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Barcelona - Vor dem Spiel bei Barca machte BVB-Boss Watzke klare Ansagen, auch die Spieler nahmen sich in die Pflicht. Aber was konnten Reus und Co. umsetzen?

Es waren ereignisreiche Tage bei Borussia Dortmund.

Erst das Teilzeit-Debakel gegen Aufsteiger Paderborn am Freitag, am Sonntag und Montag dann Mitglieder- und Hauptversammlung - und zu guter Letzt das 1:3 in der Champions League beim FC Barcelona. (Service: Champions-League-Spielplan)

Einiges war nach dem 3:3 gegen Paderborn gesagt, analysiert und gefordert worden - in erster Linie von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der sich im Rahmen der beiden Versammlungen auch ausführlich zur sportlichen Lage äußerte.

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Aber haben die Ansagen an Trainer und Mannschaft schon einen Effekt gehabt? Und was war im Camp Nou von dem zu sehen, was Marco Reus und Co. selbst angekündigt hatten, besser machen zu wollen.

SPORT1 macht den Check.

"Reißt euch zusammen, strafft euch, und tretet so auf, wie das von Borussen erwartet wird." - Hans-Joachim Watzke auf der Mitgliederversammlung

Es war die wohl markigste Aussage - oder vielmehr Ansage - die Watzke am Sonntag in der Westfalenhalle machte.

Riss sich die Mannschaft in Barcelona zusammen? Im Vergleich zum desaströsen Auftreten in München sowie in der ersten Hälfte gegen Paderborn mit Sicherheit.

Dementsprechend wollte auch niemand Mats Hummels widersprechen, als er meinte, es sei "nichts passiert, wofür wir uns als Mannschaft irgendwie schämen müssen".

Wer sich bei den mitgereisten BVB-Fans umhörte, der gewann jedoch den Eindruck: Ein bisschen mehr erwarten sie sich schon noch von ihren Borussen.

Hemmt Erfolgsdruck den BVB?

"Das Problem ist, dass wir immer dann gut spielen, wenn wir das Gefühl haben, wir haben nichts mehr zu verlieren." - Marco Reus vor der Mitgliederversammlung

Ja, die Aussage des Dortmunder Kapitäns ist tatsächlich vor dem Spiel in Barcelona gefallen und nicht danach. Was zeigt: Dieses Problem schleppt die Mannschaft weiterhin mit sich herum.

Erst als es vermeintlich ohnehin schon egal war - nämlich als Barcelona bereits mit 2:0 führte - legten die Dortmunder noch einmal zu.

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Die Ursache für dieses wiederkehrende Phänomen zu benennen, fällt jedoch schwer. Lastet zu viel Erfolgsdruck auf der Mannschaft? Durchaus möglich.

Aber wenn nicht das Auswärtsspiel beim in der Champions League seit sechseinhalb Jahren zuhause ungeschlagenen Starensemble des FC Barcelona die optimale Gelegenheit ist, befreit aufzuspielen - was denn dann?

"Die Zielsetzung Meisterschaft haben wir uns erarbeitet. Wir werden unsere Ambitionen nicht an der Garderobe abgeben." - Hans-Joachim Watzke auf der Mitgliederversammlung

Bei allen großen Zielen - der ehemalige BVB-Kapitän Sebastian Kehl gestand nach der Niederlage in Barcelona offen und ehrlich: "Man fährt jetzt nicht unbedingt nach Barcelona, um hier hoch zu gewinnen."

Hummels äußerte sich in Sachen Erwartungshaltung an das Spiel im Camp Nou ähnlich wie der Leiter der Dortmunder Lizenzspielerabteilung.

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Barca habe verdient gewonnen, meinte der Innenverteidiger - und er wolle zwar keinesfalls so klingen, "als hätten wir uns nichts vorgenommen", das könne in Barcelona "aber eben auch einfach mal passieren".

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Haben die Dortmunder, um es mit Watzkes Worten zu sagen, deshalb ihre Ambitionen schon am Eingang zum Camp Nou abgegeben?

Wohl kaum, denn: Ein bisschen Realismus muss bei einem Auswärtsspiel gegen Lionel Messi und Co. schon erlaubt sein.

Sancho leistete sich nächsten Fehltritt

"Es war zwingend notwendig, gewisse Dinge anzusprechen, die aber intern bleiben." - Marco Reus vor der Mitgliederversammlung

Was auch immer im Kreise der Mannschaft angesprochen wurde - zumindest bei einem schien die Botschaft nicht angekommen zu sein.

Wie sonst ist es zu erklären, dass Trainer Favre Jadon Sancho nicht für "fokussiert und bereit" genug hielt, um ihn im Camp Nou von Beginn an zu bringen?

Dass am Tag nach dem Spiel via Bild an die Öffentlichkeit kam, welchen Fehltritt sich der 19-Jährige diesmal geleistet hatte, spricht zudem nicht dafür, dass Interna beim BVB derzeit auch innerhalb der Mannschaft bleiben.

"Lucien, du hast auch weiterhin unser Vertrauen, aber es ist auch eins klar: Du bist schon so lange im Fußball dabei wie viele von uns auch. Fußball wird immer noch über Ergebnisse definiert." - Hans-Joachim Watzke auf der Mitgliederversammlung

"Wenn man 1:3 verliert, dann ist das sicherlich kein Schritt heraus aus der Krise", betonte Sportdirektor Michael Zorc. Im Gegenzug hielt Kehl fest, es sei aber eben auch "zumindest kein Schritt tiefer in die Krise rein".

War das Glas nun halbvoll oder halbleer?

Eigentlich egal, denn eines ist klar: Mit dem Abpfiff im Camp Nou ist die Schonfrist für Favre abgelaufen.

Am Samstag im Auswärtsspiel bei Hertha BSC (Bundesliga: Hertha BSC - BVB ab 15.30 Uhr im LIVETICKER) muss eine deutliche Steigerung her.

Spielerisch, kämpferisch - und vor allem in Sachen Ergebnis. Sonst wird Jürgen Klinsmanns erstes Spiel als Trainer der Berliner zugleich Favres letztes als Coach der Dortmunder gewesen sein.

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