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Der Trainer ist geprägt von einer Barcelona-Ikone, der Torjäger will es seinem Ex-Klub zeigen. Und dann ist da noch der Vergleich von Reus mit Messi.

Lucien Favres Augen leuchteten ein bisschen heller, als er auf der Pressekonferenz vor Borussia Dortmunds Champions-League-Auftakt am Dienstag (Champions League: Borussia Dortmund - FC Barcelona ab 21 Uhr im LIVETICKER) über den großen FC Barcelona sprach.

Anfang der 90er, erinnerte sich Favre, habe er zwei Wochen in Barcelona unter Johan Cruyff hospitiert. "Das", sagte Favre mit Nachdruck, "hat mich inspiriert".

Cruyff, der als Trainer mit Barcelona von 1988 bis 1996 alles gewann, was möglich war, und dabei den Stil Barcas nachhaltig geprägt hat, ist Favres großes Vorbild. Daraus macht der BVB-Coach keinen Hehl. Nicht von ungefähr verliehen englische Journalisten Favres früherem Verein Borussia Mönchengladbach dem Beinamen Borussia Barcelona. Und Cruyff ließ seinem glühenden Verehrer ein signiertes Trikot zukommen.

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"Er revolutionierte das Spiel - Fußball total. Alle beteiligten sich am Aufbau, die Verteidiger gingen mit, links und rechts", schwärmte Favre schon früher von Cruyff und seiner Art des Fußballs.

Favre sah Guardiola beim Passen zu

In guten Momenten ist dieses fein orchestrierte und offensive Spiel seit Favres Amtsantritt im Vorjahr auch bei den Dortmundern zu erkennen. Das Flachpassspiel. Der Aufbau von hinten mit dem Innenverteidiger als erstem Spielmacher. Die Kreativität bei höchster Disziplin. Dann schimmert Barcelonas Original durch die schwarz-gelbe Variante.

Favre erzählte aus seinem zweiwöchigen Praktikum unter Cruyff einmal aus dem Nähkästchen: "Ronald Koeman und Pep Guardiola übten Flachpässe. 30-Meter-Zuspiele, flach war obligatorisch, links, rechts, präzise, mit Tempo."

Eine Übung, die sich in Favres Gedächtnis eingebrannt hat, ebenso wie Cruyffs Credo: "Technik in Bewegung macht den Unterschied". Gepaart mit einem anderen Leitmotiv: der Bewegung ohne Ball.

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Alcácer setzt den Kontrapunkt

Steht Favre für die Ästhetik, setzt ein anderer Protagonist mit ganz handfesten Barcelona-Wurzeln den Kontrapunkt: Paco Alcácer, im Vorjahr von Barca zum BVB gestoßen, verkörpert die kühle Effizienz vor dem Tor.

Hat der 26-Jährige in seiner Dortmunder Premierenspielzeit vornehmlich als Super-Joker von sich reden gemacht, glänzt er in dieser Saison als Torgarant von Beginn an. Ob Supercup, DFB-Pokal, Bundesliga oder für die Nationalmannschaft: In jedem Spiel hat Alcácer bislang getroffen.

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Für Alcácer, der neben den 19 Jahre alten Nachwuchshoffnungen Mateu Morey und Sergio Gomez der dritte Dortmunder mit Barcelona-Vergangenheit ist, wird es ein ganz besonderes Spiel. Auch weil er in Barcelona hinter den Superstars Lionel Messi und Luis Suarez nur zweite Wahl war.

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Eiskalt und intelligent

"Viele Leute in Barcelona haben mich sehr gut behandelt, andere aber sehr schlecht", sagte Alcácer zuletzt im Radio-Interview bei Cadena SER. Tore gegen den Ex-Klub wären da durchaus eine Genugtuung. Auch wenn Kapitän Marco Reus außergewöhnliche Gefühlswallungen bei seinem Teamkollegen im Vorfeld des Spiels nicht feststellen konnte. "Er ist die Ruhe selbst", sagt Reus.

Vielleicht gehört sich das so für einen "eiskalten Torjäger" - so Reus über Alcácer. Ihn lediglich auf seine "überragende Statistik" zu reduzieren, werde dem Spanier jedoch nicht gerecht: "Er ist einfach ein wichtiger Spieler, er spielt intelligent, und weiß, wo der Nebenmann ist."

Reus: "Messi ist der beste Spieler der Welt"

Wäre da noch Reus selbst. Ein wenig wird er ja immer verglichen mit Barcas Superstar Messi. Beide keine richtigen Stürmer, offensiv eher überall zu finden – und trotzdem gnadenlos gefährlich.

Wie Reus noch am Samstag beim 4:0 gegen Leverkusen mit zwei Toren unter Beweis stellte. Während Messi bei Barcas 5:2 gegen Valencia mit einer Wadenverletzung auf der Tribüne zuschaute und wohl auch gegen Dortmund zumindest nicht in der Startelf stehen wird.

Reus selbst mag den Vergleich mit Messi ohnehin nicht so recht. "Messi", sagte er auf der Pressekonferenz am Montag, "ist einfach der beste Spieler der Welt und hat Fähigkeiten, die sonst keiner hat".

Irgendwo hören die Gemeinsamkeiten dann doch auf.

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