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Dortmund - Trotz der Pleite gegen Tottenham schöpft Borussia Dortmund Mut für den Titel-Endspurt. Zwei Probleme muss der BVB aber dringend in den Griff bekommen.

Nach dem Aus in der Champions League standen Dortmunds Spieler minutenlang vor der Südtribüne. Nicht vor einer vorwurfsvollen, schwarz-gelben Wand des Schweigens. Nein, es war eine Mischung aus Trost und vor allem ein Einschwören auf den Endspurt im Titelkampf, die der Mannschaft lautstark entgegen hallte.

"Was die Fans da gemacht haben, war echt Weltklasse. Wir hatten, glaube ich, alle Gänsehaut. Solche Momente geben uns viel Kraft, jetzt müssen wir liefern", sagte Kapitän Marco Reus.

Trotz des 0:1 gegen Tottenham Hotspur und dem Scheitern im Achtelfinale zieht der BVB aus der Partie neuen Mut und eine Art Aufbruchstimmung für die verbleibenden zehn Saisonspiele, die über die letzte Titelmöglichkeit für die Borussia entscheiden - die deutsche Meisterschaft. (Service: Bundesliga-Tabelle)

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Kehl: Intensität und Leidenschaft sind die Benchmark

"Wir müssen am Samstag gegen Stuttgart den Turnaround schaffen", forderte Reus.

Und Sebastian Kehl ist guter Dinge, dass dies gelingt. "Diese Intensität und Leidenschaft, die wir gegen Tottenham auf den Platz gebracht haben - das ist die Benchmark", sagte der Leiter der Lizenzspielerabteilung und schob ein bisschen trotzig hinterher: "Wir haben noch viel vor."

Das Spiel gegen den abgebrüht auftretenden Tabellendritten der Premier League zeigte aber auch: Zwei Mega-Baustellen müssen die wankenden Dortmunder dringend und in aller Eile schließen, um im Duell mit dem FC Bayern eine Chance zu haben.

Diesmal patzt Abwehrchef Akanji

Da ist zum einen die Defensive. Trainer Lucien Favre hatte die beiden Unsicherheitsfaktoren der Pleite von Augsburg, Achraf Hakimi und Dan-Axel Zagadou, draußen gelassen. Dafür patzte diesmal der ansonsten umsichtig agierende Abwehrchef Manuel Akanji.

Der Schweizer, der erst vor kurzem von langwierigen Hüftproblemen genesen war, rückte kurz nach der Pause bei einem verlorenen Zweikampf zu weit aus der Innenverteidigung vor und öffnete so die entscheidende Lücke für Torschütze Harry Kane.

Was auch immer Favre derzeit probiert, Dortmunds Abwehr bleibt anfällig. Kane nutzte dies in der Manier eines Weltklassestürmers. Und verdeutlichte damit umso mehr den gravierenden Unterschied zur BVB-Offensive.

Reus stöhnt: "Unfassbare Torchancen"

In der besten Dortmunder Phase zehn Minuten vor der Halbzeit vergaben Julian Weigl, Raphael Guerreiro und Reus beste Gelegenheiten im Sekundentakt. "Wir hatten unfassbare Torchancen", stöhnte Reus nach dem Spiel in den Katakomben des Signal-Iduna-Parks.

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Auch Mittelstürmer Paco Alcacer schaffte es bei einer der letzten Aktionen nicht, den überragend haltenden Torhüter Hugo Lloris zu überwinden. Nach der vergebenen Gelegenheit hätte der Spanier am liebsten den Rasen traktiert. Ein Zeichen seines Frusts. Nach dem Spiel schlich Alcacer wie ein Häufchen Elend an den Journalisten vorbei.

Sorgenkind Paco Alcacer

Alcacer ist aktuell so etwas wie das Sinnbild der Dortmunder Situation. Der BVB kombiniert sich förmlich zu Tode und stirbt in Schönheit. Das Dortmunder Spiel erinnert an die deutsche Nationalmannschaft bei der WM. Viel Ballbesitz, wenig Ertrag. Manchmal fehlt das Tempo in den Kombinationen, manchmal physische Wucht, auf jeden Fall aber ein Knipser, der den Ball ins Tor schießt.

In der Hinrunde hatte Alcacer phasenweise wie am Fließband getroffen. Im Jahr 2019 hat er, nach erneuten gesundheitlichen Problemen in der Winterpause, erst einen Treffer erzielt – das am Ende bedeutungslose 1:2 in Augsburg. Der Frage, ob ihm Alcacer Sorgen bereite, wich Favre aus. Wichtig sei, sagte Favre, dass er sich Torchancen erarbeite. Dann werde der Ball auch wieder ins Tor gehen.

Am besten schon am Samstag gegen Stuttgart (Bundesliga: Borussia Dortmund - VfB Stuttgart, ab 15.30 Uhr im LIVETICKER). Sonst droht der BVB auch seine letzte Titelchance in kurzer Zeit zu verspielen.

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