesehen"

"Thomas hat bei seiner Roten Karte den Mann nicht gesehen. Dadurch dass er ihn genau im Gesicht trifft, ist es natürlich bitter, dass er die Karte bekommen hat", erklärte Bayern-Kapitän Manuel Neuer nach der Partie bei Sky. (Die Stimmen zur Champions League)

In der Tat schaute Müller bei der Aktion nur auf den Ball. Seinem Gegenspieler half das aber trotzdem nicht, Tagliafico blutete nach der Aktion am Kopf, musste behandelt werden.

"Man muss sich ja nur angucken, wie der Junge aussah", sagte Leon Goretzka nach dem Spiel. "Das sah nicht gut aus. Ich glaube, er wurde noch auf dem Platz genäht. So wie ich das gesehen habe, war es schon eine klare Rote Karte."

Tagliafico konnte schließlich weitermachen und erzielte in der Nachspielzeit sogar den Ausgleich für die Niederländer.

Müller: "War keine Absicht"

Müller schlich geknickt und kopfschüttelnd vom Platz. Nach dem Spiel wollte er sich nicht äußern. Lediglich ein "War natürlich keine Absicht", war von ihm zu hören, als er durch die Mixed Zone lief. Im Anschluss ging der noch in die Ajax-Kabine und wollte sich für seine Aktion entschuldigen. Der Argentinier Tagliafico war aber nicht mehr da. Die Entschuldigung holte Müller am Donnerstagvormittag via Instagram nach. "Es tut mir sehr Leid, was gestern passiert ist", schreib er dort. "Es war keine Absicht. Gute Besserung!"

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Im Netz verbreiteten sich reichlich Posts, die im Wesentlichen in zwei Richtungen gingen. Die einen spielten auf die Ähnlichkeiten mi Oliver Kahns legendärem Kung-Fu-Sprung in Dortmund an. 

Die anderen thematisierten Uli Hoeneß' Reaktion auf das Foul von Leverkusens Karim Bellarabi an Rafinha und setzten Müllers Einschreiten.

Die Rote Karte war für Müller das verfrühte Ende einer Partie, die weitestgehend an ihm vorbei lief. Das Achtelfinale wird er wohl mindestens verpassen, eine längere Sperre ist nicht ausgeschlossen. 

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