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München - Pep Guardiola von Manchester City gilt als weltbester Trainer, doch seit 2011 jagt er der wichtigsten Trophäe vergeblich nach. Ein Muster ist erkennbar.

Natürlich, es war jede Menge Pech dabei.

Hochdramatisch war das 4:3 von Manchester City gegen Tottenham Hotspur, das nach der 0:1-Hinspielniederlage das Aus für die "Citizens" besiegelte. Ein Spiel, das am Ende jederzeit in eine andere Richtung hätte kippen können und es ohne den Video-Schiedsrichter auch getan hätte.

Und trotzdem lautet das nackte Fazit einmal mehr: Pep Guardiola hat sein Ziel verfehlt. Zum siebten Mal in Folge, zum dritten Mal hintereinander mit City ist Guardiola im Champions-League-Finale nur Zuschauer.

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Trotz über 600 Millionen Euro, die ManCity seit Guardiolas Ankunft allein in Spieler-Ablösen investiert haben soll. Trotz der Tatsache, dass der Klub auf einen Gegner traf, den er in der Liga um 16 Punkte abgehängt hat.

Mehr und mehr drängt sich die Frage auf, was genau da immer wieder schief läuft bei dem Mann, der im Ruf steht, der beste Fußball-Trainer der Welt zu sein. Ist es Zeit, diese Einschätzung korrigieren?

Kann Pep Guardiola nur Barca?

Neu ist die Debatte nicht, sie verfolgt Guardiola, seit er den FC Barcelona verlassen hat und mit dem FC Bayern München dreimal "nur" bis ins Halbfinale der Königsklasse vorstieß. Sieh mal an, der kann nur Barca, ohne Messi und Co. ist der Wundertrainer nix, so der Tenor.

Natürlich ist das arg überspitzt: Jeweils vier Meisterschaften und Pokalsiege, die der Katalane auch ohne Messi erreicht hat, sind deutlich mehr als nix.

Und die Ansicht, dass der 48-Jährige trotz allem der beste Trainer der Welt sei, wird weiterhin vertreten von Fachleuten mit durchaus qualifizierter Meinung. Liverpool-Coach Jürgen Klopp etwa, Guardiolas derzeit größter Rivale in der heimischen Premier League, äußert sie immer wieder.

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Den großen Wurf schafften andere Charaktere

Unbestreitbar ist aber dennoch: Zum ganz großen Wurf auf internationaler Ebene hat es für Guardiola ohne Barca immer noch nicht gereicht. Stattdessen durften in den vergangenen Jahren ganz andere Trainertypen die Hand an den Henkelpott legen: Zinédine Zidane, Luis Enrique, Carlo Ancelotti, Jupp Heynckes, Roberto Di Matteo.

Roberto Di Matteo.

Als Wundertrainer, als Genie, als Taktik-Guru gelten sie alle nicht unbedingt - was vielleicht kein Zufall ist.

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Ein wiederkehrendes Muster

Schon nach dem Hinspiel bei Tottenham äußerte der Guardian, Englands seriöseste Zeitung, den Gedanken, dass Guardiola womöglich etwas zu genial sein wolle.

Ein Detail, das dem Blatt auffiel: Guardiola wartet seit zehn Spielen auf einen Auswärtssieg in einem Champions-League-Viertel- oder Halbfinale. "Da ist ein wiederkehrendes, sich vielleicht selbst verstärkendes Muster zu erkennen, dass Guardiola diese Auswärtsspiele überanalysiert, dass er eine ungewohnte Aufstellung wählt und die Konsequenzen erntet", schrieb es daher.

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Die Intensität, mit der Guardiola sich in den jeweiligen Gegner hereinfuchse, seine Gründlichkeit, die eigentlich als seine große Stärke gilt, verwandle sich "paradoxerweise" immer wieder in eine Schwäche - weil er sie zu weit treibe.

Fehlentscheidungen bei Aufstellung und Taktik

Im vergangenen Jahr, beim Viertelfinal-Aus gegen den FC Liverpool, wurde Guardiola vor allem für die überraschende Berufung von Ilkay Gündogan als zusätzliche Absicherung im Mittelfeld kritisiert. Sie ging nach hinten los, Liverpool legte mit einem 3:0-Heimsieg den Grundstein fürs Weiterkommen.

Im Hinspiel bei den Spurs verblüffte Guardiola dann mit dem Entschluss, zu Gunsten der Defensive auf die Angriffswirbler Leroy Sané und Kevin De Bruyne zu verzichten.

Nach dem Aus gegen Tottenham wundert sich die englische Presse nun zum Beispiel darüber, warum Guardiola den routinierten, aber nicht allzu spritzigen Vincent Kompany in der Abwehr aufbot. Auch hier trat nicht der erhoffte Effekt ein: Kompany wirkte nicht auf der Höhe, trug zum Kontrollverlust in der Defensive bei, nicht zu ihrer Abdichtung.

Verrat an der eigenen Spielidee?

Guardiola habe gegen seine eigene Spielidee aufgestellt, wird nun moniert. Während im umgekehrten Fall natürlich moniert worden wäre, dass Guardiola seiner Spielidee alles krampfhaft unterordne und damit in sein Unglück renne. Hatte er auch oft genug.

Letztlich muss sich Guardiola nicht vorwerfen lassen, nicht immer wieder fieberhaft nach dem perfekten Masterplan für das jeweilige Spiel zu suchen.

Aber wahrscheinlich ist etwas dran an dem Gedanken, dass genau diese Fieberhaftigkeit in der Suche dazu beiträgt, dass er auffällig oft auf einem Irrweg landet.

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