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Amsterdam - Der FC Bayern zieht als Gruppenerster ins Achtelfinale der Champions League ein. Die Partie bei Ajax Amsterdam entwickelt sich zu einem irren Drama.

Auf Robert Lewandowski war einmal mehr Verlass: Mit seinen Saisontoren Nummer 20 und 21 rettete der Top-Torjäger zusammen mit Kingsley Coman dem FC Bayern den Gruppensieg in der Champions League.

Doch das spektakuläre 3:3 (1:0) bei Ajax Amsterdam sorgte beim polnischen Goalgetter nicht für volle Zufriedenheit.

"Es war kein gutes Spiel, daran müssen wir arbeiten", sagte Lewandowski bei Sky. "Wir können noch besser spielen. Wenn du siehst, dass du noch Sachen besser machen kannst, musst du daran arbeiten. Wir haben noch größeres Potenzial. Wir können nicht zufrieden sein, auch wenn wir den ersten Platz in der Gruppe erreicht haben. Wir müssen immer auf die schlechteren Sachen schauen, dann können wir noch besser spielen." (Die Stimmen zur Champions League)

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Immerhin: Als Gruppenerster gehen die Bayern, die erstmals seit zehn Jahren ungeschlagen die Gruppenphase überstanden, einem möglichen Hammerlos im Achtelfinale aus dem Weg. (SERVICE: Die Tabelle der Gruppe E)

Salihamidzic mit kritischer Analyse

Sportdirektor Hasan Salihamidzic sah in Platz eins "das einzig Positive" und fand ansonsten kritische Worte: "Wir haben den Ball nicht laufen lassen und uns ganz selten befreien können. Wir haben das Spiel vollkommen aus der Hand gegeben. Das darf uns nicht passieren", sagte er.

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Zunächst hatte Lewandowski den FC Bayern mit seinem siebten Treffer (13.) in der laufenden Champions-League-Saison in Führung gebracht. Ajax drehte das Spiel durch zwei Tore von Dusan Tadic. Der Serbe traf erst in der 61. Minute und dann per Elfmeter in der 82. Minute, nachdem Jerome Boateng ein überflüssiges Foul begangen hatte. Erneut Lewandowski (87./Foulelfmeter) und Coman (90.) brachten den FC Bayern auf Kurs, ehe Nicolas Tagliafico (90.+5) für Ajax doch noch ausglich. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Müller sieht Rot

Ajax-Verteidiger Max Wöber (66.) sah nach einem rücksichtslosen Einsatz gegen Leon Goretzka zurecht die Rote Karte. In seinem Rekordspiel für die Bayern folgte ihm Thomas Müller (75.), als er mit gestrecktem Bein den Argentinier Tagliafico am Kopf traf. Müller hatte mit 105. Einsatz in der Königsklasse mit Philipp Lahm gleichgezogen.

"Es war sehr interessant am Ende", meinte Bayern-Kapitän Manuel Neuer mit einem Schmunzeln bei Sky. Er fügte an: "Es war sehr viel Kampf und Leidenschaft drin. Ajax ist einfach gut, das haben wir schon in München gesehen. Das Wichtigste ist, dass wir Erster sind."

Kovac sieht "sensationell gutes Spiel"

Trainer Niko Kovac fand hingegen größtenteils positive Worte. "Wir haben ein sensationell gutes Spiel gesehen. Die Zuschauer sind voll auf ihre Kosten gekommen. Das war Werbung für den Fußball. Wir hatten die klareren Chancen, hätten das Spiel viel früher zumachen müssen. Leider haben wir die Räume nicht so ausgenutzt. Aber das Wichtigste ist, dass wir Gruppenerster sind. Wir haben 14 von 18 Punkten geholt, wir sind zufrieden", sagte Kovac.

Der Bayern-Coach war seiner Linie treu geblieben und hatte erneut die selbe Startelf aufgeboten wie in den vergangenen beiden Bundesligaspielen gegen den 1. FC Nürnberg (3:0) und Werder Bremen (2:1). Daher saß auch Mats Hummels zunächst wieder nur auf der Bank. "Er ist enttäuscht, das ist normal. Aber er muss sich dem Mannschaftsgeist unterordnen", sagte Kovac vor dem Spiel bei Sky.

Bei Ajax waren die Augen vor allem auf Abwehrchef Matthijs de Ligt (19) und Mittelfeldlenker Frenkie de Jong (21) gerichtet, an beiden Ausnahmetalenten soll neben anderen europäischen Topklubs auch der FC Bayern interessiert sein.

Gnabry wirbelt - Lewandowski trifft

Es entwickelte sich von Beginn an ein offenes Spiel. Die Bayern hatten durch Serge Gnabry (2.) eine erste Gelegenheit. Mit der Unterstützung seiner lautstarken Fans versuchte Ajax die Münchner mit aggressivem Pressing und hohem Tempo zu beeindrucken.

Der auffälligste Spieler war zunächst aber Gnabry. Erst scheiterte der Flügelflitzer (12.) noch am glänzend parierenden Ajax-Torwart Andre Onana, dann aber fand er mit einem exzellenten Zuspiel Lewandowski, der eiskalt vollstreckte. Die jungen Wilden von Ajax agierten in dieser Phase zu ungestüm.

Platzverweise leiten turbulentes Ende ein

Gefährlich blieben die Niederländer aber allemal, bisweilen hatten die Bayern ziemliche Mühe, die Angriffe abzuwehren. Van de Beek (26.) prüfte Bayern-Torwart Manuel Neuer per Kopf. Fast im Gegenzug hatte Lewandowski (27.) das 2:0 auf dem Fuß, schoss jedoch Onana an.

Nach Wiederbeginn änderte sich an den optischen Ajax-Vorteilen nichts. Und weil die Münchner minütlich passiver wurden, folgte fast schon unvermeidlich der Gegentreffer zum 1:1. Günstig kam für die Bayern die Hinausstellung Wöbers, die Ajax den Schwung nahm. Das hatte sich aber wieder erledigt, als Müller ihm folgte. In den Schlussminuten überschlugen sich dann die Ereignisse.

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