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Niko Kovac muss den Frust der Bayern-Reservisten moderieren
Niko Kovac muss den Frust der Bayern-Reservisten moderieren © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Getty Images/Imago
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München - Der FC Bayern ist nicht perfekt in die Saison gestartet. Bislang verzichtet Trainer Niko Kovac auch auf Rotation. Zum Leidwesen einiger Reservisten.

Am Mittwoch heißt es endlich wieder Champions League beim FC Bayern! 

Kurz vor dem Start des Oktoberfests empfangen die Münchner Serbien-Klub Roter Stern Belgrad (Champions League: FC Bayern - Roter Stern Belgrad ab 21 Uhr im LIVETICKER).

Die vereinsinternen Ansprüche nach dem Vorjahresaus im Achtelfinale gegen den FC Liverpool sind enorm, die Vorfreude ist es auch. Allerdings nicht bei jedem Bayern-Star, denn in der noch jungen Saison hat sich bereits Bank-Frust angestaut, obwohl der Kader bewusst kleingehalten werden sollte. 

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Unwahrscheinlich ist zudem, dass Bayern-Trainer Niko Kovac in der Königsklasse personelle Experimente vornehmen wird. Zu wichtig ist ein Top-Start in diesen Wettbewerb, nachdem man mit nur acht Punkten nach vier Bundesliga-Spielen den schwächsten Saison-Start seit fünf Jahren hingelegt hat.

SPORT1 sagt, wie die Aussichten der (Noch-)Reservisten sind.

Jérôme Boateng: (31/bisher 180 Pflichtspielminuten in allen Wettbewerben): Der Innenverteidiger blieb nach wochenlangen Wechselgerüchten nun doch in München - wie schon im Vorjahr. In Leipzig (1:1) kam er nur zu seinem ersten Saisonspiel, weil sich David Alaba (Faserriss in den linken Adduktoren) verletzte.

Boateng spielte ordentlich, aber nicht fehlerfrei. Möglich wäre, dass er fortan bis zur Alaba-Genesung neben Niklas Süle ran darf. Möglich ist aber auch, dass Benjamin Pavard wieder nach innen rückt. Die Bank jedenfalls ist für Boatengs Ansprüche zu wenig. Er will spielen.

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Corentin Tolisso (25/387): Kovac hält enorm viel vom bulligen Franzosen. In der Liga blieb er am dritten Spieltag gegen Mainz (6:1) aber außen vor, bei RB wurde er nur eingewechselt.

Auch Tolisso hat das Problem, dass die Plätze im Mittelfeld-Zentrum rar gesät sind. Der 25-Jährige gilt nach Verletzungspause aber nicht als Motz-Kandidat. Die Ambition des Weltmeisters von 2018 ist aber klar: Ein Stammplatz. 

Ivan Perisic (30/123): Die Leihgabe von Inter Mailand machte bei seiner Vorstellung deutlich, dass er gekommen ist, um zu spielen. Zwar ist ihm bewusst, dass er vorerst als Backup für Serge Gnabry und Kingsley Coman gilt. Der ehrgeizige Kroate wird sich dauerhaft aber nicht mit dem Schattendasein zufrieden geben.

Mit Kovac hat er jedoch einen Verbündeten, der um seine Stärken weiß. Die Erfahrung und Abgezocktheit vor dem Tor sind seine Vorteile. Er ist im Vergleich zur Konkurrenz aber langsamer und schwächer im Eins gegen Eins. In Leipzig spielte er gar nicht. Gegen Belgrad könnte er für Gnabry starten. 

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Philippe Coutinho (27/102): Die Barcelona-Leihgabe soll von Kovac kurzfristig in die erste Elf integriert werden. Dafür haben sich die Bayern taktisch bereits angepasst, da mit Coutinho wohl dauerhaft wieder im 4-2-3-1 gespielt werden soll. Nach langer Länderspielreise und verkürzter Vorbereitungszeit brachte ihn Kovac in Leipzig erst in der 88. Minute. Gegen Belgrad hingegen wird er wohl in der Startelf stehen.

Coutinho gilt als freundlicher und zuvorkommender Mensch, nicht als Rebell. Auch Superstar-Ansprüche sind ihm fremd. Eine Rolle als Joker ist aber weder für ihn, noch für die Bayern-Bosse vorstellbar. Die große Show des Samba-Stars blieb bisher aber aus. 

Michael Cuisance (20/11): Der Neuzugang von Borussia Mönchengladbach gilt als Mann für die Zukunft. Bei der Fohlenelf motzte er sich weg und erarbeitete sich in den letzten Tagen dort den Ruf des Stinkstiefels. Sein Ziel ist es, zu spielen.

Nur schwer vorstellbar ist aber, dass er kurzfristig im Star-Ensemble der Münchner auf längere Einsätze kommt. Training mit offenen Schuhen (wie in Gladbach) wird er sich in München nicht erlauben können. Cuisance muss sich vorerst mit seiner Reservisten-Rolle anfreunden. 

Alphonso Davies (18/168): Das kanadische Supertalent galt als absoluter Wunschtransfer von Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Auch Kovac hält viel vom schnellen und physisch starken Nationalspieler und gewährte ihm bereits viel Spielzeit. In Leipzig kam er beim Stand von 1:1 als erster Spieler in die Partie. Möglich ist, dass ihm Kovac als Alaba-Ersatz ausprobiert, obwohl er für die linke Offensiv-Seite geholt wurde.

Davies soll die Zukunft gehören. Über seine Joker-Rolle beschweren wird er sich vorerst nicht. Mit seiner positiven Art ist er im Team zudem sehr beliebt. 

Javi Martínez (31/13): Beim Basken ist das Frust-Potenzial am höchsten. In allen Wettbewerben kam er bisher erst auf einen Kurzeinsatz am zweiten Spieltag auf Schalke (3:0). Viel zu wenig für Martínez! Sichtlich enttäuscht, trottete er in Leipzig nach der dritten Einwechslung von Kovac mehrere Meter entfernt hinter den anderen Reservisten zur Auswechselbank. Zuvor blieb er noch allein neben dem Pfosten stehen.

Nach Abpfiff war er einer der ersten in der Bayern-Kabine. Bitter für ihn: Im Vorjahr zeigte er nach der Herbst-Krise eindrucksvoll, dass er den Bayern defensive Stabilität verleihen kann. Aktuell setzt Kovac im Mittelfeld aber auf andere Qualitäten. Das interne Standing von Martínez ist hoch, als Lautsprecher gilt er aber nicht. Martínez bleibt nach außen hin positiv. Am Montag konnte er privat übrigens schon wieder strahlen. Mit einem Freund genoss er die bayerische Sonne und spielte Padel-Tennis. Wann er unter Kovac wieder lachen wird und spielen darf, ist unklar. 

Fiete Arp (19/0): Der Neuzugang des Hamburger SV absolvierte eine ordentliche Vorbereitung, stand aber zum Liga-Auftakt überraschend nicht im Kader. Anschließend fehlte er wegen Krankheit.

Arp muss sich über Einsätze bei der zweiten Mannschaft in der dritten Liga und im Training empfehlen. Seine Einsatzchancen bei den Profis sind aktuell gering. Sich darüber öffentlich beschweren wird er nicht.

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